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Corona-Maßnahme in Spanien: Schweigen in Bussen und Bahnen | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Clara Margais

Schweigen in Bussen und Bahnen gegen Corona

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Corona-Maßnahme in Spanien: Schweigen in Bussen und Bahnen

Der Chef der Münchner Verkehrsgesellschaft hat sich für eine Schweigepflicht in Bussen und Bahnen "nach spanischem Vorbild" ausgesprochen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. In Spanien gilt derzeit eine Schweigeempfehlung im ÖPNV.

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Von
  • Oliver Neuroth

Öffentliche Verkehrsmittel sind in Pandemie-Zeiten kein idealer Ort: Gerade im Berufsverkehr sitzen und stehen oft viele Menschen auf wenig Raum. Zwar gilt auch in Spanien eine Maskenpflicht in Bussen und Bahnen, aber der Oberste Rat für wissenschaftliche Forschung hält das im Kampf gegen Corona für nicht ausreichend. Seine Empfehlung: schweigen oder nur leise sprechen. In einer Metro, wie in der von Madrid, ist das allerdings kaum möglich, denn es ist laut, Bahnen kommen fast im Minutentakt. Wer sich mit jemandem auf dem Bahnsteig unterhalten möchte, muss das mit kräftiger Stimme tun. In der Metro selbst sowieso.

Bei Schreien 50-mal höherer Partikel-Ausstoß

Er spreche definitiv lauter beim Metrofahren, sagt dieser Pendler, wegen der ganzen Umgebungsräusche. Das gilt auch für Telefonate: Klingelt das Handy während der Fahrt oder ruft ein Passagier jemanden an, redet er normalerweise deutlich lauter als sonst. Und könnte damit eine Gefahr für Mitreisende sein, wenn der Fahrgast mit dem Coronavirus infiziert ist, sagt María Cruz, die am staatlichen Institut für Umweltfragen in Madrid (CSIC) forscht.

"Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Sprech-Lautstärke und der Anzahl der Partikel, die dabei aus dem Mund geschleudert werden. Wer schreit, stößt 50-mal mehr Teilchen aus als Menschen, die schweigen." María Cruz, Staatliches Institut für Umweltfragen in Madrid (CSIC)

Laute Unterhaltungen - in Spanien normal

Was folgt daraus also, fragt der Pendler. Dass wir gar nicht mehr sprechen sollen in der Metro? Er fände das eine ziemliche Zumutung. Denn die meisten Spanier lieben es, sich laut zu unterhalten, am besten in größeren Gruppen. Jeder fällt dem anderen dann ins Wort und will ihn übertönen. Doch genau das ist jetzt in Corona-Zeiten weniger zu empfehlen, sei es in der Kneipe oder in Öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Regierung der Balearischen Inseln hat die Menschen kürzlich erst an die Schweigeempfehlung in Bus und Bahn erinnert. Die verbreiteten OP-Masken hielten zwar einige der Aerosole zurück, sagt Forscherin María Cruz, doch je lauter jemand spreche, umso schwächer sei der Nutzen.

"In der Metro zu schweigen ersetzt nicht die bisherigen Regeln, die in öffentlichen Verkehrsmitteln gelten. Es ist eine zusätzliche Maßnahme. Wir müssen weiterhin Masken tragen, und zwar korrekt über Mund und Nase und der Abstand zu anderen bleibt ebenfalls wichtig." María Cruz, Staatliches Institut für Umweltfragen in Madrid (CSIC)

Lüften gegen Aerosole - in der U-Bahn unmöglich

Denn wer keine Maske trägt, kann die kleinen Tröpfchen beim Sprechen bis zu zwei Meter weit ausstoßen. So die Erkenntnis von Forschern der Universität Montpellier aus dem Herbst. Lüften hilft gegen Aerosole. Doch es ist in U-Bahnen nur schwer möglich. Die Metro von Barcelona hat laut Betreiber vorgesorgt: Die Luft in den Wagen werde über Klimaanlagen alle zweieinhalb Minuten ausgetauscht. Nur leider haben die wenigsten Städte so moderne Waggons.

Höherer Partikel-Ausstoß auch durch lautes Singen

Zurück in die Madrider Metro-Station: Nicht nur durch lautes Sprechen werden mehr Partikel aus dem Mund ausgestoßen, auch durch lautes Singen. Ein Musiker, der im Eingangsbereich einer Metro-Station sitzt, sagt:

"Ich singe nicht besonders laut, eher auf einem normalen Niveau. Die Leute sollen mich verstehen und ich will meine Songs bestmöglich interpretieren." Straßenmusiker an einer Metrostation

Vielleicht eine Sache des Feintunings: Leiserer Gesang, dafür ein etwas stärker aufgedrehter Mikrofon-Verstärker. So oder so: U-Bahnen bleiben in Corona-Zeiten kein perfekter Ort.

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