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Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrats, plädiert dafür, an der Impf-Priorisierung festzuhalten, auch wenn Hausärzte mitimpfen dürfen. Gleichzeitig sprach er sich aber dafür aus, die Reihenfolge in Grenzregionen flexibel zu handhaben.

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Medizinethiker Henn plädiert für Einhaltung der Impf-Reihenfolge

Wolfram Henn, Mitglied des Deutschen Ethikrats, plädiert dafür, an der Impf-Priorisierung festzuhalten, auch wenn Hausärzte mitimpfen dürfen. Gleichzeitig sprach er sich aber dafür aus, die Reihenfolge in Grenzregionen flexibel zu handhaben.

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Von
  • Christoph Peerenboom

Im Interview mit der Bayern 2-radioWelt hat sich Medizinethiker Wolfram Henn dafür ausgesprochen, die Impf-Reihenfolge weiter beizubehalten. Er schränkte allerdings ein:

Je mehr Impfstoff verfügbar wird, desto stärker kann man die weiterhin bestehenden ethischen Kriterien individualisieren. Und an dem Punkt sind wir jetzt angekommen, aber das Prinzip natürlich bewahren.

Sobald Hausärzte mitimpfen dürfen, sollte die Entscheidung in den Praxen liegen, so Henn. Als konkretes Beispiel nannte das Mitglied des Deutschen Ethikrats etwa eine Hausärztin, die besser wisse, als ein ministeriell vorgegebenes Schema, ob der 69-jährige schwer lungenkranke Mensch dringender den Impfstoff brauch, als der 71-jährige Marathonläufer. Er werbe daher für Vertrauen auf die Hausärztinnen und Hausärzte.

Impf-Strategie sei erfolgsversprechend

Henn ist optimistisch, dass die Strategie im Dreiklang von Impfzentren, Hausarzt-Praxen und Betriebsärzten erfolgreich sein wird. Sein Fazit:

Tempo ist wichtig, eine feinkörnige Zuordnung ist möglich und notwendig und so werden wir schnell vorwärtskommen.

Der Medizinethiker warnte vor zu viel Vorgaben und Kontrolle, um weitere Debatten über die Priorisierung möglichst zu vermeiden. "Umso mehr ist es wichtig, dass wir keine bürokratischen Schraubenschlüssel ins Getriebe werfen. Da muss man schon Freiheitsgrade lassen."

Flexibilität in Grenzregionen

Dass in Grenzregionen bald die gesamte Bevölkerung geimpft werden soll, nannte Henn eine zweischneidige Sache. Bei extremhohen Inzidenzen sei es im Sinne der Allgemeinheit, wenn man die Quellen von Viruszustrom so weit wie möglich abriegele. Man müsse da flexibel sein.

Nach Meinung Henns kann die Impf-Priorisierung aufgehoben werden, "wenn wirklich für alle in der Bevölkerung Impfstoff zugänglich ist. Und dann ist auch der Zeitpunkt gekommen, wo Leute, die sich nicht impfen lassen wollen, sozialem Druck entgegensehen werden."

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