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Bei Demonstrationen gegen das Krisenmanagement der Regierung ist es in Belgrad erneut zu Ausschreitungen gekommen. In Serbien steigen die Corona-Neuinfektionen rasant, deshalb sind neue Einschränkungen geplant.

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Belgrad: Erneute Ausschreitungen wegen Corona-Maßnahmen

In Serbien ist es erneut zu Protesten gegen die verhängten Corona-Maßnahmen gekommen. Zuvor hatte Präsident Aleksandar Vucic zwar die angekündigte Ausgangssperre zurückgenommen, es dürften aber dennoch weitere Einschränkungen verhängt werden.

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Von
  • Sophie Timmermann

In der serbischen Hauptstadt Belgrad ist es am Mittwochabend erneut zu Protesten gekommen. Tausende Demonstranten gingen auf die Straße, um gegen die von der Regierung verhängten Corona-Maßnahmen zu protestierten. Die Polizei setzte Tränengas und Knüppel gegen Demonstranten ein, die Steine und Feuerwerkskörper auf die Beamten warfen.

Nach ersten Angaben wurden mehrere Polizisten und Demonstranten verletzt. Mehrere Menschen wurden festgenommen. Die Polizei riegelte das Zentrum der Stadt vorübergehend ab. Nach Protesten am Vortrag kam es erstmalig auch in anderen serbischen Städten zu Demonstrationen, so etwa in Novi Sad, Nis und Kragujevac.

Proteste gegen Ausgangssperre

Angesichts steigender Infektionen hatte Präsident Aleksandar Vucic für das Wochenende eine Ausgangssperre verkündet. Schon am Dienstag protestierten tausende Menschen gegen den angekündigten Lockdown.

Die zunächst friedlichen Proteste schlugen auch am Mittwoch in Gewalt um. Demonstranten forderten mit Sprechchören den Rücktritt des Präsidenten und versuchten sich Zugang zum Parlament zu verschaffen. Der Staatschef hatte seine Ankündigung vom Vortag wieder zurückgezogen, kündigte jedoch weitere Einschränkungen an.

Hohe Corona-Zahlen in Serbien

Zuletzt verzeichnete Serbien einen rasanten Anstieg von Neuinfektionen und Todesfälle durch das Coronavirus. Am Dienstag wurden 13 Todesfälle binnen 24 Stunden verzeichnet. Seit etwa zwei Wochen stecken sich durchschnittlich 300 Menschen am Tag mit dem Virus an.

Von Mitte März bis Anfang Mai hatte die Regierung einen strengen Lockdown eingeführt, der zu einem starken Rückgang von Infektionen führte.

Wahlen nach Boykott gewonnen

Vucic, der das Land seit 2012 regiert, hatte vor den Parlamentswahlen am 21. Juni die Corona-Beschränkungen fast gänzlich gelockert. Die Wahlen, die eigentlich im April stattfinden sollten, waren aufgrund der Corona-Krise auf Juni verschoben worden. Kritiker werfen dem Präsident vor, die Lockerungen eingeführt zu haben, um die Wahlen abzuhalten zu können.

Die Wahlen, bei der Vucic' Partei SNS auf eine absoluter Mehrheit kam, wurden zuvor von der Opposition boykottiert. Schon bei den Präsidentschaftswahlen in 2017 kam es zu Protesten gegen den Präsidenten.

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