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Corona-Mängel im Altenheim: Einrichtungsträger nehmen Stellung | BR24

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Bildrechte: picture alliance / ANP | ROBIN VAN LONKHUIJSEN

In Alten- und Pflegeheimen komme es in der Pandemie immer wieder zu gravierenden Hygienemängeln, sagt ein anonymer Mitarbeiter.

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    Corona-Mängel im Altenheim: Einrichtungsträger nehmen Stellung

    Nachdem ein Altenheim-Mitarbeiter anonym über Mängel und Versäumnisse im Zusammenhang mit Corona berichtet hat, haben wir verschiedene Einrichtungsträger um ihre Stellungnahmen gebeten. Diese üben wiederum Kritik an der Staatsregierung.

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    Von
    • Vera Cornette

    Keine Masken, keine Desinfektion und Corona-positive Menschen laufen durchs Haus, erzählte vor zwei Wochen ein Mitarbeiter einer Pflegeeinrichtung. Inzwischen sind in dem oberbayerischen Heim, in dem er tätig ist, sieben Menschen an oder mit Corona verstorben. Zahlreiche Bewohner und Pfleger sind positiv. "Die Lage ist erschreckend, ich stehe unter Schock", so der Mitarbeiter.

    Wie reagieren die Träger von Altenheimen auf das Mängel-Protokoll? Caritas, BRK, der Paritätische Wohlfahrtsverband und München sind exemplarisch angefragt worden:

    Warum sind Altenheime oftmals Hotspots in den Hotspots?

    Pflegeheime waren schon in der ersten Corona-Welle Hotspots der Pandemie. Jeder zweite Corona-Tote hat in einem Heim gelebt und auch in der zweiten Welle sind Heime besonders betroffen. BRK, Caritas und der Paritätische Wohlfahrtsverband Bayern erklären das damit, dass besonders viele Menschen der Hochrisikogruppe zusammenleben und insbesondere demenzerkrankte Menschen sprachlich nicht mehr erreichbar seien. "Sie brauchen körperliche Berührungen und Körperkontakt", sagt Wolfgang Obermair, stellvertretender BRK-Landesgeschäftsführer. Münchenstift bekräftigt dies: "Eine schnelle Ausbreitung bei demenziell veränderten, älteren Menschen lässt sich nicht immer vermeiden, da Schutzmaßnahmen, wie das Tragen von Masken und Kontaktvermeidung, nicht immer zu vermitteln sind."

    Wer schleppt das Virus in die Heime ein?

    Alle Einrichtungsträger gehen davon aus, dass sowohl Angehörige wie auch Mitarbeiter das Virus einschleppen. Das BRK weist zudem darauf hin, wie "verheerend sich ein Besuchsverbot auf den psychischen Zustand von Bewohnern ausgewirkt" habe. Das heißt, eine Isolation wie zu Zeiten der ersten Welle lehnt das BRK ab.

    Dem anonymen Altenheim-Mitarbeiter zufolge gehen einige Pflegerinnen und Pfleger Nebenjobs nach. Aus seiner Sicht würde das eine zusätzliche Gefahr in Sachen Infektion darstellen.

    Wie stellen Sie sicher, dass Hygienemaßnahmen eingehalten werden?

    "Die Einhaltung der Schutz- und Hygienekonzepte liegt in der Verantwortung der Leitung des jeweiligen Hauses", ist dazu von der Caritas zu hören. Alle Träger schließen sich prinzipiell dieser Antwort an. Das BRK gesteht aber ein, dass einzelne Mitarbeiter einzelne Maßnahmen "in der Hektik des Geschehens, aus Überlastung, bei Personalknappheit, aber auch aus bedauerlicher Unachtsamkeit, missachten." Die Pandemie mache, so das BRK, die Probleme der Altenpflege wie unter einem Brennglas sichtbar.

    Was fordern Sie von der Staatsregierung?

    Münchenstift mahnt, dass "je eher und umfangreicher Impfstoff zur Verfügung steht", desto schneller sei eine Entschärfung zu erwarten. Während die Caritas die Kommunikationskultur auf Arbeitsebene lobt, stellt der Paritätische Wohlfahrtsverband klar: "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Heimen dürfen nicht zum Sündenbock gemacht werden, etwa in der Debatte um eine Impfpflicht für Pflegepersonal". Zusätzlich fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband, rechtzeitig in Entscheidungen der Staatsregierung eingebunden zu werden. Das BRK konkretisiert: "Der Großteil der gesetzlichen Regelungen und Allgemeinverfügungen hat uns unvorbereitet und häufig am Wochenende oder kurz vor Feiertagen erreicht".

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