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Corona-Pandemie: Nur noch mit Maske ins Büro?

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Corona-Pandemie: Nur noch mit Maske ins Büro?

Wie kann eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland verhindert werden? Die CDU denkt über eine Maskenpflicht am Arbeitsplatz und im Schulunterricht nach. Im Fokus stehen zudem Auflagen für private Feiern.

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  • tagesschau.de

In Deutschland steigen die Corona-Infektionszahlen wieder - am Samstag wurde mit 2.034 Fällen der höchste Wert seit Ende April registriert. Gleichzeitig scheint sich in Teilen der Bevölkerung eine gewisse Frustration über die Corona-Schutzmaßnahmen auszubreiten. In den Regierungen von Bund und Ländern wird über den richtigen Kurs debattiert. Wie streng müssen die Maßnahmen sein? Wie lässt sich eine exponentielle Ausbreitung verhindern? Wie stark kann man in den Alltag der Bevölkerung eingreifen?

AKK für strengere Maskenpflicht

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer brachte strengere Maskenvorschriften im Berufsleben und in Schulen ins Spiel. Viele Unternehmen hätten die Maskenpflicht am Arbeitsplatz schon eingeführt. "Das könnte auf jeden Fall ein Schritt sein, der auch bundesweit verpflichtend wird, jedenfalls wenn damit die Schließung ganzer Branchen verhindert werden könnte", sagte sie der "Welt am Sonntag".

Das gelte auch für die Schulen, so Kramp-Karrenbauer. Wenn das obligatorische Tragen von Masken im Unterricht dazu führe, die Schließung der Schulen zu umgehen, solle man darüber nachdenken: "Die Erfahrungen in Nordrhein-Westfalen scheinen nicht so schlecht zu sein." NRW ist bis jetzt das einzige Bundesland, in dem eine Maskenpflicht während des Unterrichts gilt.

Söder für einheitliche Maskenpflicht

Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kündigte im Deutschlandfunk an, dass er sich für eine einheitliche Maskenpflicht einsetzen werde. "Wir müssen sogar überlegen, ob wir die Maskenpflicht an einigen Stellen jetzt gerade noch einmal in den nächsten ein, zwei Monaten vielleicht noch verstärken können", sagte der CSU-Politiker.

DGB kritisiert "billige Maskenlösung"

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Aussagen Kramp-Karrenbauers zu einer möglichen Maskenpflicht am Arbeitsplatz. Es könne nicht sein, dass mit einer "billigen Maskenlösung" Arbeitgeber und Länder aus der Pflicht entlassen würden, für wirksame Maßnahmen zu sorgen, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel der Nachrichtenagentur dpa.

"Nicht blinder Aktionismus, sondern sachgerechte Maßnahmen, die tatsächlich vor Infektionen schützen, sind nun gefragt", betonte Piel. Sie rief dazu auf, in Gebäude und Technik zu investieren. Masken stünden beim Arbeitsschutz an letzter Stelle, hätten Bundesarbeitsministerium und die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin festgestellt.

Piel bezeichnete das stundenlange Tragen einer Maske als "erhebliche Belastung". Zuallererst müssten technische und organisatorische Schutzmaßnahmen des Arbeitgebers und der Schulverwaltungen umgesetzt werden, um mögliche Gefährdungen abzuwenden.

Kipping fordert Luftfilter für Gebäude

Linkspartei-Chefin Katja Kipping forderte zur Verhinderung von Corona-Infektionen die Bereitstellung von geeigneten Luftfiltern. "Schulen, Büros und Gastronomiebetriebe müssen vor dem Winter Luftfilter zur Verfügung haben, die Aerosole mit Corona-Viren sicher aus der Luft filtern können", sagte Kipping dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Bundesregierung müsse dringend für die ausreichende Verfügbarkeit solcher Filteranlagen sorgen.

Obergrenze für private Feierlichkeiten?

In der Politik wird zudem über bundesweit einheitliche Teilnehmerobergrenzen für private Feiern diskutiert. Dies stößt in mehreren Bundesländern allerdings auf Widerstand, wie eine dpa-Umfrage ergab. Demnach befürworten etwa Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz grundsätzlich eine einheitliche Obergrenze für Familienfeiern, Geburtstagspartys oder Hochzeiten, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Eine einheitliche Regelung hätte den Vorteil der "Klarheit und Akzeptanz", sagte ein Hamburger Senatssprecher. Die Ländervertreter mahnen aber, dass es zu keiner Aufweichung der eher strengen Regeln in ihrem jeweiligen Bundesland kommen dürfe.

Widerstand in Norddeutschland

Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern lehnen eine Obergrenze ab - dort sind die Infektionszahlen niedriger als in einigen Ballungsräumen und den südlichen Flächenländern.

"Auf den ersten Blick mag eine bundeseinheitliche Lösung vorteilhaft wirken, allerdings verkennt sie die oft innerhalb Deutschlands sehr unterschiedliche Entwicklung des Infektionsgeschehens", sagte ein Sprecher der Landesregierung in Schleswig-Holstein. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sagte dem NDR: "Warum soll ich im Norden bei mir im Bundesland die Bevölkerung genauso einschränken, wie es vielleicht in Bayern nötig wäre, wo wir die geringsten Infektionen haben und in Bayern die größten sind?"

Zwischen 25 Menschen und keiner Obergrenze

Jedes Bundesland hat eigene Regeln für private Feiern und öffentliche Veranstaltungen erlassen. So dürfen sich in Hamburg höchstens 25 Menschen treffen, wenn sie in der eigenen Wohnung oder auf dem eigenen Grundstück feiern. In Berlin dürfen sich bei öffentlichen wie privaten Feiern bis zu 500 Menschen treffen, in Brandenburg gibt es keine Obergrenzen.

Das Land Thüringen denkt derzeit über Lockerungen nach, weil das Infektionsgeschehen sich dort positiv entwickelt. Dagegen ziehen Bayern und Baden-Württemberg eine Verschärfung der Auflagen für private Feiern in Erwägung.

"Private Feiern sind eine sehr große Gefahr"

Mehrere Gesundheitsminister der Länder brachten sogar ein Verbot privater Feierlichkeiten ins Spiel. "Private Feiern sind eine sehr große Gefahr", sagte Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" . Sollte die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen, drohten erneut "harte Kontaktbeschränkungen. Das sollte allen bewusst sein".

Auch der baden-württembergische Gesundheitsminister Manfred Lucha sagte, notfalls müsse bei den Einschränkungen nachgesteuert werden. Und Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci formulierte es so: "Ich bleibe dabei: Es ist nicht die Zeit für Partys."

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