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Corona in Großbritannien: Gegen die Einsamkeit - und das Stigma

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Corona in Großbritannien: Gegen die Einsamkeit - und das Stigma

In der Pandemie nimmt bei vielen Menschen die Angst vor dem Alleinsein zu. In Großbritannien hat sich eine Staatssekretärin dem landesweiten Kampf gegen die Einsamkeit angenommen. Was tut sie in ihrem Amt?

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Von
  • Imke Köhler

Soumaya Osman ist während des Lockdowns wieder bei ihren Eltern eingezogen. In ihrer Studentenbude hatte sie mit Einsamkeit zu kämpfen und mit den Ängsten, die mit dem Alleinsein kommen. Irgendwie unheimlich sei ihr in ihrer Unterkunft geworden, erzählt sie - und sie habe sich gefragt, ob es überhaupt jemand merken würde, wenn ihr etwas zustieße: "Wenn ich zu Hause mein Zimmer für ein oder zwei Tage nicht verlasse, dann klopft jemand oder öffnet die Tür. Das ist wirklich wichtig, finde ich."

Gedanken, wie man sie von älteren Menschen kennt. Soumaya ist dagegen erst 21, aber - das haben verschiedene Studien gezeigt - in der Corona-Pandemie fühlen sich gerade auch viele junge Leute isoliert und einsam.

Auch eine Staatsangelegenheit

Damit gibt es für die Einsamkeitsbeauftragte der Regierung, Staatssekretärin Baroness Diana Barran, umso mehr zu tun. Ihr Posten wurde 2018 unter der damaligen Premierministerin Theresa May eingeführt. Die Regierung legte den "Building Connections Fund" auf, einen ursprünglich mit 11,5 Millionen Pfund ausgestatteten Fonds, der helfen soll, Menschen in Kontakt zu bringen.

So wurden unter anderem neue Transportmöglichkeiten für isolierte Menschen geschaffen und Senioren im Umgang mit moderner Technik geschult, damit sie mit anderen digital kommunizieren können. Wie erfolgreich der Kampf gegen die Einsamkeit bisher war, ist schwer zu messen, zumal das Problem seit den Lockdowns im letzten Jahr stark zugenommen hat.

Staatssekretärin Barran weiß: "Einsamkeit ist ein gewaltiges Problem und eines, von dem man sich überwältigt fühlen kann." Aber sie weiß auch: "Es kann auch jeder von uns einen Unterschied machen" - durch einen Anruf oder indem man jemandem eine E-Mail schreibt und den Empfänger wissen lässt, dass man an ihn denkt. "Das hilft für gewöhnlich schon", sagt Barran.

Kampf gegen das Stigma

Nicht nur einzelne Bürger, sondern auch Städte und Gemeinden, Arbeitgeber, Stiftungen und Verbände sind dazu aufgerufen, etwas gegen Einsamkeit zu tun. Die Regierung finanziert entsprechende Projekte auch auf lokaler Ebene.

Barran sagt, sie versuche vor allem Präventionsarbeit zu leisten, vor allem mit einer Kampagne in den sozialen Medien unter dem Hashtag #LetsTalkLoneliness. Ziel sei es, das Stigma zu beseitigen, das mit Einsamkeit einhergeht: "Die Leute glauben, wenn du allein bist, dann liegt das an dir, aber es gehört zum Leben dazu, vor allem während einer Pandemie."

Inzwischen besteht allerdings die Sorge, dass auch dann, wenn die Pandemie überstanden ist und alle Corona-bedingten Restriktionen wegfallen, die Einsamkeit bleiben wird - und einer Studie des britischen Roten Kreuzes zufolge könnte die für bestimmte Bevölkerungsgruppen dann noch größer sein als vorher.

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