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Audio zum Ischgl-Untersuchungsbericht

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Corona in Ischgl: Haben die Behörden den Ausbruch "vertuscht"?

Der Tiroler Landtag erwartet den Abschlussbericht einer Expertenkommission, die das Corona-Krisenmanagement der Landesregierung untersucht hat. Die Infektionsgefahr in Ischgl sei bewusst heruntergespielt und verharmlost worden, so der Vorwurf.

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Von
  • Clemens Verenkotte

Wie haben die Tiroler Behörden auf den Ausbruch im Corona-Hotspot Ischgl reagiert - und welche Entscheidungen wurden wann und von wem im Bundesland Tirol getroffen? Mit erheblicher Spannung wird im Tiroler Landtag der Bericht der Expertenkommission unter Vorsitz des ehemaligen Vize-Präsidenten des Obersten Gerichtshofs, Ronald Rohrer erwartet.

Rohrer gilt als sehr angesehen, respektiert und vor allem: unabhängig. Fünf Monate nach seiner Beauftragung durch den Tiroler Landtag präsentieren er und die übrigen Mitglieder der Expertenkommission ihre Ergebnisse. So seien zahlreiche Akten und interne Unterlagen der Behörden gesichtet und über 50 Personen befragt worden, darunter aus der Tourismusbranche, Seilbahnverantwortliche, Personen, die mit Covid-19 infiziert waren sowie Verantwortliche in Bezirken, des Landes und des Bundes.

Oppositionspolitiker: "Man wollte etwas vertuschen"

Als einer der ersten Oppositionspolitiker in Tirol stellte der Fraktionschef der liberalen Neos im Innsbrucker Landtag, Dominik Oberhofer, das Krisenmanagement der schwarz-grünen Landesregierung in Frage. Er habe frühzeitig den Eindruck gewonnen, so Oberhofer gegenüber dem ARD Studio Wien, "dass man hier etwas vertuschen will".

Das sei absolut unseriös und mache den Schaden nur größer. In vielen Gesprächen habe er das den Regierungsmitgliedern immer wieder versucht zu erklären. "Und was mich so wahnsinnig stört, das ist, dass in dieser ganzen Causa immer wieder der Lokalpatriotismus betont wurde, von Anfang an."

Chaotische Abreise tausender Touristen während Quarantäne

Bereits unmittelbar nach dem Wochenende der chaotisch verlaufenden Abreise Tausender von Ischgl-Touristen am 13. März, dem Tag der Verhängung der Quarantäne über das Paznauntal und St. Anton am Arlberg, legte sich Landesgesundheitsrat Bernhard Tilg in der ORF-Nachrichtensendung ZIB2 fest: "Ich glaube, dass die Behörden in Tirol sehr richtig agiert haben. Die ausländischen Medien machen den Eindruck, dass das Corona-Virus in Ischgl entstanden ist. Das ist aber nicht so."

Die Grundthese der Tiroler Landesregierung unter Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP), wonach im Rückblick betrachtet manche Entscheidungen frühzeitiger hätten getroffen werden können, jedoch mit bestem Wissen und Gewissen reagiert worden sei, wurde Ende der vergangenen Woche erschüttert: Das Nachrichtenmagazin Profil sowie die ORF-Nachrichtensendung ZiB2 berichteten unter Verweis auf ihnen vorliegende Dokumente der Tiroler Behörden, dass die Infektionsgefahr in Ischgl bewusst herunterspielt und teilweise verharmlost worden sei.

Warnung aus Island nicht ernst genommen

So sei etwa die erste Warnung der isländischen Behörden vom 5. März, wonach 14 Ischgl-Rückkehrer positiv getestet worden seien, nach Rücksprache mit Landeshauptmann Platter vom zuständigen Bezirkshauptmann mit der Lesart für die Presserklärung versehen worden: "Isländische Gäste im Tiroler Oberland dürften sich bei Rückflug im Flugzeug mit Coronavirus angesteckt haben". Somit habe man "Ischgl vorerst aus dem Schussfeld" nehmen können, wie in einer Mail des Bezirkshauptmanns geheißen habe.

Der Tiroler Neos-Fraktionschef Oberhofer sagt dazu: "Ich kann mich erinnern, wie wir die Situation gehabt haben mit den Isländern, die zurückgereist sind und dann festgestellt worden ist, dass die Corona-infiziert waren, da haben wir in Tirol das Testergebnis in Frage gestellt. Landesrat Tilg und die Tiroler Landesregierung, der Krisenstab, die haben gesagt, na, na, also einem isländischen Test kann man nicht vertrauen im Prinzip. Also, das ist nicht bestätigt."

Expertenkommission nach gescheitertem Misstrauensantrag

Tirols Oppositionsparteien hatten im Mai einen Misstrauensantrag gegen den Landesgesundheitsrat im Parlament gestellt, der mit den Stimmen der seit 75 Jahren im Bundesland regierenden Volkspartei sowie des grünen Koalitionspartners abgelehnt worden war. Auf derselben, emotional geführten Parlamentssitzung beschloss der Tiroler Landtag, eine Expertenkommission einzuberufen, die das Krisenmanagement des Landes untersuchen solle.

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