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Corona-Kriminalität: Wie Betrüger die Pandemie ausnutzen | BR24

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Fake-Shops, Fake-Bankmitarbeiter oder Fake-Polizisten - Kriminelle nutzen auf vielfältige Weise die Corona-Krise für Betrügereien. Auch windige Angebote, wie man sich angeblich gegen Corona schützen oder schneller testen kann, sind in Umlauf.

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Corona-Kriminalität: Wie Betrüger die Pandemie ausnutzen

Fake-Shops, Fake-Bankmitarbeiter oder Fake-Polizisten - Kriminelle nutzen auf vielfältige Weise die Corona-Krise für Betrügereien. Auch windige Angebote, wie man sich angeblich gegen Corona schützen oder schneller testen kann, sind in Umlauf.

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Den wohl größten Coup in Zusammenhang mit der Corona-Krise landeten Kriminelle in Nordrhein-Westfalen. Betrüger kopierten die offizielle Homepage des Soforthilfeprogramms des dortigen Wirtschaftsministeriums. Die Hilfsgelder landeten letztlich nicht bei den in Not geratenen Antragstellern, sondern bei den Betrügern. Die Soforthilfe von Nordrhein-Westfalen musste für einige Zeit gestoppt werden. Betrüger machen sich aber auch andere Maschen in der Corona-Krise zu Nutze, wie etwa den Enkeltrick.

Falsche Polizisten

Ein vermeintlicher Kriminalbeamter meldet sich bei einem älteren Ehepaar aus München am Telefon: Die Polizei habe ein Komplott von Banken aufgedeckt, die versuchten, ihre Verluste dadurch auszugleichen, indem sie Kundengelder abzweigten. Auch das Konto des Rentnerehepaars sei in Gefahr. Das wüsste die Polizei, weil dessen Telefonnummer auf einem sichergestellten iPad gefunden worden sei. Der angebliche Kriminalbeamte führte weiter aus, er wüsste, wie er das Geld des Rentnerehepaares in Sicherheit bringen könnte.

"Meine Frau hat zu diesem falschen Kommissar gesagt: ‚Das wäre ja schlimm, wenn die Banken das machen würden. Da müsste man sofort die Polizei anrufen.‘ Der hat das gar nicht überrissen, dass er sich selber kurz vorher als Polizist ausgegeben hatte, und hat dann aufgelegt." Rentner aus München

Falsche Bankmitarbeiter

Mit einem ähnlichen Trick versuchten Betrüger in Cham in der Oberpfalz an Daten und letztlich an das Geld einer älteren Dame zu kommen. Eine vermeintliche Bankmitarbeiterin wollte die Bankdaten der Rentnerin am Telefon abgleichen unter dem Vorwand, dass ja jetzt viele Bankfilialen angeblich wegen der Corona-Pandemie geschlossen seien. Die ältere Dame glaubte zum Glück kein Wort und rief die Polizei. Sie ist offenbar kein Einzelfall, wie sich aus einem Schreiben der Raiffeisenbank Chamer Land auf Anfrage des BR-Politikmagazins Kontrovers ergibt.

"Leider kommen solche betrügerischen Versuche immer wieder vor (…) Jedoch stellt man allgemein fest, dass auch jetzt in dieser schwierigen Zeit Betrüger sehr aktiv sind." Raiffeisenbank Chamer Land

Enkeltrick in Zeiten von Corona

Die Trickbetrüger passen sich der aktuellen Corona-Krise an. Die Münchner Staatsanwaltschaft warnt vor einer neuen Variante des Enkeltricks. Bisher riefen die vermeintlichen Enkel bei älteren Menschen an und gaben vor, in finanziellen Schwierigkeiten zu sein und etwa die Mietkaution nicht zahlen zu können. Die Corona-Variante: Die Fake-Enkel erbitten Geld zum Beispiel für eine Behandlung wegen des Coronavirus oder für einen Test.

"Sie sagen, sie bräuchten dringend Geld für eine Behandlung für Corona, für einen Test oder Ähnliches und versuchen so, ihr Anliegen glaubhaft zu machen." Anne Leiding, Staatsanwaltschaft München I

Der Trick mit dem Gesundheitsamt

Nicht nur am Telefon auch an der Haustüre ist man vor Corona-Betrügern nicht gefeit. In Ebersberg klingelten zwei Männer mit Mundschutz bei einer älteren Dame. Sie gaben an, vom Gesundheitsamt zu sein, und wollten bei ihr einen Corona-Test machen.

"Die sind zu zweit oder sogar zu dritt, beschäftigen dann den Hauseigentümer. Einer kann dann währenddessen im Haus herumschleichen und Wertgegenstände einpacken. Wir weisen darauf hin, dass Gesundheitsämter solche Hausbesuche nicht machen." Maximilian Bohms, Polizeipräsidium Niederbayern

Mehr Fake-Websites

Die Polizeibehörden stellen einen Zuwachs an Internetseiten mit den Wörtern "Corona" oder "Covid-19" fest. Es sind beispielsweise Websites geschaltet, auf denen vermeintlich eine finanzielle Soforthilfe angeboten wird. Die Betrüger wollen so an Daten der Internetnutzer kommen.

"Wir stellen als Polizei in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Informationstechnik fest, dass vermehrt Domainnamen ‚Covid-19‘ oder ‚Corona‘ eingerichtet werden. Das hat die Bewandtnis, dass man dann versucht, Firmen hereinzulegen, die um Soforthilfe bitten. Darüber die unternehmensbezogenen oder vielleicht sogar die personenbezogenen Daten von Mitarbeitern zu bekommen." Jörg Radek, Gewerkschaft der Polizei

Fragwürdige Corona-Tests

Online sind auch Angebote für fragwürdige Test auf Covid-19 für Zuhause in Umlauf. So ein Test-Set kann dann rund 250 Euro kosten. Die Münchner Staatsanwaltschaft ermittelt bereits in einem Fall.

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