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Die Intensivstationen in den Nachbarländern Frankreich, Belgien und Niederlande erreichen die Belastungsgrenze

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    Corona: Krankenhäuser in westlichen Nachbarländern am Limit

    Die stark steigenden Corona-Fallzahlen verschärfen in den westlichen Nachbarländern die Lage in den Krankenhäusern: Frankreich leitet einen Krisenplan ein, in den Niederlanden werden die Intensivbetten knapp, Regionen Belgiens sind "außer Kontrolle".

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    Von
    • Kathrin Hondl
    • Ludger Kazmierczak
    • Jakob Mayr

    Frankreich: Die Situation spitzt sich zu - Krisenplan eingeleitet

    Die Situation in den französischen Krankenhäusern spitzt sich zu. Wie zuvor schon in der Hauptstadt-Region Ile-de-France und einigen anderen Städten wie Lille, Lyon oder Grenoble, hat jetzt auch die Region Grand Est den sogenannten "plan blanc" eingeleitet. Dieser Krisenplan bedeutet die Aktivierung aller verfügbaren Mittel, um die Zahl der verfügbaren Intensivbetten zu erhöhen. So werden zum Beispiel weniger dringliche medizinische Eingriffe verschoben, um Platz für Covid-19-Patientinnen und -Patienten zu schaffen.

    Am Montagabend befanden sich nach Angaben der Behörden mehr als 17.780 Covid-19-Erkrankte in französischen Krankenhäusern. 2.761 von ihnen werden auf Intensivstationen behandelt. Insgesamt stehen in Frankreich etwa 5.800 Intensivbetten zur Verfügung. Ihre Anzahl könne innerhalb von 14 Tagen auf 7.700 erhöht werden, so Frankreichs Gesundheitsminister Olivier Véran.

    Angesichts der dramatisch steigenden Infektionszahlen warnen Mediziner schon seit Tagen vor einer Überlastung des französischen Gesundheitssystems. Eric Caumes, Chef der Infektiologie am Pariser Krankenhaus Pitié-Salpêtrière, warnte im Radiosender France Info: "Bald gibt es nur noch Covid-Erkrankte auf den Intensivstationen. Andere Kranke können dann nicht mehr angemessen betreut werden."

    Niederlande: Intensivbetten werden knapp

    In den Niederlanden liegen mehr als 2.200 Corona-Infizierte in Krankenhäusern – davon 500 auf Intensivstationen. Weil insbesondere im Ballungsgebiet rund um Amsterdam, Rotterdam und Den Haag die Intensivbetten knapp werden, haben die Kliniken damit begonnen, Patienten auf andere Einrichtungen im Land zu verteilen. Am vergangenen Freitag sind außerdem erstmals wieder erkrankte Niederländer nach Deutschland verlegt worden. Bereits im Frühjahr hatten Krankenhäuser in NRW fast 60 Patienten aus dem Nachbarland bei sich aufgenommen.

    Landesweit stehen in niederländischen Kliniken 1.350 Intensivplätze zur Verfügung. Die Kapazitätsgrenze ist zwar noch längst nicht erreicht, aber schon jetzt haben viele Krankenhäuser ihre reguläre medizinische Versorgung deutlich heruntergefahren, um Covid-Patienten behandeln zu können. Sollte die Kurve nicht bald abflachen, so Ernst Kuipers vom Netzwerk für akute medizinische Versorgung, seien Ende November nur noch Notaufnahmen möglich. In den Niederlanden wurden bislang 300.000 Menschen positiv auf Corona getestet. Mehr als 7.000 sind an den Folgen ihrer Erkrankung gestorben.

    Belgien: Lage in einigen Regionen "praktisch außer Kontrolle"

    Gestern rund 16.000 neue Corona-Infektionsfälle und in der Woche davor täglich im Durchschnitt fast 13.000 zählt Belgien - und das bei einem Achtel der Einwohnerzahl Deutschlands. Die zweite Corona-Welle hat das Land mit voller Wucht getroffen. Die Krankenhäuser befürchten neue Engpässe. Derzeit werden gut 4.800 Menschen wegen Covid-19 stationär behandelt, davon 757 Menschen auf Intensivstationen, von denen rund die Hälfte künstlich beatmet werden muss.

    Der Sprecher des nationalen Krisenzentrums Yves Van Laethem geht davon aus, dass die Zahl der Intensivpatienten in den nächsten Tagen auf über 1.000 ansteigen wird. Bei 2.000 Intensivpatienten stoßen die Krankenhäuser nach Laethems Worten an ihre Auslastungsgrenze. Das wäre Mitte November der Fall, wenn die Zahlen weiter so steigen.

    Belgiens Gesundheitsminister Frank Vandenbroucke kündigte an, die Zahl der Betten in den Intensivstationen aufzustocken. Nicht unbedingt notwendige Operationen sollen verschoben werden. Manche Krankenhäuser greifen vorsorglich zu besonderen Maßnahmen: Weil alle Betten belegt sind, baut das Hospital in Verviers auf seinem Parkplatz eine zusätzliche Versorgungseinheit auf für 34 Patienten mit leichten Symptomen.

    Die neuen Einschränkungen im öffentlichen Leben Belgiens gehen einigen Medizinern nicht weit genug: "Wir haben starke Maßnahmen erwartet, um ein für alle Mal die Infektionsketten zu durchbrechen. Diese Beschlüsse reichen nicht", sagt Professor Yves Coppieters von der Université Libre de Bruxelles (ULB) dem Sender RTBF. Nach Angaben der Spezialistin für Infektionskrankheiten Leila Belkhir ist die Lage in den Krankenhäusern in Lüttich und Namur ernst: "Ich denke, dass die Tragweite dessen, was in den Hospitälern passiert, nicht erkannt wird. Die machen gerade das durch, was sie schon während der ersten Welle erlebt haben." Nach den Worten der Infektiologin Belkhir ist die Lage in einigen Regionen Belgiens "praktisch außer Kontrolle."

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