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Bildrechte: pa/dpa/Caroline Seidel

Noch gibt es genug freie Intensivbetten. Aber das kann sich ändern. Ein Konzept des Bundesinnenministerium soll es einfacher machen, Patienten zu verlegen - auch in andere Bundesländer. Und Kliniken bereiten sich auf mehr Intensivpatienten vor.

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Corona-Notfallplan: Patienten sollen bundesweit verteilt werden

Die Kliniken sind wieder stärker mit Covid-19-Fällen belastet. Bund und Länder bereiten sich darauf vor, Intensivpatienten im Notfall bundesweit zu verteilen. Dafür wird Deutschland in fünf Regionen aufgeteilt.

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  • tagesschau.de

Bund und Länder wollen an Covid-19 erkrankte Intensivpatienten bei knappen Kapazitäten künftig zwischen den Bundesländern verteilen. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die Berliner Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Deutschland sei in fünf Regionen aufgeteilt, die sich über die Auslastung der klinischen Kapazitäten informierten und im Bedarfsfall freie klinische Kapazitäten zur Verfügung stellten.

"Sollte sich in einem Bundesland oder einer Region eine starke Beanspruchung abzeichnen oder sogar eine Überlastung eintreten, wird über zentral eingerichtete Stellen in den Regionen der überregionale Patiententransport in aufnahmefähige Regionen organisiert", sagte Kalayci.

Bayern und NRW bilden jeweils eigene Großregionen

Laut einem Konzept des Bundesinnenministeriums, aus dem die Funke-Zeitungen zitieren, haben sich im Norden Hamburg, Bremen, Niedersachen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern zu einer der fünf Versorgungsregionen zusammengeschlossen. Im Osten seien es Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im Südwesten sollen sich Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und das Saarland gegenseitig unterstützen. Die bevölkerungsreichsten Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern bilden demnach eigene Großregionen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Durch klare Strukturen und Abläufe, medizinisch-fachliche Beratung und Bündelung von Transportressourcen wird gewährleistet, dass bei drohender beziehungsweise eingetretener regionaler Überlastung von intensivmedizinischen Kapazitäten ein Ausgleich innerhalb Deutschlands auch unter komplexen Rahmenbedingungen bewältigt werden kann."

Zahl der Corona-Intensivpatienten stark gestiegen

Die Zahl der intensivmedizinisch behandelten Covid-19-Fälle hat sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in den vergangenen zwei Wochen von 730 Patienten (17.10) auf 1839 Patienten (30.10.) mehr als verdoppelt. Ursache ist ein deutlicher Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Deutschland. Mit 19.059 Fällen binnen eines Tages wurde zuletzt ein neuer Höchstwert erreicht.

Trotzdem sprach sich der Chef der Helios-Kliniken, Francesco De Meo, in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" dagegen aus, vorsorglich Klinikbetten für Covid-19-Patienten frei zu halten. Im Frühjahr waren die Krankenhäuser dazu angehalten worden und hatten als Ausgleich eine Prämie erhalten.

"Wir waren weit davon weg, nicht genug freie Intensivkapazitäten zu haben", sagte De Meo dem Blatt. "Unsere Krankenhäuser können ganz erheblich mehr an Covid-19 verkraften, als wir im März angenommen haben." Aus den Meldedaten der Krankenhäuser lasse sich eine Woche im Voraus ziemlich genau erkennen, wie viele schwere Covid-19-Fälle auf das Gesundheitssystem zukommen. "Diese Woche reicht uns, um das Krankenhausgeschehen komplett umzustellen."

Studie: Zahl der Corona-Toten wird im November steigen

Einer Studie zufolge werden in den kommenden Wochen deutlich mehr Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion sterben als in den vergangenen Wochen. Modellrechnungen zeigten, dass die Zahl der Todesfälle durch Covid-19 in Deutschland bereits Anfang November auf 500 bis 800 pro Woche zunehmen dürfte, sagte die Leiterin einer Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen, Viola Priesemann. Möglicherweise falle der Anstieg sogar noch stärker aus.

Die bisher relativ niedrigen Zahlen von Todesfällen seien darauf zurückzuführen, dass sich bis Ende September überwiegend Menschen unter 60 Jahren mit dem Virus Sars-CoV-2 angesteckt haben, erläutern die Wissenschaftler um Priesemann. Seitdem steige die Zahl der gemeldeten Infektionen auch bei Über-60-Jährigen. Dies führe mit einem Zeitverzug von etwa zwei Wochen auch zu einem Anstieg der Todesfälle.

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