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Corona-Pandemie: Brasiliens Krankenhäuser vor Kollaps | BR24

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In Brasilien gibt es Signale, dass das Gesundheitssystem überlastet ist. Erste Patienten sterben, weil sie nicht adäquat medizinisch versorgt werden können. In Manaus im Amazonasgebiet sind die Krankenhäuser bereits überfüllt.

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Corona-Pandemie: Brasiliens Krankenhäuser vor Kollaps

Es sind Bilder, die man bisher nur aus New York oder der Lombardei kannte: Überlastete Krankenhäuser, Massengräber, Hilferufe. Nun steht auch Brasilien vor dem Kollaps - besonders die Stadt Manaus leidet.

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Während Särge in die Grube gesenkt werden, hebt ein Bagger daneben schon einen neuen Graben aus. Auch in der Millionenstadt Manaus, mitten im Amazonasgebiet, werden Tote inzwischen in Massengräbern bestattet. Und hinter den Krankenhäusern stehen Kühlcontainer für die Toten. "Die werfen die Leichen da einfach in den Container, als wären es Tierkadaver", sagt eine Anwohnerin.

Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

Das Fernsehen zeigt jetzt auch aus Brasilien Bilder, die man bisher nur aus New York oder der Lombardei kannte. Manaus ist die erste Stadt Brasiliens, in der das Gesundheitswesen völlig überlastet ist.

Hilferuf des Bürgermeisters

Bürgermeister Arthur Virgílio Neto flehte in einem Zeitungsinterview um Hilfe. Das sei kein Notstand mehr, sondern eine Katastrophe. Ärzte müssten entscheiden, ob sie junge oder alte Patienten retten. Und viele Menschen verhielten sich unvernünftig, sagt der Bürgermeister, allen voran der Präsident Jair Bolsonaro.

"Wir geben nicht auf, obwohl der Präsident die Leute auf die Straßen schickt und viele Sturköpfe unbedingt draußen rumlaufen müssen." Arthur Virgílio Neto, Bürgermeister von Manaus

Offiziell sind rund 200 Menschen in Manaus an Covid-19 gestorben, doch tatsächlich dürften es wesentlich mehr sein, sagt eine Krankenschwester, die unerkannt bleiben will. "Die Toten können nicht auf das Virus getestet werden. Die Menschen, die zu Hause sterben, oft mit schwerer Atemnot, die kommen nicht in die Statistik", sagt sie.

Millionenstadt Manaus schwer zu erreichen

Manaus liegt abgelegen mitten im Amazonasgebiet und ist nur per Schiff oder mit dem Flugzeug zu erreichen. Es ist die einzige große Stadt in einem Bundesstaat, der viermal so groß ist wie Deutschland. Deshalb ist es besonders schwer, Nachschub an Material oder an Geräten nach Manaus zu bringen.

Doch auch in den Metropolen im Süden des Landes steht das Gesundheitssystem kurz vor dem Kollaps. Die Chefärztin der Intensivstation eines öffentlichen Krankenhauses in Rio de Janeiro sagt, man stehe noch am Anfang der Pandemie. Aber schon jetzt müssten die Ärzte entscheiden, wem sie eine Intensivbehandlung ermöglichen, wer ein Beatmungsgerät bekommt und wer nicht.

Ärztin klagt über mangelnde Ausstattung

Auch sie wollte nur anonym mit der ARD sprechen. Sie sagt: "Heute habe ich 20 Patienten, die Sauerstoff bekommen. Ihr Zustand kann sich jeden Moment verschlimmern - bis hin zur Intubation. Aber ich habe nur zehn Beatmungsgeräte, acht davon sind schon vergeben. Meine 35 Intensivbetten sind gar keine richtigen 35 Intensivbetten." Schon jetzt koste der akute Materialmangel Menschenleben, sagt die Ärztin.

"Wir hatten eine Situation, in dem ein Patient einen Herzstillstand hatte. Wir konnten ihn nicht wiederbeleben, weil uns die Schutzkleidung fehlte. Wir hatten nur einen Schutzanzug, und der wurde gerade gebraucht, um einen Patienten an ein Beatmungsgerät anzuschließen", berichtet die Ärztin weiter.

"Das ist unsere tägliche Grenzerfahrung, dass wir nicht ausreichend Material haben." Ärztin aus Manaus

Medizinisches Personal wird nicht getestet

Nur Patienten mit schweren Symptomen können noch auf das Coronavirus getestet werden. Es kann bis zu zwei Wochen dauern, das Ergebnis zu bekommen. Verdachtsfälle mit leichten Symptomen oder das Krankenhauspersonal können gar nicht getestet werden.

Und die Zahlen gehen weiter steil nach oben. Der Höhepunkt der Erkrankungen wird erst in einigen Wochen erreicht. Dabei sind jetzt schon mehr als 90 Prozent der Intensivbetten in Rio de Janeiro belegt. Anfangs waren vor allem die reichen Stadtteile mit ihren gut ausgestatteten Privatkliniken betroffen.

Doch jetzt hat die Pandemie auch die staatlichen Kliniken erreicht und immer mehr Patienten kommen aus den Favelas, den Armenvierteln. Präsident Bolsonaro fordert trotzdem weiterhin, alle Beschränkungen, die in einzelnen Bundesstaaten oder Städten verhängt wurden, sofort wieder aufzuheben.

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