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Impfstoff von Astrazeneca

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    EU-Verträge mit Astrazeneca laufen aus: Keine Folgen für Bayern

    Immer wieder Ärger mit Astrazeneca - die EU will die Lieferverträge mit dem britisch-schwedischen Hersteller von Corona-Impfstoffen nicht verlängern. Für Bayern hat das aber offenbar keine gravierenden Auswirkungen.

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    Von
    • Jakob Mayr

    Nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums werden die Impfzentren für Erstimpfungen im Freistaat seit Mitte April ohnehin nicht mehr mit dem Impfstoff von Astrazeneca beliefert. Für die nötigen Zweitimpfungen mit dem Astrazeneca-Wirkstoff hat Bayern die erforderlichen Dosen laut einem Ministeriumssprecher beim Bund bestellt – sofern die Zweitimpfung nicht ohnehin mit einem mRNA-Vakzin erfolgt (also Biontech/Pfizer oder Moderna).

    Das Ministerium weist außerdem darauf hin, dass ein auslaufender Vertrag nicht bedeutet, dass die Lieferungen sofort aufhören: "Vielmehr hat Astrazeneca den Vertrag zu erfüllen und die darin vereinbarte Menge an Impfstoff zu liefern. Man muss hier also von einem mittelfristigen Prozess ausgehen."

    Vertrag mit Astrazeneca läuft aus

    Die Europäische Union hat mit sechs Impfstoffherstellern Rahmenverträge abgeschlossen. Dabei führt die EU-Kommission die Verhandlungen im Namen der 27 Mitgliedsstaaten. Den Kontrakt mit dem britisch-schwedischen Pharmakonzern Astrazeneca will Brüssel nicht verlängern. EU-Industriekommissar Thierry Breton, der die EU-Taskforce zur Beschleunigung der Impfstoffproduktion leitet, sagte im französischen Sender "France Inter": "Man wird sehen. Wir werden schauen, was passiert. Astrazeneca ist ein sehr guter Impfstoff, der von Forschern in Oxford entwickelt wurde."

    Bei den Vertragsverlängerungen hat die EU-Kommission nach Bretons Worten zunächst auf das Mainzer Unternehmen Biontech und seinen US-Partner Pfizer gesetzt. Laut Breton geht es in Zusammenarbeit mit Biontech/Pfizer darum, die "zweite Generation von Impfstoffen" vorzubereiten. Am Wochenende hat die EU einen Vertrag mit Biontech und Pfizer über die Lieferung von bis zu 1,8 Milliarden weiteren Corona-Impfstoffdosen geschlossen.

    Ärger von Anfang an

    Astrazeneca dagegen hat seine Verpflichtungen gegenüber der EU in den vergangenen Monaten deutlich verfehlt. Im ersten Vierteljahr 2021 hat der Konzern unter Verweis auf Produktionsprobleme nur 30 Millionen Impfstoffdosen geliefert statt der vereinbarten 120 Millionen. Das hat den schleppenden Start der europaweiten Impfkampagne maßgeblich mitverursacht.

    Für besonderen Ärger hat in der EU gesorgt, dass Astrazeneca gleichzeitig offenbar problemlos nach Großbritannien lieferte. Die EU wirft dem Hersteller Vertragsverletzung vor und geht gerichtlich gegen das Unternehmen vor. Dabei handelt es sich nach Angaben der Kommission um zwei Verfahren: Die EU will erreichen, dass das zuständige belgische Gericht die Dringlichkeit der Lage konstatiert und sicherstellt, dass Astrazeneca schnell liefert wie versprochen.

    In einem zweiten Verfahren geht es grundsätzlich um die Frage, ob das Unternehmen gegen seinen Vertrag mit der EU verstößt. "Uns geht es nicht um Geld oder Bestrafung – uns geht es um die Lieferung", betont Kommissionssprecher Stefan de Keersmaeker. Das Gericht sei aufgefordert, den Konzern zur Lieferung der bestellten Dosen anzuhalten – zum Beispiel, indem es Strafzahlungen verhängt.

    Einschränkungen in den EU-Staaten

    Die EU hat bei Astrazeneca im vergangenen Jahr insgesamt 300 Millionen Dosen bestellt mit der Option, weitere 100 Millionen nachzuordern. Von dieser Möglichkeit ist Brüssel nach dem Konflikt abgerückt. Der Corona-Impfstoff kam außerdem wegen seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen in die Schlagzeilen. Mehrere EU-Mitgliedsstaaten empfehlen Impfungen mit dem Vakzin nur noch für bestimmte Altersgruppen.

    In Deutschland wird es in der Regel bei Menschen über 60 Jahre angewendet. Die Europäische Arzneimittelagentur empfiehlt den Wirkstoff aber weiter ohne Einschränkungen. Aus Sicht der EMA überwiegen die Vorteile im Kampf gegen Covid-19 klar die Nachteile sehr seltener Nebenwirkungen. Die Impfkampagne hat mittlerweile trotz der Anfangsschwierigkeiten deutlich Fahrt aufgenommen.

    Nach Angaben des CDU-Gesundheitsexperten im EU-Parlament Peter Liese ist Deutschland sogar auf dem Weg zum Impfweltmeister. Laut einer Erhebung von Our World in Data wurden laut Liese am 10. Mai in Deutschland 0,8 Prozent der Bevölkerung geimpft – in Großbritannien und den USA habe dieser Wert nur bei 0,65 gelegen.

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