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Corona in Ruanda: Roboter statt Krankenpfleger | BR24

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In Kigali, der Hauptstadt von Ruanda, sind laut Regierungsangaben ab sofort Roboter im Einsatz, die bei der Untersuchung von Menschen helfen.

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Corona in Ruanda: Roboter statt Krankenpfleger

Sie haben klangvolle Namen wie Akazuba und Urumuri: Fünf humanoide Roboter werden derzeit auf Ruandas Krankenstationen eingesetzt. Sie sollen das Infektionsrisiko für das Gesundheitspersonal senken. Produziert werden sie von einer belgischen Firma.

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Von
  • Bettina Rühl

Ruanda feiert sein neues Hightech-Produkt: Er sieht ein bisschen aus wie R2D2 aus Star Wars – nur mit weniger blinkenden Lichtern und etwa hüfthoch. Bei der Pressekonferenz stellt sich der Roboter selbst vor: "Ich bin bereit, meinen neuen Job im Behandlungszentrum zu beginnen – zusammen mit meinen vier Geschwistern. Ich will das Risiko für die Mitarbeiter im Gesundheitsbereich beim Kampf gegen Covid-19 verringern."

Ruandischer Präsident hatte sich für Roboter eingesetzt

Die insgesamt fünf humanoiden Roboter haben klangvolle Namen wie Akazuba und Urumuri. Hergestellt wurden sie von der belgischen Firma Zora Robotics. Deren Chef hatte Ruandas Präsident Paul Kagame bei einer Konferenz in Bonn getroffen – und gleich nach Flugtickets gefragt. Sicher könne er eins haben, hatte der Präsident erwidert – wenn er seine Roboter mitbringen würde.

Das war der Beginn der Kooperation. Ruanda konnte die Roboter jetzt mit Unterstützung des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen kaufen. Tommy Deblieck von Zora Robotics erklärt im Internetauftritt seiner Firma, was die Maschinen alles können: "An erster Stelle messen sie die Temperatur. Und zwar von 20 Leuten gleichzeitig. Sie können feststellen, ob jemand eine Mundnasenmaske trägt – was sehr nützlich in Covid-Zeiten ist." Wer keine Maske hat, wird vom Roboter darauf hingewiesen.

Ruandas Regierung hat schon lange eine Vorliebe für neue Technologien. Präsident Kagame kaufte vor einiger Zeit Drohnen – zum Transport von Spenderblut oder auch zum Versprühen von Pestiziden. "Ruanda macht Informations- und Kommunikationstechnologien zum Kern der Entwicklungsstrategie", hatte Kagame damals dem ruandischen Fernsehen gesagt. "Denn wir wissen, wie sehr Leben dadurch verändert werden können. Die Technologien tragen zum Wandel bei, den wir wollen."

Maschinen übernehmen Hälfte der technischen Arbeit

Die Roboter melden sich auf einer Krankenstation mit Covid-19 Patienten zum Dienst. Einer von ihnen rollt auf einen Patienten zu, der schlafend im Bett liegt: "Guten Morgen, ich bin hier, um Ihre Körpertemperatur zu messen." Bis sich der Patient aufgesetzt hat, wartet der Roboter in einiger Entfernung vom Krankenbett.

Der Arzt David Turatsinze, der in dem Covid-19-Behandlungszentrum arbeitet, ist mit den neuen Assistenten zufrieden. "Die Roboter helfen uns dabei, die Infektionsgefahr zu verringern oder eine Übertragung des Virus sogar auszuschließen", erklärt Turatsinze. "Die Roboter übernehmen etwa die Hälfte der technischen Arbeit. Sie messen beispielsweise die Temperatur und zeichnen auch andere Werte auf, die uns helfen, den Zustand der Kranken zu beurteilen."

Die humanoiden Helfer auf der Station zeichnen auch Videos der Patienten auf, sodass die Ärzte sogar einen optischen Eindruck der Kranken bekommen, ohne eine Infektion zu riskieren. "Bevor wir die Roboter hatten, sind wir täglich zu jedem Patienten drei bis vier Mal gegangen", sagt Turatsinze. "Jetzt reichen zwei Mal täglich. Das gibt Ihnen einen Eindruck davon, was für eine große Hilfe die Roboter dabei sind, die Patientenkontakte zu vermindern."

Roboter sind vielseitig programmierbar

Die neuen Assistenten können sogar noch mehr, als Fieber zu messen und eine digitale Visite zu machen, so die Bio-Ingenieurin Francine Umutesi. Sie arbeitet im selben Behandlungszentrum, wie der Arzt Turatsinze: "Wenn man sie entsprechend programmiert, können die Roboter den Patienten auch Tabletts bringen, mit Medikamenten oder anderen Dingen, die sie bekommen sollen. Aber im Moment benutzen wir sie für diese Aufgaben nicht."

Die Roboter sind fast unermüdlich unterwegs, speichern die Werte der Patienten – bis sie irgendwann aufgeladen werden müssen. Aber auch dabei sind sie ganz folgsam.

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