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Bildrechte: picture alliance / ANP | ROBIN VAN LONKHUIJSEN

Symbolbild: Die Impfstrategie berücksichtigt Menschen mit Behinderung, die in einem Pflegeheim wohnen. Für die anderen sieht es schlecht aus.

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    Corona-Impfungen: Fallen Menschen mit Behinderung durchs Raster?

    Auch viele jüngere Menschen haben wegen einer Behinderung oder einer chronischen Erkrankung ein besonders hohes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. Es herrscht aber Ratlosigkeit darüber, wie sie möglichst schnell eine Impfung erhalten können.

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    Von
    • Nikolaus Nützel

    Valentin leidet an Muskeldystrophie. Die unheilbare Krankheit hat zur Folge, dass sein gesamter Muskelapparat immer schwächer wird. Auch die Atmung ist davon betroffen. Seit die Corona-Pandemie ausgebrochen ist, achtet er genau darauf, dass er sich nicht ansteckt.

    "Die Lunge ist halt eingeschränkt und die Muskeln werden immer weniger", erklärt der 23-jährige. "Also ich habe mir Sorgen gemacht, dass es gefährlich ist, wenn ich es bekommen würde."

    Risikopatienten können sich nicht für eine Impfung anmelden

    Als Ende Dezember in Deutschland die Corona-Impfungen starteten, hat der junge Mann auf dem Internetportal des Bayerischen Gesundheitsministeriums nachgeschaut, wie er möglichst schnell an eine Impfung kommen könnte. Dort können zwar verschiedene Risikofaktoren angegeben werden, wie Übergewicht oder chronische Erkrankungen der Nieren oder der Leber. Aber Valentin fand für sich kein Kästchen, das er hätte anklicken können.

    Ähnlich ist der Fall der 25-jährigen Sonja. Sie hat eine Hirnschädigung und kann deswegen nicht sprechen. Aber auch ihre Atmung ist eingeschränkt, erklärt ihre Mutter Susanne Zehetbauer. "Damit ist die Lunge nicht so gut belüftet oder deutlich schlechter belüftet als bei gesunden Menschen, sodass normale Atemwegsinfekte viel schwerer verlaufen als bei Gesunden." Und eine Corona-Infektion könnte tödlich verlaufen, fürchtet die Mutter: "Die Angst haben wir auf alle Fälle, und so sieht es auch ihr Hausarzt."

    Auch Sonjas Mutter hat auf der Online-Seite der Staatsregierung versucht, anzugeben, dass ihre behinderte Tochter besonders dringend eine Impfung haben sollte. Allerdings fand auch sie kein Feld, das für ihren Fall passt. Der Versuch, telefonisch etwas zu erfahren, sei ebenso erfolglos geblieben wie Mails ans Gesundheitsministerium und andere Anstrengungen.

    Schätzungsweise 200.000 Betroffene in Deutschland

    "Ich habe mit den Hausärzten in unserem Umfeld, im Freundeskreis, genauso wie mit den behandelnden Hausärzten geredet und gefragt, ob es irgendeine Möglichkeit gibt", erzählt die Mutter. "Ich habe mich an den Behindertenbeauftragten der Landeshauptstadt gewendet, ich habe eine Online-Petition dazu unterschrieben."

    Die Initiatoren dieser Online-Petition gehen deutschlandweit von rund 200.000 Menschen aus, die wegen ihrer Behinderung eigentlich möglichst bald eine Corona-Impfung erhalten sollten, derzeit aber das Gefühl haben, vergessen zu werden. Beim Bayerischen Gesundheitsministerium kennt man die Problematik. Das Ministerium verweist darauf, dass die Ständige Impfkommission in Berlin (Stiko) dafür zuständig sei, Empfehlungen für die Corona-Impfung zu erarbeiten. Die Stiko wiederum schreibt, es seien Einzelfallentscheidungen möglich, etwa bei jüngeren Menschen mit schweren Erkrankungen. Die "für die Impfung Verantwortlichen" sollten entsprechende Entscheidungen treffen, erklärt die Impfkommission.

    Forderung: Weg für junge Hochrisiko-Patienten

    Doch wer diese Verantwortlichen ganz konkret sind, sei völlig diffus, beklagt Susanne Zehetbauer. Sie erwartet deswegen schnelle Klarstellungen. "Von der Politik erwarten wir, insbesondere von Gesundheitsministerium, dass es endlich auf dieses Problem reagiert und einen transparenten Weg schafft, wie eben jüngere Hochrisiko-Patienten an eine Impfung kommen können."

    Das sieht auch Valentin so, der an Muskeldystrophie leidet. Wobei er durch einen glücklichen Zufall inzwischen eine Impfung erhalten hat. Jemand aus seiner Familie hat mitbekommen, dass in einem Impfzentrum eine Impfdosis übriggeblieben ist, die sonst weggeworfen worden wäre. "Das hat sich so ergeben, dann mussten wir ganz schnell los, und dann wurde ich da geimpft."

    Aber sich darauf zu verlassen, dass man das Glück hat, jemanden zu kennen, der weiß, wo gerade eine Impfdosis übrig ist, sei keine Lösung, findet der 23-jährige.

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