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Corona in Italien: Situation in einigen Regionen wieder kritisch | BR24

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Italien meldet einen neuen Höchstand an Infektionen. Dort wurden knapp 15.200 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden registriert.

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Corona in Italien: Situation in einigen Regionen wieder kritisch

Italien hat bei den Neuinfektionen mit dem Coronavirus einen neuen Höchststand verzeichnet. Die Gesundheitsbehörden des Landes meldeten mehr als 15.000 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Betroffen ist vor allem der Norden.

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Von
  • Lisa Weiß

Es ist eigentlich nur ein bedrucktes Din A4-Blatt, ein Formular zum Ausfüllen, das jetzt zurückkehrt – aber die meisten Italiener dürften gehofft haben, es nie wieder zu sehen: Die sogenannte "autodichiarazione" ist eine Eigenerklärung, die man ausgedruckt dabei haben muss, darauf der Grund, warum man gerade nicht zu Hause ist.

Situation in Lombardei und anderen Regionen "explosiv"

Sie ist eines DER Symbole für den Lockdown des Frühjahrs – ein Lockdown, der jetzt in einigen Regionen zurückkehrt, wenn auch bei weitem nicht so strikt. Es ist ein Versuch dieser Regionen, ihr Gesundheitssystem zu entlasten. Der Mailänder Virologe Fabrizio Pregliasco sagte dem Fernsehsender einer italienischen Universität, besonders in der Lombardei sei die Situation kritisch.

"Sie ist explosiv", so Pregliasco. "Das heißt, noch sind die Intensivstationen einigermaßen leer, aber es ist riskant. Wegen des exponentiellen Wachstums, das es nicht nur in der Lombardei, sondern auch in anderen Regionen gibt." Man müsse nun entscheidende Maßnahmen ergreifen.

Nächtliches Ausgehverbot und mehr Ärzte und Pfleger

Eine der Maßnahmen: In der Lombardei wie auch in Kampanien darf man vorerst nach 23 Uhr nur noch mit besonderer Begründung auf die Straße. Und: Italien will vorsorgen. Für das kommende Jahr sind vier Milliarden Euro eingeplant, damit sollen unter anderem rund 30.000 Ärztinnen und Krankenpfleger weiter bezahlt werden, die befristet eingestellt worden sind.

Aber reicht das? Professor Walter Ricciardi, Berater des italienischen Gesundheitsministeriums, wird von italienischen Medien folgendermaßen zitiert: Die Großstädte Mailand, Neapel und wahrscheinlich auch Rom seien schon außer Kontrolle, hier könne derzeit die Epidemie nicht, wie vorgesehen, mit Kontaktverfolgung und Tests eingedämmt werden.

Krankenhäuser zum Teil jetzt schon überlastet

In Mailand macht momentan das Sacco-Krankenhaus Schlagzeilen, dort sind in den vergangenen Tagen rund 20 Krankenhausmitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden, dazu auch einige Patienten.

Regionalkommissar Giulio Gallera, der in der Lombardei für die Gesundheit zuständig ist, hat schon im Radio vor einer Überlastung des Gesundheitssystems in seiner Region gewarnt: Ende Oktober könnten bereits wieder 4.000 Covid-19-Patienten in lombardischen Krankenhäusern liegen.

Bei Patienten muss Auswahl getroffen werden

Und der Direktor des medizinischen Notdienstes in Kampanien, Giuseppe Galano, sagte der Nachrichtenagentur Ansa: Schon jetzt müsse eine Auswahl der Patienten getroffen werden. "In den vergangenen Monaten, als die Infektionsraten niedrig waren, konnte eine Person auch im Krankenhaus behandelt werden, wenn es nicht ganz unbedingt notwendig war", so Galano. "In diesem Moment, in dem immer wieder unvorhergesehene Situationen auftreten, muss man Einschränkungen machen."

Italien hätte sich besser auf die zweite Welle vorbereiten können, meint Galano, man hätte Leitlinien für die Behandlung zuhause und in Senioreneinrichtungen herausgeben können – um so die Krankenhäuser zu entlasten. Denn in Kampanien wie auch in vielen anderen Regionen Italiens ist das Gesundheitssystem sehr auf die Krankenhäuser fokussiert, niedergelassene Ärzte spielen eine kleinere Rolle als in Deutschland.

Mehr Tests und bessere Kontaktverfolgung

Doch die Zeit für die Vorbereitung auf eine zweite Welle, sie ist ganz offensichtlich vorbei. Ricciardi, der Berater des italienischen Gesundheitsministeriums hält es aktuell für sinnvoll, vor allem die Mobilität der Italiener zu verringern. Die Strategie des Mikrobiologen Andrea Crisanti aus Padua, der als einer der ersten feststellte, dass auch asymptomatische Patienten das Virus übertragen können, ist: Testen, testen, testen.

"Damit es jetzt funktioniert, muss die Kapazität an Tests erhöht werden", sagt Crisanti. "Wissen Sie, wenn wir alle zu Hause sind und niemand andere trifft, ist es relativ einfach zu kontrollieren. Aber wenn wir unsere Aktivitäten fortsetzen wollen, müssen wir irgendwie die Möglichkeit schaffen, viel mehr Diagnosen zu stellen als jetzt."

Und: Man müsse die Übertragungsketten durch eine bessere Kontaktverfolgung eindämmen, sagte er im italienischen Fernsehsender Sky, es brauche eine Art nationales Überwachungssystem. Denn selbst wenn diese Welle eingedämmt werden könne, gehe ansonsten alles nach sechs Wochen von vorne los, wichtig sei also, diese Spirale zu durchbrechen.

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