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Corona-Krise in Tirol: Ein Bundesland steht unter Quarantäne | BR24

© Zeitungsfoto AT/ APA/ picturedesk.com

Die menschenleere Innenstadt von Innsbruck

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    Corona-Krise in Tirol: Ein Bundesland steht unter Quarantäne

    In Tirol geht fast nichts mehr: Die Ortsgrenzen dürfen nur mit triftigem Grund verlassen werden, der Flughafen Innsbruck stellt alle Flüge ein, die Polizei verschärft ihre Kontrollen. In der Bevölkerung herrscht Verständnis für die rigiden Maßnahmen.

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    Die Straßen in Innsbruck und Umgebung sind kaum befahren. Auch die Parkplätze sind fast leer. Beim Einkaufen herrscht kein Andrang mehr. Es sieht vielerorts fast gespenstisch aus.

    Verlängerung der Ausgangssperre bis Ostern

    Tirol ist das erste Bundesland in Österreich, das komplett unter Quarantäne steht. Eigentlich war dies nur für zwei Wochen gedacht. Doch am Freitag meldete sich dann der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz mit einem Appell an die Öffentlichkeit: "Halten Sie durch!"

    Er verkündete eine weitere Verlängerung der österreichweiten Ausgangssperren bis Ostermontag, den 13. April. Nach Ostern könne es "im Idealfall" möglich sein, das Land schrittweise wieder hochzufahren. Damit passt sich auch die Alpenregion diesem Zeitplan an und verlängert die bereits verhängten Maßnahmen. Insgesamt heißt es somit für einen knappen Monat, zuhause bleiben oder wie es in Tirol von offizieller Seite heißt: "Bleibt’s dahoam."

    Zahl der Infizierten steigt – Italienische Verhältnisse vermeiden

    Einer der Gründe für die Verlängerung der Maßnahmen ist die nach wie vor steigende Zahl der Infizierten. Zwar konnte das Wachstum der Infektionszahlen landesweit bereits eingebremst werden - allerdings nicht in Tirol. Allein in Tirol wurden bisher (Stand Freitagmittag) 5.687 Tests durchgeführt - in ganz Österreich waren es 15.613. Damit ist das Bundesland für 36 Prozent der Testungen verantwortlich, obwohl nur rund 8,5 Prozent der Österreichischen Bevölkerung hier leben.

    "Ich weiß, dass wir mit dieser zeitlichen Ausweitung einmal mehr sehr viel von der Bevölkerung abverlangen", sagte der Landeshauptmann Günther Platter in einer Erklärung an die Tiroler. "Ein Blick nach Italien zeigt, welch dramatische Folgen es hat, wenn die Ausbreitung des Virus nicht gestoppt oder zumindest deutlich verlangsamt werden kann."

    Verständnis bei der Bevölkerung für die Maßnahmen

    Die Krise in Italien wird von den Tirolern genau beobachtet. Vor allem mit Südtirol gibt es eine lange gemeinsame Geschichte. Viele Pendler und Familien wohnen in beiden Ländern. Es gibt viel Verständnis für die beschlossenen Maßnahmen. So auch bei Renata Viltroner. Die Südtirolerin arbeitet als Zahntechnikerin bei einer mittelständischen Firma in Innsbruck. Die Maßnahmen hält sie für richtig. "Es hätte ruhig noch früher sein können. Auf keinen Fall so weiter tun wie bisher. Bis Ostern ist natürlich schon krass. Aber lieber jetzt, dann ist es irgendwann vorbei." Sie hört Geschichten aus Italien, von chaotischen Zuständen und fehlender Disziplin.

    In ihrem Labor sitzt das Team weit auseinander, hält den geforderten Abstand ein. Nur die Angestellte, die noch benötigt werden, sind da. Es kommen keine Patienten mehr, keine Lieferanten. "Es ist ruhiger, weniger stressig", sagt sie. "Wir versuchen noch alle technischen Arbeiten fertigzustellen, das heißt Kronen, Brücken, Prothesen. Einige wenige Zahnärzte setzen diese dann unter strengen Auflagen den Patienten noch ein. Ich schätze das geht noch etwa eine Woche so weiter, dann wird es Kurzarbeit geben."

    Verlassen der Gemeinde nur in Ausnahmefällen möglich

    Seit Mitte dieser Woche heißt es in Tirol also, dass alles, was man außerhalb zu erledigen hat, nur im eigenen Ort tun sollte. Ausnahmen sind berufliche Gründe, Versorgung der Grundbedürfnisse, wenn es zum Beispiel keinen Lebensmittelhandel im Ort gibt. Diese sollte dann im nächst gelegenen Ort erfolgen. Ausgedehnte Spaziergänge, auch innerhalb der Gemeindegrenzen sind untersagt. Insgesamt ist es bereits ruhig geworden.