BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© REUTERS/Akhtar Soomro
Bildrechte: REUTERS/Akhtar Soomro

Corona-Impfung in Pakistan

14
Per Mail sharen

    Corona-Impfung in Pakistan: Wer zahlt, kommt schneller dran

    Im Ramadan und mitten in der dritten Corona-Welle ist der Wunsch nach einer Impfung bei vielen Pakistanern groß. Wer seine Sputnik-Dosen selbst bezahlt, muss nicht warten - ein Weg, den viele kritisch sehen.

    14
    Per Mail sharen
    Von
    • Oliver Mayer

    Saad Ahmed strahlt übers ganze Gesicht. "Ich bin so glücklich, geimpft worden zu sein. Den Nachweis brauche ich nämlich fürs Reisen", sagt der 34-Jährige. Gerade hat er in einem privaten Krankenhaus in Pakistans Millionenmetropole Karatschi den russischen Impfstoff Sputnik V in den Arm gespritzt bekommen. Ein Privileg, das sich diejenigen im Land sichern können, die bereit sind, für die zwei Dosen etwa 65 Euro auszugeben.

    Laut den aktuellen Vorschriften der Regierung haben in Pakistan bisher nur diejenigen ein Recht auf eine Impfung, die über 50 Jahre alt sind. Die meisten bekommen den chinesischen Impfstoff Sinopharm kostenlos zur Verfügung gestellt. Nun hat das Pharmaunternehmen AGP 50.000 Dosen des Präparats Sputnik V bestellt. Über private Kliniken kann der Impfstoff seit Anfang April von Jedermann erworben werden - zum Vierfachen des internationalen Marktpreises.

    Ethische Bedenken auch bei Wohlhabenden

    "Was hier passiert, ist unethisch und schlecht für die Gesellschaft", sagt Dr. Tipu Sultan, früherer Vorsitzender von Pakistans Ärztevereinigung. "Nur wenige Leute können sich die Impfung leisten. Der Großteil der Bevölkerung muss weiter darauf warten." Die Kosten einer privaten Impfung belaufen sich auf knapp 30 Prozent des durchschnittlichen pakistanischen Monatseinkommens, das bei umgerechnet etwa 230 Euro liegt. Sogar Menschen aus der Oberschicht verurteilen die Praxis. Viele, die sich eine private Impfung leisten könnten, lehnen sie dennoch bewusst ab. "Es gibt hier einen Interessenskonflikt. Auf der einen Seite wollen natürlich die meisten geimpft werden. Auf der anderen Seite haben sie moralische Bedenken, dass sie damit anderen etwas wegnehmen", sagt Dr. Muhammad Rashid vom Nationalen Institut für Virologie.

    Kritik von Transparency International

    Auch Transparency International sieht den Weg Pakistans kritisch. Die internationale Anti-Korruptions-Organisation hat in einem Brief an den pakistanischen Premierminister Imran Khan darum geworben, private Importe und Verkäufe zu verbieten. Denn diese würden dazu führen, dass reiche Menschen sich beim Impfen vordrängeln könnten und die sowieso schon existente Lücke zwischen Reich und Arm noch größer werde. Das Pharmaunternehmen AGP verteidigt sich gegen die Vorwürfe. "Wir wissen, dass es schwierig wird, 113 Millionen erwachsene Pakistaner zu impfen", sagt Nusrat Munsih, Vorstandvorsitzender von AGP. "Jemand musste einen ersten Schritt wagen." Sein Unternehmen sorge dafür, dass mehr Menschen eine Impfung erhalten könnten. Dies sei ein wichtiger Schritt, um schnellstmöglich wieder in die Normalität zurückkehren zu können.

    Kommerzialisierung in wenigen Ländern

    Pakistan ist bisher eines der wenigen Länder, das die Kommerzialisierung der Vakzine erlaubt. Lediglich einige wenige Staaten verfolgen einen ähnlichen Weg. So hat Indonesien Firmen gestattet, Impfstoffe für Mitarbeiter zu kaufen. Kolumbien erlaubt eine solche Praxis unter der Bedingung, dass das Präparat kostenlos zur Verfügung gestellt werden muss. Kenia hat ein Pilotprojekt zur privaten Impfstoffversorgung bereits wieder gestoppt, weil dadurch gefälschte Ware auf den Markt gelangte. In Pakistan hofft man, dass weitere Impfdosen zeitnah für alle zur Verfügung stehen. Zumal am Dienstag der Fastenmonat Ramadan begonnen hat. Gläubige Muslime versammeln sich dazu im gesamten Land täglich in Moscheen zu Gebeten, das Ende wird im Mai mit einem großen Fest des Fastenbrechens gefeiert. Obwohl die Regierung dazu aufgerufen hat, sich an die Corona-Regeln zu halten, könnte dies dazu führen, dass sich die Lage in Pakistan in naher Zukunft noch einmal dramatisch verschärft.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!