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Lehrerin und Schüler in Frankreich

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Corona in Frankreich: Offene Schulen - weniger Tote?

Sollen die Schulen stärker öffnen? Während Deutschland diskutiert, setzt Frankreich seit langem auf Präsenzunterricht und generell auf mehr Alltagsleben. Die Regierung sieht sich bestätigt - durch Wirtschaftsdaten, Unesco-Lob und Opferstatistiken.

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Von
  • Stefanie Markert
  • B5 aktuell
  • Florian Haas

Notfallbetreuung und Distanzlernen bestimmen hierzulande seit Wochen den Alltag der meisten Kinder und Jugendlichen. Am morgigen Mittwoch wird entschieden, ob Schulen und Kitas ab nächster Woche wieder etwas mehr öffnen, Ausgang offen; in Bayern liegt die Entscheidung vermutlich bis übermorgen auf Eis. Das Nachbarland Frankreich hat sich dagegen bereits im vergangenen Sommer für einen ganz anderen Weg entschieden.

Die Marschroute der Regierung in Paris lautet: Die Schulen und Kitas bleiben offen, so lange es geht - notfalls müssen die Schüler und Schülerinnen, wie seit gestern Pflicht, hochwertige Masken im Unterricht tragen. Selbst als im Herbst die Infektionszahlen stark stiegen, wurde an der Präsenzpflicht festgehalten. Doch Ist dieser Kurs richtig? Und ist er womöglich besser als der in Deutschland?

Landweist nur gut 100 Schulen geschlossen

Für vergangene Woche meldete das Bildungsministerium landesweit nur 105 geschlossene Schulen und gut 930 geschlossene Klassen. Diese Zahl hat sich jedoch binnen einer Woche fast verdoppelt. Das liegt daran, dass die Kinder inzwischen nicht mehr bei drei bestätigten Fällen, sondern schon bei einem pro Klasse in Quarantäne gehen. Neueste Anweisung: Bei einer südafrikanischen oder brasilianischen Virus-Mutation reicht ein Kontaktfall für die Klassenschließung.

Trotzdem, sagt der Epidemiologe und Regierungsberater Arnaud Fontanay: "Wir wissen, dass das Virus in den Schulen zirkuliert, aber es ist nicht verantwortlich für den Hauptstrom an Infektionen. Und für die meisten Kinder ist es glücklicherweise auch harmlos." Premier Jean Castex fügt hinzu: "Die Unesco hat es jüngst anerkannt: Frankreich gehört zu den Ländern, die es seit Pandemiebeginn geschafft haben, die Schulen so weit wie möglich offen zu halten."

Diese Wahl mitsamt Folgen hätten den Kindern, dem Land und dem Bildungsbereich zur Ehre gereicht, meint Castex. Auch deshalb könne ein neuer Lockdown "nur der allerletzte Ausweg sein".

Was sagt der Blick auf die Opferzahlen?

Maßgabe allen politischen Handelns von Berlin bis Paris ist es, die Todesrate zu minimieren. Hier geben die Zahlen Frankreichs Regierungschef Recht: Rechnet man die täglich von den deutschen Gesundheitsämtern gemeldeten Personen zusammen, die im Januar 2021 an oder mit Covid-19 verstorben sind, so kommt man auf rund 23.000. Diese Zahlen liefert auch die Johns Hopkins-Universität als Referenz.

In Frankreich werden die betroffenen Todesfälle in Krankenhäusern und Pflegeheimen gezählt. Später kommen die zu Hause verstorbenen hinzu, deren Totenscheine von den Behörden auf Covid19-Fälle überprüft werden. Beide Länder richten sich nach den WHO-Regeln, wer in Verbindung mit dem Virus als Covid-19-Toter gerechnet wird. Addiert man die Zahlen im Januar für Frankreich, so kommt man auf rund 11.300.

Der Rest ist Statistik, die auch Premier Castex kennt. Auch er nennt die jetzige Lage "beunruhigend". Allerdings registriert er Unterschiede zu vielen Nachbarländern: In den vergangenen Wochen habe man keine großen neuen Corona-Wellen erlebt; die Zahlen seien erhöht, aber relativ stabil. Und die Mortalitätsrate pro Einwohner in Bezug zum Virus sei während dieser zweiten Welle "eine der niedrigsten in Europa".

Frankreichs Regierung lobt die eigene Strategie

Deutschland hat 83 Millionen Einwohner, Frankreich nur 67 Millionen. Die Todeszahlen liegen in der Bundesrepublik demnach bei 277 auf eine Million Einwohner, in Frankreich bei 169 pro Million. Fazit: Die Zahl der Corona-Todesfälle in Frankreich ist nicht halb so hoch wie in Deutschland; sie liegt bei 39, also in der Tat fast 40 Prozent unter den deutschen Werten.

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Frankreichs Premier Jean Castex verteidigt Corona-Strategie (Beitrag: Stefanie Markert, B5 aktuell)

Premier Castex ist stolz darauf.

"Unsere Strategie ist abgestuft und wird ständig an die Lage angepasst. Sie hat es uns bis heute erlaubt, die Pandemie zu kontrollieren und dabei so gut wie möglich das soziale und wirtschaftliche Leben unseres Landes aufrechtzuerhalten." Frankreichs Premier Castex

Die neueste Statistik besagt laut dem Regierungschef, dass die Wirtschaftsaktivitäten nur vier Prozent "unter normal" lägen; die Ökonomie sei weniger ausgebremst als bei vielen Nachbarländern.

Grund für den Erfolg unter anderem eine große kostenlose Testkampagne, die bei positiven Fällen zur sofortigen Isolierung führt. Eine Million Schüler und Lehrer sollen laut Gesundheitsminister in Frankreich monatlich getestet werden. Nach den bald anstehenden Winterferien sind sogar Speicheltests für alle geplant. Eine offenbar erfolgreiche Strategie. Allerdings: die Virus-Mutationen bereiten auch Frankreich zunehmend Sorgen.

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