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Alles teurer? Wie Corona die Preise beeinflusst | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Jens Büttner

Die Verbraucherpreise in Deutschland haben im Juni um 0,9 Prozent zugelegt. Damit steigt auch wieder die Inflationsrate. Teurer wurden unter anderem Dienstleistungen, Mieten und frische Lebensmittel, zum Beispiel Obst.

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Alles teurer? Wie Corona die Preise beeinflusst

Die Verbraucherpreise in Deutschland haben im Juni um 0,9 Prozent zugelegt. Damit steigt auch wieder die Inflationsrate. Teurer wurden unter anderem Dienstleistungen, Mieten und frische Lebensmittel, zum Beispiel Obst.

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Von
  • Walter Kittel
  • Dirk Vilsmeier

Die Lockerungen bei den Corona-Maßnahmen haben auch zu leicht höheren Verbraucherpreisen geführt. Die Inflationsrate im Juni stieg auf 0,9 Prozent – nach 0,6 Prozent im Mai. Dienstleistungen verteuerten sich beispielsweise im Durchschnitt um 1,4 Prozent, da die Nachfrage wieder zulegte, aber auch die Aufwendungen im Rahmen der Corona-Vorsorge aufwändiger wurden. So wurden Friseurbesuche und Körperpflege um mehr als fünf Prozent teurer.

Essen wurde deutlich teurer – im Supermarkt wie im Restaurant

Auch für den Besuch eines Restaurants oder eines Schnellimbisses mussten die Kunden im Durchschnitt 2,6 Prozent mehr ausgeben. Spürbar legten auch die Nettokaltmieten zu – ebenfalls um 1,4 Prozent.

Für viele Verbraucher am offensichtlichsten waren aber die Preise für Lebensmittel, die in einigen Bereichen deutlich zulegten – im Schnitt um 4,4 Prozent. Teurer wurden vor allem Obst (plus 11,1 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (plus 8,2 Prozent).

Das hat auch Alexandra Hessler aus Benediktbeuern festgestellt. Denn gerade bei Obst und Gemüse spart sie ungern.Doch seit der Corona-Krise spürt sie bei einigen Obst- und Gemüsesorten deutliche Preissteigerungen: "Nach dem Einkauf im Bioladen habe ich auch gedacht: mein Gott, dieser Blumenkohl, der war ja exorbitant teuer. Das hätte ich so nicht erwartet."

Alexandra Hesslers Eindruck täuscht nicht und das hängt auch mit Corona zusammen: Bei manchen Lebensmitteln fällt die Preissteigerung in Deutschland aktuell höher aus als normal. So kosteten frische Lebensmittel im Juni 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Besonders stiegen die Preise bei Obst. Hier zahlten die Verbraucher durchschnittlich sogar 18 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Wassermelonen um 20 bis 40 Prozent teurer

Vor allem der Kauf einer Wassermelone hat Alexandra Hessler nachdenklich gemacht. Denn eine mittelgroße Frucht, die kaum mehr als drei Kilo auf die Waage bringt, kostete sie bereits ein kleines Vermögen. "Ich glaube, wenn ich vorher gewusst hätte, dass da dann 9,35 Euro oder was steht, hätte ich sie liegen lassen."

Bei frischen Lebensmitteln stehen Wassermelonen in diesem Jahr weit oben in der Statistik mit den höchsten Preissteigerungen. Im Juni waren sie laut Agrarmarkt Informations-Gesellschaft durchschnittlich über 20 Prozent teurer als vor einem Jahr. Zeitweise waren es sogar um die 40 Prozent. Das soll mit der schlechten Ernte in Spanien sowie fehlenden Erntehelfern zusammenhängen.

Deutliche Preiserhöhungen bei Obst und Gemüse

Aber auch viele andere Obst- und Gemüsesorten sind von Preissteigerungen betroffen. Karlheinz Schlemmer vom Bioladen in Penzberg hat Konsequenzen gezogen und sich nach günstigeren Einkaufsmöglichkeiten umgeschaut.

"Also das, was wir machen wollen, ist natürlich vermehrt regionale Ware anzubieten. Weil die Gärtner die Ware um einiges günstiger anbieten können wie aktuell die Großhändler. Wer überwiegend aus dem Großraum Deutschland oder aus dem Ausland Ware besorgen muss, wird jetzt viel Geld bezahlen. Aber der Gärtner verlangt immer noch seine Preise vom letzten Jahr." Karlheinz Schlemmer, Penzberg

Sparen kann man mit heimischen Früchten

Ein für den Händler preiswerterer Einkauf bedeutet auch für die Kunden niedrigere Preise im Laden. Doch der regionale Markt funktioniert nicht immer. Manche Obst und Gemüsesorten sind in Bayern noch nicht reif oder ausgewachsen. Hier müssen Kunden deshalb immer noch die höheren Preise zahlen.

Wer sich gesund und auch günstig mit Obst und Gemüse ernähren will, sollte gegebenenfalls auf Importware verzichten, rät Anja Schwengel-Exner von der Verbraucherzentrale in Bayern: "Einfach mal zu schauen, was ist gerade zum Beispiel in der Saison besonders günstig. Die Erdbeeren gehen gerade raus. Die werden jetzt etwas teurer, weil es wieder weniger gibt. Aber vielleicht gibt es dann ja schon günstige Aprikosen zum Beispiel. Und man kann natürlich auch sehen: Kartoffeln sind so günstig wie seit Jahren nicht mehr. Da kann man eben auch halt das ein oder andere Kartoffelgericht mehr auf den Tisch bringen."

Dass Kartoffeln preiswert sind, hängt auch mit der neuen Ernte zusammen, die jetzt auf dem Markt ist. Zusammen mit den alten Kartoffeln vom vergangenen Jahr besteht ein großes Angebot, das eigentlich jedes Jahr zu saisonalen Preisnachlässen führt. Viele Preisschwankungen sind zudem ganz normal, weil etwa Witterungsbedingungen einen großen Einfluss auf die Obst- und Gemüse-Ernte haben. Während der Corona-Einschränkungen sei nun die Ernte geringer ausgefallen und der Transport habe eine Rolle gespielt, sagt Schwengel-Exner.

Wegen Corona werden Sprit und Heizöl billiger

Nicht nur Obst- und Gemüsepreise hat die Corona-Krise durcheinandergewirbelt. Deutliche Auswirkungen sind auch bei Spritpreisen festzustellen. Aktuell zum Vorteil der Verbraucher, so ADAC-Sprecher Andreas Hölzel: "Wenn ich die erste Jahreshälfte 2020 mit dem Gesamtjahr 2019 vergleiche, dann sehe ich, dass beispielsweise Benzin um etwa 9,2 Prozent gesunken ist und der Dieselpreis ist um 8,7 Prozent gesunken. Also das ist schon eine ganz deutliche Vergünstigung auf dem Kraftstoffmarkt, von dem auch die Verbraucher natürlich profitieren."

Denn aufgrund der Corona-Krise sind weltweit die Rohölpreise gesunken. Neben günstigerem Sprit profitieren Verbraucher auch durch billigeres Heizöl. Auf die Haushaltskassen der Verbraucher hat sich die Krise also nicht nur nachteilig ausgewirkt.

Alexandra Hessler, die Obst und Gemüse auch im eigenen Garten anbaut, zieht für ihre Familie folgendes Fazit: "Unterm Strich war es jetzt vielleicht doch, obwohl die Lebensmittel teurer waren, insgesamt gar nicht so belastend - zum Glück."

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