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Corona-Lockerungen: Ein großer Schritt für Bella Italia | BR24

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Italien legt wieder los

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Corona-Lockerungen: Ein großer Schritt für Bella Italia

Italien hat als erstes Land in Europa umfangreiche Ausgangsbeschränkungen in der Corona-Krise verhängt. Jetzt geht es einen großen Schritt in Richtung Normalität. Geschäfte und Restaurants öffnen wieder - auch die Friseure.

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69 Tage saß Rocco zu Hause. Jetzt darf es wieder losgehen. Am Wochenende hat der 50-Jährige seinen Herren-Friseursalon in der Nähe der Piazzale Adricatico vorbereitet. "Ich bin dabei, im Laden alles zu sterilisieren mit Desinfektionsmitteln und speziellen Produkten auf Alkoholbasis. Die Möbel, die Spiegel, die Vitrinen und natürlich die Stühle - alles, mit dem der Kunde in Kontakt kommen könne."

Um 11 Uhr gehen in Italien heute bei den Friseuren die Türen wieder auf. Rocco ist froh darüber, nach mehr als zwei Monaten ohne Einnahmen. Und seine Kundschaft sehnt sich am Ende der europaweit längsten Ausgangsbeschränkungen nach dem ersten Haarschnitt: "Das Telefon klingelt ständig. Alle wollen einen Termin. Ich bin bereits jetzt bis zum Ende der ersten Juniwoche komplett ausgebucht."

"Man kann dort hingehen, wo man will"

Nicht nur die Friseure dürfen wieder loslegen, sondern mit ihnen fast das ganze Land. Geschäfte und Einkaufszentren öffnen, Museen und Ausstellungen ebenfalls, Restaurants, Bars und Cafés dürfen wieder Gäste empfangen. Gemeinsam mit den Friseuren hatten die Gastronomen in den vergangenen Tagen am lautesten gedrängelt. Denn nach dem ursprünglichen Plan der Regierung sollte es für sie erst Anfang Juni wieder losgehen. Am Ende aber musste Ministerpräsident Conte klein beigeben, auch wegen des Drucks diverser Regionen.

Nach einem tagelangen Ringen ließ sich der Regierungschef dann am Wochenende in die Hauptnachrichtensendung der RAI schalten, um das faktische Ende des Ausnahmezustands für Italien zu verkünden: "Das bedeutet, das jeder wieder aus dem Haus gehen kann, ohne begründen zu müssen, warum er unterwegs ist. Man kann dorthin gehen, wo man will: in ein Geschäft, in die Berge, an den See, ans Meer. Auch das soziale Leben beginnt wieder, Treffen mit Freunden kann es wieder geben."

"Ein kalkuliertes Risiko"

Fast Geschichte ist damit auch die sogenannte Selbsterklärung - die autocertificazione, die die Menschen in Italien über zwei Monate begleitet hat. Selbst für kurze Spaziergänge mussten die Italiener dieses Formular bei sich tragen, um bei Kontrollen schriftlich zu begründen, warum sie sich außerhalb des Hauses aufhalten. Jetzt gilt die Pflicht zur Selbsterklärung nur noch für Fahren in andere Regionen. Conte sagt: "Wir gehen ein kalkuliertes Risiko ein. Wir gehen dieses Risiko ein und müssen es akzeptieren, sonst könnten wir nie wieder anfangen."

Es wird Zeit, sagen auch Zeitungskommentatoren, die Conte ansonsten wohlgesonnen sind. Die medizinischen Rahmendaten zeigen seit Wochen, dass Italien die Lage weitgehend im Griff hat. Die Ansteckungsrate, der sogenannte R-Wert, ist mittlerweile deutlich unter 1 gesunken, fast 7.000 Intensivbetten stehen frei.

Grenzöffnung ab 3. Juni

Trotzdem wollte Conte lange auch das Thema Grenzöffnungen nicht anrühren. Nach den Protesten besonders der Regionen, für die der Fremdenverkehr wichtig ist, gibt es auch hier grünes Licht. Ab dem 3. Juni, verkündete Conte, öffne Italien seine Grenzen. Die Pflicht zur Quarantäne fällt pünktlich zum Beginn der Urlaubssaison weg. "Dies schafft die Voraussetzungen auch für eine Wiederbelebung des Tourismus", so Conte. Und der macht in Italien 13 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.

Regeln für Italien-Urlauber

Auch alle Deutschen können damit ab sofort ihren Sommerurlaub in Italien planen. Sie müssen sich aber auf einige Regeln einstellen, die mit den nun gültigen Öffnungen verbunden sind. Generell gilt eine Abstandsregel, überall sollen die Menschen einen Meter Distanz voneinander halten, in Südtirol sind sogar zwei Meter empfohlen. Mundschutz muss in Geschäften, in Bussen und Bahnen getragen werden, auch in Bars und Restaurants - aber nicht während man am Tisch sitzt. Vieles ist also ähnlich wie in Deutschland.

Am Strand sollen die Sonnenliegen eineinhalb Meter auseinanderstehen. Wer am Strand spazieren geht, ist verpflichtet, einen Mundschutz zu tragen. Für all diese nationalen Regeln gilt aber: Sie können von den einzelnen Regionen noch verschärft werden.

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