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Corona-Krise: Professorin warnt vor Egoismus in der EU | BR24

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Alle Staaten in der EU sind von der Corona-Krise betroffen. Doch überwiegend kämpft jeder für sich. Die Solidarität kommt nur schleppend in Gang.

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Corona-Krise: Professorin warnt vor Egoismus in der EU

Die Corona-Krise hat ganz Europa im Griff. Doch bisher kämpften die Staaten der Europäischen Union überwiegend jeder für sich gegen die Pandemie. Die Solidarität kommt nur schleppend in Gang. Das bekam vor allem Italien zu spüren.

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Nachbarschaftshilfe in der Corona-Krise - was im Kleinen vielerorts gut funktioniert, scheint für die Staaten der Europäischen Union schwieriger umsetzbar zu sein. Statt sich abzusprechen und zusammenzuarbeiten sind viele einseitig vorgeprescht und haben ihre Grenzen dichtgemacht. Mehr noch: Deutschland, Tschechien und Frankreich verhängten vorübergehend einen Exportstopp für medizinische Schutzausrüstung.

"Wenn es hart auf hart kommt, und das haben wir in dieser Pandemie-Situation gesehen, agiert jeder für sich", sagt Eugénia da Conceição-Heldt. Die Professorin am Lehrstuhl European and Global Governance an der TU München warnt: Egoismus könnte der EU langfristig schaden.

Offizieller Hilferuf: Kein Staat erhört Italien

Als Italien vor zwei Wochen den EU-Katastrophenmechanismus aktivierte – ein Hilferuf an die Gemeinschaft - meldete sich nach Angaben der EU-Kommission zunächst kein einziges Land, weder Nachbarn wie Österreich und Frankreich, noch Deutschland.

Schneller zur Stelle waren andere: China und Russland.

"Die Bilder, die um die Welt gehen, waren, dass China in der Not da war. Und wenn Flugzeuge aus Russland und China in Rom landen, dann ist das verheerend. Von Deutschland kam zu wenig. China profiliert sich als Helfer in der Not." Professorin Eugénia da Conceição-Heldt, TU München

China profiliert sich als Helfer in der Not

China kümmert sich auch um andere Handelspartner entlang der neuen Seidenstraße. In Griechenland kamen Hilfsgüter aus Fernost an, eine Million Atemschutzmasken und medizinische Ausrüstung. Dringend benötigt in einem Land, das die Finanzkrise noch nicht weggesteckt hat und in der Pandemie neben der eigenen Bevölkerung tausende Flüchtlinge versorgen muss.

Ein Geschenk unter Freunden sei die Hilfslieferung, betonte die chinesische Botschafterin Zhang Qiyue bei der Übergabe:

"Wir sind Freunde, strategische Partner. Und als Freunde bekämpfen wir gemeinsam das Virus. Wir tun unser Bestes, um zu helfen." Zhang Qiyue, chinesische Botschafterin in Griechenland

Europäische Solidarität mit Verspätung

Die europäische Solidarität dagegen kommt nur schleppend in Gang. Deutschland nimmt mittlerweile Patienten aus Italien und Frankreich auf und schickt Beatmungsgeräte nach Italien. Österreich lässt Schutzmasken nach Südtirol liefern.

Und Frankreichs Präsident Macron erklärt den anderen Staaten, wie Solidarität geht:

"Die Situation, mit der wir alle gemeinsam konfrontiert sind, lässt sich nur in perfekter europäischer und internationaler Kooperation lösen." Emmanuel Macron, Französischer Präsident

Appell: Jetzt schon an die Zeit nach der Krise denken

Warme Worte, denen dringend Taten folgen müssten, fordert Professor Eugénia da Conceição-Heldt von der TU München. Mit Sorge beobachtet die Politikwissenschaftlerin, dass die EU von einer Krise in die nächste schlittert: Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Brexit und jetzt die Pandemie.

Ihr dringender Rat an Europa: Jetzt schon an den "Day after", die Zeit nach der Corona-Krise denken. Die Professorin für europäisches und globales Regierungshandeln wünscht sich einen "Marshallplan für den Wiederaufbau nach der Corona-Krise". Die EU müsse gemeinsam agieren, um gestärkt aus der Krise hervorzugehen.

© TU München

Professor Eugénia da Conceição-Heldt, TU München

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