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Corona in Ischgl: Staatsanwalt ermittelt gegen vier Personen | BR24

© dpa

Après-Ski in Ischgl (Archivbild)

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    Corona in Ischgl: Staatsanwalt ermittelt gegen vier Personen

    Erst Partys trotz Corona-Alarm, dann chaotische Massenabreise statt Quarantäne: in der Corona-Hochburg Ischgl lief im März vieles schief. 10.000 Seiten Material hat Österreichs Justiz inzwischen zusammengetragen. Vier Personen stehen im Fokus.

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    Die Staatsanwaltschaft Innsbruck hat gegen vier Beschuldigte Ermittlungsverfahren eingeleitet. Auskünfte dazu, um wen es sich bei den Beschuldigten handele, würden nicht erteilt. Die Tiroler Zeitung hatte Ende August berichtet, die Staatsanwaltschaft ermittele gegen den Bezirkshauptmann von Landeck, dessen Stellvertreter sowie gegen den Bürgermeister von Ischgl, Werner Kurz, ermitteln würde - was auf Anfrage des ARD-Studios Wien weder bestätigt noch dementiert wurde.

    Fest steht: es geht um den Erlass und die Umsetzung behördlicher Bestimmungen. Die Prüfung der über 10.000 Seiten Beweismaterial hätten nunmehr dazu geführt, dass die Umsetzung einiger Verordnungen näher untersucht wird, so die Behörde. Dazu zählen insbesondere Verkehrsbeschränkungen in Ischgl und die Quarantäne im umliegenden Paznauntal im vergangenen Winter. Hier gibt es Unklarheiten darüber, wann die Verordnungen in Kraft getreten sind und wie sie umgesetzt wurden.

    Vom Party-Hotspot zur weltweiten Virenschleuder

    In Ischgl, das als internationale Partyhochburg unter den Skigebieten bekannt ist, hatten sich Tausende Urlauber infiziert und das Virus dann auf der ganzen Welt verbreitet - nicht zuletzt auch in Bayern. Nachdem Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz am 13. März in einer Pressekonferenz die Quarantäne über das Paznauntal verhängte, reisten Tausende Touristen und Saisonarbeiter unter teils chaotischen Bedingungen ab - obwohl sie laut Quarantäne-Verordnung eigentlich im Tal hätten bleiben sollen.

    Kritiker werfen Behörden, verantwortlichen Politikern und Gastronomen vor, zu spät und dann nicht angemessen reagiert zu haben. Auch Bundeskanzler Kurz selbst steht in der Kritik.

    Fatale elf Stunden zwischen Beschluss und Verkündigung

    Im Fokus steht nach BR-Informationen folgende Frage zum Ablauf des Geschehens: Warum wurde die Quarantäne-Verordnung der Bezirkshauptmannschaft Landeck erst am Abend des 13. März an den "schwarzen Brettern" der betroffenen Ski-Orte ausgehängt und damit rechtswirksam, obwohl diese Verordnung bereits am Morgen desselben Tages beschlossen worden war?

    Die Quarantäne-Verordnung sah unter anderem vor, dass alle ausländischen Touristen ihre Namen, Handy-Nummern hinterlassen und Österreich auf dem schnellsten Wege zu verlassen hätten. Österreichische Touristen, Dorfbewohner und Saisonarbeiter sollten im Tal in Quarantäne bleiben.

    Die Sicht des Bürgermeisters

    Bürgermeister Werner Kurz schilderte die Vorgänge gegenüber dem ARD-Studio Wien Mitte September so:

    "Dass das natürlich bei so vielen Gästen, die wir hier im Tal haben – also ich gehe mal davon aus, wenn ich es richtig sage, achttausend bis zehntausend Gäste waren hier – dass das dann schnell ein Lauffeuer macht und jeder chaotisch abreist, das ist verständlich." Werner Kurz

    Eigene Versäumnisse sah der Bürgermeister nicht: "Wir haben alles umgesetzt, was uns vorgegeben wurde. Mehr konnten wir nicht tun."

    Verbraucherschützer reichen Musterklagen ein

    Neben den strafrechtlichen Ermittlungen beschäftigt das Geschehen in Ischgl auch zivilrechtlich die Gerichte. Verbraucherschützer brachten vergangene Woche die ersten vier Musterklagen auf Schadenersatz im Namen von Menschen ein, die sich beim Urlaub in Ischgl oder bei der Abreise mit dem Coronavirus angesteckt haben sollen.

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