BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Maßnahme in Spanien: "Bitte schweigen Sie!" | BR24

© ARD

Beschreibung: Die neuen Regeln auf Mallorca - das sagen Restaurantbetreiber Alberto Jareño, die Einheimische Montse und Fernando Simón, Chef-Epidemiologe der Regierung

3
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Corona-Maßnahme in Spanien: "Bitte schweigen Sie!"

Weil die Coronazahlen fast in ganz Spanien steigen, müssen Gastronomen auf Mallorca und Ibiza ihre Lokale schließen. Mit verschärften Maßnahmen soll ein weiterer Anstieg verhindert werden. Eine Empfehlung der Regierung: Schweigen in Bus und Bahn.

3
Per Mail sharen
Von
  • Oliver Neuroth
  • Jörn Sawatzki

Trotz heftiger Proteste von Gastronomen und anderen Unternehmern sind auf den spanischen Urlaubsinseln Mallorca und Ibiza die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie drastisch verschärft worden. Seit dem heutigen Mittwoch müssen dort unter anderem alle Restaurants, Bars, Cafés und Fitnessstudios zunächst für zwei Wochen schließen. Auch private Treffen von Menschen, die nicht im selben Haushalt leben, sind in der Öffentlichkeit und auch in den eigenen vier Wänden verboten. Das hat die Regierung der Balearen am Montagabend wegen der anziehenden Infektionszahlen beschlossen.

Proteste von Gastronomen

Die neuen Regeln treffen vor allem Gastronomen. Durften sie bisher immerhin noch ihre Außenbereiche öffnen und bis 18 Uhr drei Viertel der Plätze besetzen, ist nun auch das verboten. Jede Bar, jedes Restaurant auf Mallorca und Ibiza muss bis Ende des Monats geschlossen bleiben. Nur noch Außer-Haus-Verkauf und Lieferservice sind gestattet. Das wollen sich die Besitzer der Läden nicht gefallen lassen.

Etwa 500 Gastronomen sind gestern in Palma auf die Straße gegangen – obwohl die Regierung ihre Kundgebung verboten hatte, wegen Corona. "Hände hoch, das ist ein Diebstahl", riefen einige. Im Sinne von: Die Regierung nimmt uns unser Geld weg, wenn wir nicht öffnen können.

Viele können die Maßnahmen nicht nachvollziehen, da sie keinen Sinn ergäben, so sagt ein betroffener Gastronom. Er kann sich nicht vorstellen, dass jemand, der bei ihm auf der Terrasse frühstückt oder einen Kaffee trinkt, Covid-19 bekommen kann.

Die Restaurantbesitzer fühlen sich zudem vom Staat allein gelassen, fordern Hilfen. Eine Regelung wie in Deutschland, dass Gastronomen 75 Prozent ihres Umsatzes aus dem Vorjahreszeitraum erstattet bekommen, gibt es in Spanien nicht.

Neben Bars und Restaurants müssen auch Einkaufszentren, Kaufhäuser und Baumärkte schließen. Nur Supermärkte und kleine Geschäfte dürfen noch öffnen. Private Treffen mit Freunden oder ganz allgemein Menschen aus einem anderen Haushalt sind verboten.

In Spaniens Nahverkehr: Sprechen Sie leise oder schweigen Sie!

Um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus weiter zu senken, erinnert die Balearen-Regierung an eine Empfehlung aus dem Herbst: Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sollte das am besten schweigend tun. Oder sich zumindest nur leise mit anderen unterhalten. Eine Mitarbeiterin des staatlichen Instituts für Umweltfragen in Madrid erklärt das so:

"Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Sprechlautstärke und der Anzahl der Partikel, die dabei aus dem Mund geschleudert werden. Wer schreit, stößt 50 Mal mehr Teilchen aus als Menschen, die schweigen." Mitarbeiterin des staatlichen Instituts für Umweltfragen

Dazu komme, dass die meisten Spanier ohnehin gerne laut sprechen. Da halte ein einfacher Mund-Nase-Schutz kaum etwas zurück, sagt die Wissenschaftlerin.

Besonders gut kommt die ÖPNV-Schweige-Empfehlung in Spanien nicht an. In Madrid zum Beispiel unterhalten sich die Fahrgäste der Metro weiterhin nicht gerade leise oder telefonieren laut. Daher ist schwer zu sagen, ob der Ratschlag wirklich dazu beitragen kann, die Zahl der Corona-Fälle zu senken.

Tourismus in Spanien leidet unter der Pandemie

In fast allen Landesteilen von Spanien verzeichnen die Behörden wieder mehr Infizierte. Die Sieben-Tages-Inzidenz ist auf 245 gestiegen. Ein Grund dafür könnten die freien Tage um Weihnachten sein, an denen zu intensiv gefeiert wurde, vermutet der Chef-Epidemiologe der Regierung, Fernando Simón.

Spanien und die Balearen sind von der Pandemie hart getroffen. Laut Angaben des spanischen Statistik-Instituts INE sind im vergangenen Juni insgesamt 204.926 Urlauber nach Spanien gekommen. Das waren 97,7 Prozent weniger als im Jahr davor. Der Tourismus macht zwölf Prozent der gesamten spanischen Wirtschaftsleistung aus und ist in der aktuellen Krise für die meisten Arbeitslosen verantwortlich.

Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!