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Corona-Impfung

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    Forderungen nach mehr Flexibilität beim Impfen mehren sich

    Einen Tag, bevor die Arzneimittelagentur EMA ihre Empfehlung zum Astrazeneca-Impfstoff gibt und kurz vor dem Impfgipfel am Freitag mehren sich Forderungen nach mehr Flexibilität beim Impfen. Bürokratie und Impfreihenfolge müssten gelockert werden.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Rüdiger Hennl

    Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet forderte in der ARD mehr Tempo beim Impfen gegen das Coronavirus. Man müsse von der Impfbürokratie herunterkommen, schneller werden und auch am Wochenende impfen, sagte der CDU-Vorsitzende. Laschet räumte ein, das Aussetzen der Impfungen mit Astrazeneca habe die Planungen zurückgeworfen. Er betonte aber, wenn es Warnungen der Wissenschaft gebe, sollte die Politik Ratschläge übernehmen.

    "Wir warten auf die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelagentur am Donnerstag. Dann ist Freitag Impfgipfel, wo wir unter den 16 Ländern gemeinsam beraten." Armin Laschet (CDU) Ministerpräsident NRW

    Blume: Impfwillige nicht ausbremsen

    Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume erklärte, bei einer Entwarnung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA für Astrazeneca sollte es mehr Flexibilität beim Impfen geben. Wenn es eine Gruppe von Menschen gebe, die bereit sei, sich diesen Impfstoff impfen zu lassen, sollte man sie nicht ausbremsen, sondern mit den Hausärzten dafür sorgen, diesen Impfstoff so schnell wie möglich an die Bevölkerung zu bringen, sagte Blume in der ZDF-Sendung "Markus Lanz".

    Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann, sagte bei "Markus Lanz", wenn mehr Impfstoff da sei und die Fragen bei Astrazeneca beantwortet seien, müsse man auch in Arztpraxen impfen und dort die Impfpriorisierung lockern.

    "Wir bleiben bei bestimmten Prinzipien, aber wir sollten sie etwas lockerer, flexibler und mutiger anwenden." Winfried Kretschmann (Die Grünen), Ministerpräsident Baden-Württemberg

    Scholz: Jetzt alles klären für das große Impfen

    Bundesfinanzminister Olaf Scholz hofft auf ein positives Signal der EMA, Astrazeneca weiter zu nutzen. Gleichwohl werde der verfügbare Impfstoff bald immer mehr werden, sagte der SPD-Kanzlerkandidat im ZDF.

    Im Juni/Juli könnten es in Deutschland "vielleicht" zehn Millionen Impfdosen pro Woche sein. Dann müsse alles vorbereitet und geklärt sein, was Impfzentren, was Hausärzte und was Betriebsärzte schaffen können. Daher sei der Impfgipfel "eine ganz wichtige Beratung".

    Politiker bekunden Vertrauen in Astrazeneca-Impfstoff

    Mehrere Politiker bekundeten ihr Vertrauen in die Qualität und Sicherheit des Astrazeneca-Impfstoffes. Er würde sich damit impfen lassen, sagte Kretschmann im ZDF. Er glaube, wenn er Covid bekomme, seien die Nebenwirkungen weit gravierender als er sie bei der Impfung überhaupt bekommen könne.

    Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) sagte der "Bild" ebenfalls: "Ich habe Vertrauen in diesen Impfstoff und würde mich jederzeit damit impfen lassen!"

    Kritik an Astrazenca-Impfstopp

    Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erneuerte, er hätte sich anders als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) überhaupt gegen eine Aussetzung des Impfens mit Astrazeneca entschieden. Zwar seien die Komplikationen schwerwiegend, aber sehr rar. Man hätte ohne die Aussetzung aber etliche schwerere Fälle von Covid-19 in den nächsten Wochen verhindert, argumentierte Lauterbach. Er erwarte, dass die EMA empfehle, Astrazeneca weiter zu verimpfen.

    Auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Mittwoch): "Wir hätten ohne Unterbrechung mit Astrazeneca weiterimpfen sollen." Bei Einbeziehung der Hausärzte in die Impfkampagne sollten diese entscheiden, welcher Impfstoff verabreicht werde.

    Umstrittene Thrombose-Fälle

    In Deutschland hatte das für die Impfstoff-Sicherheit zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Aussetzung der Impfungen mit Astrazeneca empfohlen. Dem folgte am Montag das Gesundheitsministerium. Nach Angaben aus dem Ressort von Spahn wurden in Deutschland bis Dienstagabend insgesamt acht Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet. Die Zahl der Fälle ist demnach statistisch signifikant höher als in der Bevölkerung ohne Impfung.

    Die Europäische Arzneimittelagentur EMA bekundete dagegen ihr Vertrauen in den Astrazeneca-Impfstoff und erklärte, die Thrombose-Fälle seien nicht in einer auffälligen Häufung aufgetreten. Die EMA will am Donnerstag eine Empfehlung zum Einsatz des Impfstoffes bekannt geben.

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