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BR24Live ab 14.55 Uhr – Impfstrategie: Vorbild Israel?

Kein Land der Welt impft so schnell wie Israel. Was kann Deutschland von Israel beim Corona-Management lernen? Tim Aßmann und Susanne Glass beantworten im Studio Tel Aviv Ihre Fragen.

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Von
  • Tim Aßmann

Mehr als die Hälfte der knapp 9,3 Millionen Israelis hat schon mindestens eine von zwei Impfungen gegen das Coronavirus erhalten. Rund 3,5 Millionen sind schon mit beiden Impfungen durch. Israel kann in seiner Impfkampagne auf die Infrastruktur seiner gesetzlichen Krankenkassen zurückgreifen. Sie verfügen über eigenes medizinisches Personal und übernehmen den Betrieb der Impfzentren und die Organisation der Termine.

Daten gegen Corona-Impfstoff

Zentral für den Erfolg der Kampagne ist aber natürlich der Impfstoff-Nachschub. Der Pharma-Gigant Pfizer garantierte die Lieferung von genügend Impfstoff zum Erreichen der Herdenimmunität. Im Gegenzug bekommt Pfizer von der israelischen Regierung alle Gesundheitsdaten zur Impfkampagne und dem Pandemie-Verlauf im Land.

Die Daten sind zwar anonymisiert, aber im Ergebnis werden die Israelis für Pfizer zu gläsernen Patienten. Die Regierung stellt den Impfstoff-Nachschub über Datenschutz-Bedenken und stößt dabei in der Bevölkerung mehrheitlich auf Zustimmung.

Testlabor Israel für Biontech/Pfizer

Weil kein Land beim Impfen so weit ist wie Israel, gibt es dort auch die bisher breiteste Datenbasis zur Wirksamkeit des Biontech/Pfizer-Impfstoffes. Einer groß angelegten Studie des Gesundheitsministeriums zufolge schützt das Vakzin zu 99 Prozent vor schweren Krankheitsverläufen.

Zur Frage, ob Geimpfte das Virus übertragen können, geben erste Daten zwar Anlass zur Hoffnung, doch noch sind diese Ergebnisse nicht belastbar genug.

Problem bleibt: Impfbereitschaft der Israelis

Beispielhaft zeigt Israel auch das Problem der Impfmotivation. Zunächst kam die Kampagne rasant voran, doch dann stockte sie, weil die Bereitschaft, sich impfen zu lassen, bei jüngeren Israelis deutlich geringer ist als bei Älteren.

Viele Impfskeptiker beklagen, sich nicht gut genug über mögliche Risiken der Impfstoffe informiert zu fühlen. Hinzu kommt, dass die Scheu vor der Impfung bei arabischen und streng-religiösen jüdischen Israelis besonders ausgeprägt ist.

Vorteile für Geimpfte und Genesene dank grünem Pass

Mit dem sogenannten grünen Pass soll die Impfbereitschaft erhöht werden. Geimpfte und von einer Erkrankung Genesene bekommen mit dem Pass mehr Freiheiten als Ungeimpfte. Fitnessstudios, Schwimmbäder auch Theater und Konzerte sind für Inhaber des grünen Passes offen. Selbst Auslandsreisen ohne Quarantäne sollen damit möglich werden. Auch in Israel gibt es Kritik an dieser Politik der Impfprivilegien.

Ein großer gesellschaftlicher Aufschrei ist allerdings ausgeblieben. Im Unterschied zu Deutschland können sich in Israel mittlerweile alle über 16 impfen lassen.

In Israel lässt sich allerdings auch beobachten, was passiert, wenn eine Bevölkerung schlicht nicht mehr bereit ist, Einschränkungen des Alltags hinzunehmen. Der vor kurzem beendete dritte scharfe Lockdown im Land führte nicht zu einer nachhaltigen Senkung der Infektionszahlen. Neben der Verbreitung von Corona-Mutationen führen Experten das auch auf eine mangelnde Einhaltung der Regeln zurück.

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