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Corona-Pandemie: Mehr Notrufe wegen Desinfektionsmitteln | BR24

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Immer öfter bekommt der Giftnotruf Anrufe wegen der Einnahme von Desinfektionsmitteln.

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    Corona-Pandemie: Mehr Notrufe wegen Desinfektionsmitteln

    Seit der Corona-Pandemie hat sich nach Einschätzung von Experten die Gefahr durch Vergiftungen mit Desinfektionsmitteln erhöht. Beim Giftnotruf klingelt das Telefon in diesem Zusammenhang immer häufiger - meist sind besorgte Eltern am Apparat.

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    • BR24 Redaktion

    Während der Corona-Pandemie haben sich nach Einschätzung von Experten die Vergiftungsgefahren durch Desinfektionsmittel im Haushalt deutlich erhöht. Das Giftinformationszentrum in Erfurt erreichten in diesem Jahr knapp 600 Anfragen dazu. Das seien fast ein Drittel mehr Anrufe wegen Desinfektionsmitteln gewesen als in den Jahren zuvor, sagte die Leiterin des Giftnotrufs, Dagmar Prasa gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

    Die meisten Anrufe gingen von besorgten Eltern aus

    Hauptsächlich seien es Hilferufe von Eltern gewesen, deren Kleinkinder Desinfektionsmittel versehentlich getrunken hätten oder bei denen aus dem Spender etwas ins Auge gespritzt sei, sagte Prasa. Es gebe aber auch Erwachsene, die in Wasserflaschen umgefüllte Desinfektionsmittel unbeabsichtigt getrunken hätten. In einem Fall aus Sachsen habe ein Mann mit Erkältungssymptomen aus Angst vor Corona absichtlich einen Schluck Desinfektionsmittel genommen. Zum Glück sei aber nichts weiter passiert, so Prasa.

    Inhaltsstoffe reizen den Magen-Darmtrakt

    Mittel für die Händedesinfektion enthalten in der Regel hochkonzentrierten Alkohol wie Ethanol und Isopropanol. In einigen seien auch Chlor freisetzende Substanzen enthalten. Diese Mittel reizten den Magen-Darmtrakt und könnten zu Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall führen, erklärte Prasa. Gefährlicher seien Konzentrate, die auch ätzend wirken können.

    18 Prozent der Fälle mussten in die Klinik

    In etwa 18 Prozent der Fälle wegen Desinfektionsmitteln empfahlen die neun rund um die Uhr beratenden Ärzte und Apotheker des Giftnotrufs eine Überwachung oder Behandlung in der Klinik. Beim größten Teil (44 Prozent) rieten sie zunächst zur häuslichen Beobachtung und nur bei Auftreten von Symptomen, sich beim Arzt oder in der Klinik vorzustellen.

    Warnung vor Mittel, dass auch gegen Corona helfen soll

    Zugleich warnte Prasa vor dem im Internet als "Wundermittel" beworbenen MMS (Miracle Mineral Supplement), das angeblich auch bei Corona helfen solle. Es wirke durch das Mischen von Natriumchlorit mit einer Säure und könne dadurch heftige Magen-Darm-Beschwerden auslösen. Der Giftnotruf habe in diesem Jahr mit 16 Fällen mehr als doppelt so viele wie in den Jahren zuvor verzeichnet.

    Zentrum in Erfurt für ganz Deutschland zuständig

    Das Giftinformationszentrum in Erfurt wird von den Ländern Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam betrieben, erfasst jedoch auch Fälle aus anderen Bundesländern. Beim Giftinformationszentrum in Erfurt wurden in diesem Jahr fast 21.000 Vergiftungsfälle registriert. Das sei ein leichter Anstieg zu 2019. Nach wie vor wird der Notruf zumeist wegen der Verwechslung oder der falschen Einnahme von Medikamenten gewählt.

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