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Noch in diesem Monat könnte in der EU ein Corona-Impfstoff zugelassen werden. Doch am Anfang wird nicht genug für alle da sein. Wer also soll in Deutschland zuerst geimpft werden? Dazu hat die Ständige Impfkommission konkrete Vorschläge gemacht.

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Corona-Impfung: Wer sie zuerst bekommen soll

Noch in diesem Monat könnte in der EU ein Corona-Impfstoff zugelassen werden. Doch am Anfang wird nicht genug für alle da sein. Wer also soll in Deutschland zuerst geimpft werden? Dazu hat die Ständige Impfkommission konkrete Vorschläge gemacht.

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Von
  • Martin Plank
  • BR24 Redaktion

Wenn der Corona-Impfstoff zugelassen ist, dann sollen nach dem Vorschlag der Ständigen Impfkommission (Stiko) zunächst Personengruppen mit besonders hohem Risiko für schwere oder tödliche Krankheitsverläufe davon profitieren. Außerdem Gruppen, die beruflich besonders exponiert sind oder engen Kontakt zu Risikogruppen haben.

Corona-Impfungen zunächst für Alte und Pflegekräfte

Konkret heißt das: Zunächst sollen Bewohner von Pflegeheimen, Menschen über 80 und besonders gefährdete Mitarbeiter des Gesundheitswesens geimpft werden. Dazu zählen das Personal in Notaufnahmen, in der Betreuung von Corona-Patienten, aber auch der Transplantationsmedizin.

Weiter werden genannt das Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege sowie andere Tätige in Senioren- und Altenheimen mit Kontakt zu Bewohnern. Rund 8,6 Millionen Menschen würden unter diese Kriterien fallen.

Gesundheitsministerium legt Prioritäten fest

Eine Reihenfolge nach Gruppen bei der Impfung muss festgelegt werden, weil zunächst nicht genug Impfstoff zur Verfügung stehen dürfte. Endgültig festlegt werden die Prioritäten dann in einer Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums.

Die Ständige Impfkommission ist beim Robert-Koch-Institut angesiedelt. Eine Antwort auf ihre Empfehlung durch Länder und Experten erwartet sie umgehend - nämlich bis Donnerstag.

Die weitere Rangfolge bei der Corona-Impfung

Bei zunehmender, aber weiterhin begrenzter Impfstoffverfügbarkeit sollen weitere von der Stiko definierte Personengruppen mit besonderen Risiken vorrangig geimpft werden. Die Reihenfolge soll ständig neu bewertet werden.

"Hohe" Priorität sollen nach der ersten Gruppe 6,7 Millionen Menschen haben, darunter Senioren zwischen 75 und 80 Jahre sowie Menschen mit Demenz oder einer geistigen Behinderung in Einrichtungen sowie dort tätiges Personal. Folgen sollen dann ungefähr 5,5 Millionen Menschen mit "moderater" Priorität - etwa Ältere zwischen 70 und 75, Vorerkrankte mit erhöhtem Risiko und ihre engsten Kontaktpersonen, Menschen in Asylbewerber- und Obdachlosenunterkünften, enge Kontaktpersonen von Schwangeren, Personal mit moderatem Infektionsrisiko in medizinischen Einrichtungen und Kliniken sowie Personal in Gesundheitsämtern.

45 Millionen Menschen mit niedriger Impf-Priorität

Als nächstes sollten laut Entwurf rund 6,9 Millionen Menschen mit "erhöhter" Priorität folgen, darunter Menschen zwischen 65 und 70, Lehrkräfte, Erzieherinnen und Erzieher sowie Menschen mit prekären Arbeits- oder Lebensbedingungen wie Saisonarbeiter, Beschäftigte in Verteilzentren oder in der fleischverarbeitenden Industrie. Nächste Stufe sind 9 Millionen Menschen mit "gering erhöhter" Priorität, etwa Menschen von 60 bis 65 Jahre, Personal in "Schlüsselpositionen" der Landes- und Bundesregierungen, Beschäftigte im Einzelhandel sowie in der "kritischen Infrastruktur" wie Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Abfallwirtschaft.

"Niedrige" Impf-Priorität haben demnach alle übrigen Menschen unter 65 Jahre, was etwa 45 Millionen entspricht. "Mittelfristig ist es das Ziel, allen Menschen einen gleichberechtigten Zugang zu einer Impfung gegen Covid-19 anbieten zu können", heißt es in dem Entwurf.

Kritik von der Deutschen Stiftung Patientenschutz

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte, die Gruppe mit oberster Priorität sei mit 8,6 Millionen Menschen zu groß. "Über acht Millionen Menschen scheinbar gleichberechtigt bei der Priorität auf Nummer eins zu setzen, kann nicht funktionieren", sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

Deshalb müssten zunächst die Pflegebedürftigen und Schwerstkranken die Chance auf eine Impfung bekommen. Erst danach seien Menschen an der Reihe, die in medizinischen und pflegerischen Bereichen arbeiten.

Infektiologe Salzberger lobt Stiko-Konzept

Zustimmung kam dagegen vom Infektiologen Bernd Salzberger. Der Experte von der Uni Regensburg sagte im BR-Fernsehen, die Empfehlungen seien sehr gut ausgearbeitet. Die größten Todesfallraten gebe es nach wie vor in Alten- und Pflegeheimen. Es sei aber auch sinnvoll, das Personal in solchen Einrichtungen vorrangig zu impfen. Auch der SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach lobte das Konzept.

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