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Intensivstation in Rostock

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    Intensivärzte fordern Rückkehr in Lockdown

    Deutschlands Intensivärzte fordern angesichts steigender Corona-Zahlen eine sofortige Rückkehr in den Lockdown. Die Länder müssten die "Notbremse" ziehen, wenn die Sieben-Tage-Inzidenz auf über 100 klettert, sonst drohten volle Intensivstationen.

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    • BR24 Redaktion

    "Von den Daten, die wir jetzt haben und sehen und mit dem Durchsetzen der britischen Mutante würden wir sehr stark dafür plädieren, jetzt sofort wieder in einen Lockdown zu gehen, um einfach eine starke dritte Welle zu verhindern", sagte der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, im rbb. DIVI ist die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

    Ruf nach der "Notbremse"

    Karagiannidis forderte, die Länder sollten vor allem die beschlossene Notbremse durchsetzen, wenn der Inzidenzwert auf mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen steigt.

    Bund und Länder hatten bei Überschreiten dieser Grenze eine Rückkehr auf den Stand vor dem 8.3. vereinbart, nicht alle Kommunen halten sich jedoch daran. Das rheinland-pfälzische Pirmasens etwa zog die Notbremse nur mit halber Kraft, obwohl die Sieben-Tage-Inzidenz dort seit mehr als drei Tagen über 100 liegt. Zwar gelten seit Montag strengere Regeln wie zum Beispiel eine Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum und beim Einkaufen, die Geschäfte bleiben aber weiter geöffnet.

    Warnung vor steigenden Intensiv-Zahlen

    Karagiannidis fordert eine konsequente Anwendung der Notbremse: "Ansonsten würden wir jetzt noch einmal 5.000, 6.000 Patienten auf der Intensivstation sehen", sagte er: "Man sieht sehr deutlich, dass wir sehr schnell jetzt wieder in steigende Intensivzahlen geraten werden, sofern wir dem Virus jetzt die Möglichkeit dazu geben."

    Derzeit sind rund 2.800 Covid-19-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Die Belastung für das Personal auf den Intensivstationen sei bis heute ohne Unterbrechung sehr hoch und steige nun wieder weiter, so Karagiannidis, der selbst Arzt an einer Kölner Lungenklinik ist. Es gelte, sich in den Sommer zu retten.

    "Wir gewinnen nichts, wenn wir offen lassen"

    "Wir gewinnen auch nicht viel, wenn wir jetzt die nächsten ein, zwei Wochen offen lassen, weil wir ganz schnell auf einem hohen Niveau ankommen und es auf dem hohen Niveau doppelt so schwierig sein wird, von den Zahlen wieder herunter zu kommen", sagte Karagiannidis.

    Wichtig sei es, nun die über 50- und über 60-Jährigen schnell zu impfen. Dann würden auch weniger Menschen mit Covid-19 schwer krank. Positiv sei es, wenn umfangreich auf Corona getestet werde. So könnten wahrscheinlich rund 50 bis 60 Prozent der Infektionsfälle entdeckt werden.

    Die Corona-Zahlen klettern

    Am Montag gab es laut Robert-Koch-Institut 6.604 registrierte Corona-Neuinfektionen. Das sind rund 1.600 mehr als am Montag vor einer Woche. Der Inzidenzwert stieg von 79 auf 82,9. Die Zahl der Todesfälle in Verbindung mit Covid-19 stieg um 47 auf 73.418. Auch die Entwicklung der sogenannten Reproduktionszahl bereitet Sorgen. Der R-Wert lag laut Lagebericht des RKI vom Sonntagabend bei 1,19. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 119 weitere Menschen anstecken.

    "Entscheidend ist, dass die Ansteckungsrate nicht über den sogenannten R-Wert von etwa 1,2 steigt", hatte Karagiannidis zuletzt gesagt. Sonst werde es kritisch.

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