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Kinder haben in der Corona-Krise nur noch wenig Austausch mit Gleichaltrigen. Warum Kontaktbeschränkungen für sie fatal sein können, weiß die Psychologin Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut.

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Corona-Krise: Kinder in der Isolation trifft es besonders hart

Kinder haben in der Corona-Krise nur noch wenig Austausch mit Gleichaltrigen. Warum Kontaktbeschränkungen für sie fatal sein können, erklärt Sabine Walper vom Deutschen Jugendinstitut in der Bayern 2-radioWelt.

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Bayern 2-radioWelt: Normalerweise sind Kinder und Jugendliche ständig mit Gleichaltrigen zusammen, nicht nur mit den Eltern.

Sabine Walper, Psychologin, Deutsches Jugendinstitut: Das ist schon eine sehr ungewöhnliche Zeit, nicht nur für die Eltern, sondern auch für Kinder und Jugendliche, die es ja sonst ganz überwiegend gewohnt sind, täglich mit Gleichaltrigen zusammen zu sein. Und darauf nun zu verzichten, ist sicherlich für viele sehr, sehr schwer - für die Kleinen wie auch für die Größeren, die Jugendlichen.

Für die Größeren besteht natürlich die Möglichkeit, einiges noch über die Medien zu kompensieren. Die sind also nicht ganz so abgeschnitten wie die Kleinen, denen diese technischen Möglichkeiten so ohne Weiteres nicht zustehen. Die Eltern sind zwar inzwischen auch schon gut trainiert, den Kontakt zu den Großeltern beispielsweise über Skype oder andere Programme aufrechtzuerhalten, sodass die Kleinen auch ab und zu andere Gesichter sehen als diejenigen, die im Haushalt wohnen. Aber trotzdem ist es für sie ein sehr viel weniger selbst gestalteter Kontakt, als das bei den Älteren der Fall ist.

Eltern geben Unsicherheiten an Kinder weiter

Welche Familien haben jetzt besondere Schwierigkeiten, die Situation zu Hause zu regeln - mit all den Problemen, die sie normalerweise schon haben im Alltag?

Sabine Walper: Vor allen Dingen sind das natürlich Familien, die ohnehin schon Schwachpunkte haben. Also da, wo Eltern chronisch oder seelisch erkrankt sind. Aber auch Familien, die über lange Zeit von Armut bedroht sind. Und nun natürlich auch diejenigen, wo die Existenzsorgen jetzt einsetzen mit der Corona-Krise.

Selbst da, wo diese Probleme gar nicht gegeben sind, gibt es jetzt zunehmend mehr Eltern, die es auch nicht ohne Weiteres schaffen, das Homeoffice und die Kinderbetreuung gemeinsam zu schultern. Die lange Dauer dieser Maßnahmen wird auch zunehmend für die Familien zum Problem, die ansonsten wirklich stark sind und gute Ressourcen haben.

Man kann den Eltern nur raten, auch in dieser Situation ein bisschen gnädig mit sich selber zu sein und die Ansprüche nicht ganz so hochzuschrauben. Das andere ist, dass es einfach hilft, einen möglichst klar routinierten Tagesablauf aufrechtzuerhalten, der den Kindern ein Stück weit Normalität gibt. Die spüren natürlich ziemlich genau, wo sich jetzt etwas verändert und wo neue Unsicherheiten entstehen. Sie merken, dass in dieser veränderten Situation auch die Eltern sehr unsicher, ängstlich und sorgenvoll sind.

Und deshalb hilft es meist beiden Seiten, wenn man eine gute Struktur in den Alltag hineinbringt und versucht, die Zeiten, die man gemeinsam verbringt, und andere Zeiten, wo jeder für sich ist, in einen guten Wechsel zu bringen.

Es wäre natürlich einerseits am besten, wenn Kitas und Schulen möglichst bald wieder komplett öffnen. Auf der anderen Seite gibt es gute Gründe, das nichts zu tun, um die Corona-Infektionen weiter in Schach zu halten. Wie sollte die Politik denn nun umgehen mit diesem Dilemma?

Sabine Walper: Kinder können auch Virus-Überträger sein, so wie alle anderen auch. Kinder sind vielleicht nicht so konsequent hinter einem Mundschutz zu verstecken. Die Kleinen werden von sich aus nicht die Distanz halten, sondern brauchen auch körperliche Nähe. Und deshalb war die erste Überlegung, dass gerade die Kleinkinder natürlich auch ein Ansteckungsherd sein können, der Keime aus der Kita nach Hause und von Zuhause auch in die Kita tragen kann.

Allerdings sieht es inzwischen doch zunehmend so aus, dass die kleinen Kinder gar nicht in dem Maße erkranken. Aber vor allen Dingen scheinen sie auch weniger aktiv Keime weiterzugeben. Insofern mag das so sein, dass die Gefahr, die von den kleinen Kindern ausgeht, gar nicht so groß ist, wie man das bisher eingeschätzt hat. Und das könnte ein Grund dafür sein, doch die Kitas früher zu öffnen, als man das jetzt ursprünglich geplant hat. Es gibt ja auch andere Länder wie Dänemark, meines Wissens auch die Niederlande, die gerade die Kitas als Erstes wieder eröffnen. Oder auch andere Länder, die die Kitas gar nicht dicht gemacht haben, wie beispielsweise die Schweiz, wo jetzt auch nicht ein erhöhtes Infektionsgeschehen zu beobachten ist.

Insofern muss man jetzt ganz genau hingucken: Was können wir denn lernen aus diesen Erfahrungen? Und wo müssen wir auch unter Umständen noch einmal umsteuern, um auf diese neuen Erkenntnisse gut zu reagieren.

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