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Corona-Impfung: Spahn will mit Russland über Sputnik V reden | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Zoltan Mathe

Noch vor kurzem hatte die Bundesregierung die EU-Kommission zu Verhandlungen über den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V aufgefordert. Weil Brüssel aber nicht wie erhofft handelte, wird nun Gesundheitsminister Spahn aktiv.

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Corona-Impfung: Spahn will mit Russland über Sputnik V reden

Noch vor kurzem hatte die Bundesregierung die EU-Kommission zu Verhandlungen über den russischen Corona-Impfstoff Sputnik V aufgefordert. Weil Brüssel aber nicht wie erhofft handelte, wird nun Gesundheitsminister Spahn aktiv.

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  • BR24 Redaktion

Bei einer Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) soll der russische Sputnik V-Impfstoff offenbar möglichst schnell in ganz Deutschland zum Einsatz kommen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat angekündigt, mit Russland direkt über Lieferungen sprechen zu wollen. Das soll im Alleingang passieren, also ohne Einbindung der EU. Gestern hatte die EU-Kommission bereits angekündigt, ihrerseits nicht mit Russland über Lieferungen von Sputnik verhandeln zu wollen.

Spahn: Russland muss Daten liefern

Zunächst gehe es aber um die Zulassung durch die EU, erklärte Spahn. "Dafür muss Russland Daten liefern." Solange dies nicht geschehe, könne es keine Zulassung geben. Die zweite Frage sei dann die der Bestellung.

Zustimmung aus den Bundesländern

Mehrere Ministerpräsidenten haben die Initiative Spahns begrüßt. So sagte etwa Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, der Bund habe ihre volle Unterstützung. Ihr Bundesland verhandelt ebenfalls über Sputnik-Lieferungen, Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bestätigte dem NDR entsprechende Gespräche. Demnach geht es um eine Million Impfdosen zum Preis von insgesamt zehn Millionen Euro. Die Kosten für die Charge würde der Bund übernehmen.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat die Initiative von Spahn begrüßt: "Das Angebot für Sputnik V haben viele Bundesländer erhalten. Es ist richtig, wenn der Bund die Verhandlungen übernimmt".

2,5 Millionen Sputnik-Impfdosen für Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat gestern bereits angekündigt, den Impfstoff nach der Zulassung direkt zu bestellen. Dann werde der Freistaat im Juli rund 2,5 Millionen Sputnik V-Impfdosen erhalten.

Russland hatte seinen Corona-Impfstoff Sputnik V im Sommer vergangenen Jahres zugelassen, noch bevor klinische Studien abgeschlossen waren. Laut einer Studie in der angesehenen medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" hat Sputnik V eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent.

Umfrage: Mehrheit der Deutschen würde sich mit Sputnik impfen lassen

Die Mehrheit der Deutschen würde sich einer Umfrage zufolge mit Sputnik V impfen lassen, sofern dieser von der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) zugelassen wird. 55 Prozent der Befragten sind offen für eine Impfung mit dem Vakzin, wie aus einer veröffentlichten Yougov-Umfrage für das "Handelsblatt" hervorgeht. 19 Prozent der Befragten lehnen demnach eine Impfung mit Sputnik V ab.

14 Prozent der Befragten seien noch unschlüssig, ob sie sich im Falle einer europäischen Zulassung des russischen Impfstoffs auch damit impfen lassen würden. Zwölf Prozent der Teilnehmer gaben an, generell nicht geimpft werden zu wollen. Für die den Angaben zufolge repräsentative Erhebung befragte das Meinungsforschungsunternehmen Yougov am Donnerstag rund 600 Menschen online.

Slowakische Arzneimittelkontrolle kritisiert Sputnik-Hersteller

In der Slowakei hat das staatliche Institut für Arzneimittelkontrolle SUKL indes einen kritischen Bericht über Sputnik V veröffentlicht. Die gelieferten Impfstoffe seien nicht in allen Details identisch mit den zuvor in der renommierten Fachzeitschrift "The Lancet" beschriebenen, hieß es in dem Bericht, der der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Zuvor hatten slowakische Medien darüber berichtet.

Auch Informationen aus anderen Ländern, in denen Sputnik V bereits eingesetzt wurde, seien wegen mangelnder Übereinstimmung nicht auf die an die Slowakei gelieferten Vakzine anwendbar. "Diese Vakzine haben nur den Namen gemeinsam", schrieben die slowakischen Kontrolleure wörtlich. Schon vorher hatten sie der Herstellerfirma mangelhafte Information vorgeworfen. Die Slowakei hat am 1. März eine erste Lieferung von 200.000 Impfdosen des Vakzins erhalten.

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