BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Corona-Impfungen: Kritik an Spahn und Merkel | BR24

© BR

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz wirft Gesundheitsminister Spahn vor, falsche Erwartungen zu wecken.

50
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Corona-Impfungen: Kritik an Spahn und Merkel

Die Aussicht auf die ersten Corona-Impfstoffe heizt die Debatte darüber an, wer zuerst geimpft werden soll. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz und der Städtetag warnen zudem davor, falsche Erwartungen zu wecken.

50
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Redaktion

Mehrere Corona-Impfstoffe stehen kurz vor der Zulassung. Der weltweite Bedarf ist riesig, daher wird erwartet, dass den einzelnen Staaten zunächst nur eine begrenzte Menge an Impfdosen zur Verfügung stehen. In Deutschland führt das zur Debatte, wer den Impfstoff als Erstes bekommt.

Der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die am Robert Koch-Institut (RKI) angesiedelte Ständige Impfkommission hatten am 9. November empfohlen, dass Ältere und Vorerkrankte in die vorrangig zu priorisierende Personengruppe gehören sollen. Dies solle besonders in Pflegeheimen mit vielen Kontakten gelten. Zu einer zweiten bevorzugten Gruppe sollen demnach Gesundheits- und Pflegebeschäftigte gehören. Darüber hinaus seien unter anderem Polizisten, Feuerwehrleute und Lehrer prioritär zu schützen.

Kritik von der Stiftung Patientenschutz an Spahn und Merkel

Angela Merkel hatte in ihrer Regierungserklärung am Donnerstag nun aber gesagt: "Wir haben verabredet, dass diese Impfstoffe dann den Menschen angeboten werden, die im medizinischen, pflegerischen Bereich arbeiten, und sie als Erste Zugriff darauf haben."

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, findet diese Aussagen irritierend. Er warnte davor, den Impfstoff doch nicht zunächst den Pflegebedürftigen, schwer und chronisch Kranken zur Verfügung zu stellen. "Die Hochrisikogruppe darf ihren ersten Platz nicht verlieren", forderte er. "Deshalb muss der Bundestag unverzüglich eine eindeutige Priorisierung für Personen und Berufe festlegen."

Brysch wies zudem auf die noch offenen Fragen zur Wirkung der Seren hin. "Ob ein Serum die Infektion verhindern kann, ist reine Spekulation." Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) solle nicht den Eindruck verbreiten, dass die Impfungen so vor dem Virus schützen würden, als werde danach ein Schalter im Körper umgelegt. Laut Brysch kann noch nicht ausgeschlossen werden, dass ein Geimpfter das Virus nicht doch auch noch weitergeben könne.

Spahn: "Erwartung und die Bitte", sich impfen zu lassen

Spahn hatte im Interview der Woche auf B5 aktuell unter anderem über die bevorstehenden Impfungen gesprochen. Deutschland habe sich gut 300 Millionen Impfdosen verschiedener Hersteller gesichert. Als Erstes könnten sich die Beschäftigten in Krankenhäusern und Pflegeheimen impfen lassen.

Ein Angebot, das laut Spahn ganz unterschiedlich aufgenommen werde: Nicht jeder wolle zu den Ersten gehören und müsse das auch nicht. Das sei ein Angebot, so Spahn, und jeder könne für sich entscheiden, ob er es annimmt. "Aber im Ziel habe ich schon die Erwartung und die Bitte, dass die allermeisten, die im Gesundheitswesen arbeiten, sich auch impfen lassen." Es gehe auch um den Schutz derer, die man pflege.

Auch Städtetag warnt vor überzogenen Erwartungen

Spahn hat die Länder nach eigenen Angaben gebeten, dass Impfzentren Mitte Dezember einsatzbereit sein sollen. Der Deutsche Städtetag warnt vor dem Eindruck, dass es ab Januar an vielen Orten Impfzentren geben könne. "Tatsächlich gehen wir aber davon aus, dass bis weit ins Frühjahr hinein vor allem mobile Impfteams in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser fahren", sagte Städtetagspräsident Burkhard Jung (SPD) der Deutschen Presse-Agentur. Es dürften keine unrealistische Erwartungen geweckt werden. "Massenimpfungen für die breite Bevölkerung werden nach den Plänen von Bund und Ländern frühestens ab dem Sommer möglich sein."

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

Im Studiogespräch mit Ursula Heller äußert sich Christian Bernreiter, Landrat des Landkreises Deggendorf und Präsident des Bayerischen Landkreistags, zuversichtlich bezüglich der Corona-Impfungen in Bayern. Die Landkreise stünden "Gewehr bei Fuß".