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Überblick zu Corona-Impfungen: Von Priorisierung bis Drive-In | BR24

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Interview zu Astrazeneca: Thomas Mertens, Vorsitzender der Stiko

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Überblick zu Corona-Impfungen: Von Priorisierung bis Drive-In

Es ist das Thema, das alles beherrscht: Impfungen. Gleichzeitig wird die Verwirrung für Impfwillige immer größer. So läuft das Impfen in Deutschland und Bayern. Ein Überblick.

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Von
  • Claudia Grimmer

Die Ständige Impfkommission Stiko empfiehlt, das Vakzin Astrazeneca nur bei Menschen über 60 einzusetzen. Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) will keine Altersbeschränkung für den Impfstoff ausgeben. Gleichzeitig sollen Zweitimpfungen in Deutschland bei unter 60-Jährigen mit einem anderen Wirkstoff erfolgen.

Astrazeneca, die Erstimpfung und die Zweitimpfung

Die Ständige Impfkommission (Stiko) jedenfalls bleibt hart. Sie hat trotz der positiven Stellungnahme der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zum Impfstoff von Astrazeneca die Empfehlung ausgesprochen, das Vakzin weiter nur bei Menschen über 60 einzusetzen.

Trotz der Häufung von Thrombose-Fällen bei Frauen unter 55 Jahren konnte die EMA keine spezifischen Risikofaktoren für Blutgerinnsel nach einer Astrazeneca-Impfung wie etwa Alter, Geschlecht oder Vorerkrankungen feststellen. "Eine plausible Erklärung für diese seltenen Nebenwirkungen ist eine Immunreaktion auf den Impfstoff", sagte EMA-Chefin Emer Cooke.

Ein einheitliches Vorgehen in der EU für die Verimpfung von Astrazeneca gibt es nicht. Die britische Impfkommission impft mit dem Vakzin nur noch Erwachsene über 30 Jahre. Dänemark hat im Moment noch einen Impfstopp mit dem Mittel ausgegeben. Und auch die Niederlande haben kurz vor Ostern entschieden, Astrazeneca nicht mehr bei unter 60-Jährigen einzusetzen. Auch in Spanien soll der Corona-Impfstoff von Astrazeneca vorerst nicht mehr an unter 60-Jährige verabreicht werden.

Umgang mit Corona-Zweitimpfung noch unklar

Weiterhin empfiehlt die Stiko für Deutschland vor allem Jüngeren, die bereits eine Erstimpfung mit Astrazeneca bekommen haben, eine Zweitimpfung mit dem Vakzin von Biontech oder Moderna.

Allerdings gab es Mitte der Woche Gerüchte, dass Moderna im April nicht die vorgesehenen 878.000 Impfdosen liefern könnte. Der Pharmakonzern dementierte. "Die Lieferungen im April sind auf Kurs", hieß es aus dem Unternehmen. Je nach Verlauf der Produktion und Freigabe der Chargen könne es aber aktualisierte Lieferankündigungen geben.

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern vertagten derweil eine Entscheidung über den Umgang mit Zweitimpfungen von Menschen, die bereits einmal mit dem Präparat von Astrazeneca geimpft wurden.

Und dann auch noch die Diskussion um Sputnik V

Schon vor einer möglichen EU-Zulassung sicherte sich Bayern jetzt bis zu 2,5 Millionen Dosen des Mittels Sputnik V, das im schwäbischen Illertissen hergestellt werden soll. Auch der Bundesgesundheitsminister zieht nach. Jens Spahn kündigte aktuell an, einen Vorvertrag zum Ankauf des Corona-Impfstoffs anzustreben.

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft seit Anfang März eine Zulassung von Sputnik V in Europa. Bei der sogenannten Rolling-Review werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Rolling-Review-Verfahren bedeutet, dass die Beurteilung des Impfstoffs begonnen wird, bevor alle erforderlichen Daten wie bei einem normalen Zulassungsantrag eingereicht wurden.

Sputnik V soll eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent haben. Zu diesem Befund kommt zumindest eine Studie im renommierten Fachmagazin "Lancet", die am 2. Februar 2021 vorab veröffentlicht wurde. Die "Lancet"-Studie ist jedoch umstritten, da nur rund 70 Infektionen ausgewertet worden seien. Auch die Länge des Impfschutzes sei noch offen. Unklar zudem, ob der Impfstoff auch gegen Mutanten ausreichend schütze. Russlands staatlicher Direktinvestmentfonds RDIF kündigte ab, dass eine Lieferung in die EU im Juni starten könnte.

Biontech/Pfizer liegt bei einer Wirksamkeit von 95 Prozent, Moderna bei 94 Prozent und Astrazeneca bei 60 bis 70 Prozent.

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Nach Bayern will sich auch Mecklenburg-Vorpommern den russischen Impfstoff Sputnik V vertraglich sichern. Auch Bundesgesundheitsminister Spahn will mit Moskau sprechen. Sobald Sputnik V in der EU zugelassen ist, soll er in Bayern produziert werden.

Montgomery fordert Wahlfreiheit bei Impfstoff

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, fordert eine Auswahlmöglichkeit bei Vakzinen. Noch fehle zwar die wissenschaftliche Evidenz, der Impfstoff von Astrazeneca sei aber aller Wahrscheinlichkeit nach für die sehr seltenen Hirnvenenthrombosen vor allem bei Frauen unter 60 Jahren verantwortlich. Das Risiko der Impfung sei aber deutlich geringer als das Risiko der Erkrankung.

Trotzdem fordert er: "Man muss den Menschen so bald wie möglich ein Wahlrecht für den Impfstoff einräumen."

Wann kommt die Aufhebung der Impfpriorisierung?

Noch gilt die Impfpriorisierung, doch über eine Aufhebung wird schon lange laut und lauter nachgedacht. Das hat auch mit dem Impfstoff Astrazeneca zu tun. So melden die Impfzentren in Donauwörth und Nördlingen, dass sie seit dem 1. April auf etwa 15 Prozent der Impfdosen von Astrazeneca sitzen blieben. Dabei versuchten sie bereits, kurzfristige Absagen durch Nachrücker von Hop-On-Listen zu ersetzen, doch auch hier wollen sich viele nicht mit dem Impfstoff von Astrazeneca pieksen lassen, der jetzt unter dem neuen Namen Vaxzevria vertrieben wird.

Auf der anderen Seite gebe es viele, die bereit dazu wären, von der Priorisierung jedoch noch nicht für eine Impfung in Frage kämen. Hier müsse jetzt in Absprache mit dem Landkreis und dem Ministerium eine Entscheidung getroffen werden, ob man diese Menschen vorziehen dürfe, fordert Arthur Lettenbauer, der Leiter der beiden Impfzentren.

Der Landkreis Kronach hat ein "Sonder-Impfangebot" für alle über 60-Jährigen gestartet, die sich mit Astrazeneca impfen lassen wollen und verabschiedet sich damit ebenfalls zum Teil von der Priorisierung.

Die Gesundheitsministerkonferenz hat zudem beschlossen, bereits die 60- bis 69-Jährigen impfen zu lassen, aber nur mit Astrazeneca. Grundsätzlich hatten Ministerpräsident Markus Söder und Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek bereits angekündigt, die Impfreihenfolge schrittweise ändern zu wollen. Doch das kommt tröpfchenweise, jeden Tag ein bisschen mehr. So hatte gestern auch Ministerpräsident Söder die teilweise Aufhebung der Priorisierung für Betriebsärzte angekündigt. In zehn großen Betrieben im Freistaat soll demnächst "durchgeimpft" werden. Das Modellprojekt soll noch im April beginnen.

Wie läuft das Vorgehen in den Impfzentren ab?

Viele Impfzentren in Bayern sind zu den normalen Öffnungszeiten erreichbar, nicht alle auch an den Wochenenden. Andere Bundesländer gehen unkonventionelle Wege und können damit zunehmend mehr Menschen impfen.

NRW und Niedersachsen setzen auf Drive-In Impfung

Ob in Witten oder Bremervörde, in beiden Städten der Bundesländer NRW und Niedersachsen ist es möglich, mit dem Auto zur Impfung zu fahren und ohne Auszusteigen sich die Spritze setzen zu lassen. Das Auto muss nicht verlassen werden, was vor allem Vorteile für gehbehinderte Senioren bringt. 9.000 Menschen sollen so in den nächsten zwei Wochen die Verabreichung eines Vakzins in der nordrhein-westfälischen Stadt Schwelm erhalten. Aber auch die Schnelligkeit der Impfungen wird dadurch erhöht. Das Saarland stellt ebenfalls mittlerweile Überlegungen an, wie Drive-In-Stationen fürs Impfen eingerichtet werden könnten.

Impfen rund um die Uhr

Vor Kurzem hat das erste 24-Stunden-Impfzentrum der Bundeswehr seinen Dienst aufgenommen. Rund um die Uhr wird im saarländischen Lebach die Spritze gesetzt. 108 Soldatinnen und Soldaten stehen dafür in drei Schichten, Tag und Nacht, an sieben Tagen die Woche zur Verfügung. Bis zu 1.000 Impfungen innerhalb von 24 Stunden sind möglich.

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