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Solange nicht alle geschützt sind, sind auch wir nicht geschützt. In vielen reicheren Ländern haben die Corona-Impfungen längst begonnen. Doch in ärmeren Ländern sieht es anders aus. Das weltweite Bündnis Covax will Impfstoff gerecht verteilen.

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Covax: Eine gerechte Impfstoffverteilung hat viele Hürden

Solange nicht alle geschützt sind, sind auch wir nicht geschützt. In vielen reicheren Ländern haben die Corona-Impfungen längst begonnen. Doch in ärmeren Ländern sieht es anders aus. Das weltweite Bündnis Covax will Impfstoff gerecht verteilen.

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Von
  • Simon Berninger

Für EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war es im August 2020 eine gute Nachricht: Die EU unterstützt künftig das globale Bündnis Covax, das vor allem ärmere Länder mit Impfstoffen versorgen will. Für von der Leyen ist klar, dass sich niemand in Sicherheit wiegen kann, solange nicht genug Menschen in Europa und der Welt geimpft sind. Sonst drohen immer neue Coronavirus-Mutationen einzelne Impfstoffe unwirksam zu machen, die Pandemie könnte wieder neu aufflammen.

Deswegen bedürfe es einer weltweiten Solidarität. Die Unterstützung von Covax von Seiten der EU bringe uns diesem Ziel einen Schritt näher, so die Kommissionspräsidentin.

Hilfsprogramm Covax ist massiv unterfinanziert

Hinter Covax stehen die Impfallianz Gavi, die Weltgesundheitsorganisation sowie die Forschungsallianz CEPI. Rund 850 Millionen Euro bekam das Bündnis im vergangenen Jahr von der EU. Ein Tropfen auf den heißen Stein, sagt "Ärzte ohne Grenzen", schließlich braucht Covax nach eigenen Angaben weitere fünf Milliarden Dollar, um weltweit flächendeckend zu impfen.

Dass Covax unterfinanziert ist, kritisiert auch die evangelische Hilfsorganisation "Brot für die Welt". Neben den Zuwendungen der EU sollen zwar auch die einzelnen Mitgliedsstaaten eigenständig Gelder an das Bündnis zahlen. Doch das tun viele nicht, beklagt Mareike Haase, Referentin für internationale Gesundheitspolitik bei "Brot für die Welt“.

"Die Schwierigkeit, die wir bei Covax sehen, ist, dass es auf Freiwilligkeit basiert. Also man appelliert an den guten Willen der Länder, auch an den guten Willen von Unternehmen, dass sie sich hier engagieren, bevor sie eben in ihren eigenen Ländern geimpft haben. Aber es zeigt sich eben, dass es so nicht funktioniert, dass die Regierungen ja über bilaterale Verträge mit den Herstellern schon weit über den eigenen Bedarf Impfstoffdosen gesichert haben, dadurch den Markt leergekauft haben. Wir sehen auch, dass die Unternehmen gar nicht gewillt sind, sich groß an Covax zu beteiligen," kritisiert Haase.

Geld ist nicht das einzige Problem von Covax

Anfang Februar hat das Auswärtige Amt angekündigt, Covax zusätzlich mit einem "substantiellen Beitrag" zu unterstützen. Mehr Geld allein könne auf Dauer aber nicht der Weisheit letzter Schluss sein, sagt Haase. "Weil weiterhin das Problem bleiben wird, dass wir nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung haben. Also selbst wenn Covax mehr Geld hat, wird es nicht genug Impfstoffe geben, die Covax einkaufen kann. Und insofern fordern wir, dass die Patente ausgesetzt werden für die Dauer der Pandemie - dass also die Rechte nicht mehr bei den Impfstoffherstellern bleiben, sondern dass sie ihr Rezept weitergeben, sodass andere Unternehmen in der Lage sind, ebenfalls zu produzieren."

Schließlich habe etwa der Mainzer Impfhersteller Biontech eine beträchtliche Summe an Fördermittel von der Bundesregierung erhalten - aus Steuergeldern - "um diese Impfstoffe überhaupt herstellen zu können. Und insofern fordern wir auch, dass das Recht an diesem Impfstoff eben nicht in der Hand der Hersteller bleibt in der Pandemie, sondern vergemeinschaftet wird, sodass weltweit ein Zugang sichergestellt werden kann," so Haase.

Und je mehr Unternehmen Impfstoff produzieren würden, desto günstiger würde der auch. Dann bräuchte nicht nur Covax weniger Geld, sondern auch die Zielländer - ob in Deutschland, Europa oder Afrika.

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