BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Angst vor der Corona-Impfung in Schweden | BR24

© ARD/Carsten Schmiester

In mehreren Ländern geht das Rennen um einen Corona-Impfstoff möglicherweise gerade auf die Zielgerade. Noch ist allerdings nicht klar, wann ein wirksamer Stoff verfügbar ist. In Schweden gibt es aber offenbar viele Menschen, die sich davor fürchten.

23
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Angst vor der Corona-Impfung in Schweden

In mehreren Ländern geht das Rennen um einen Corona-Impfstoff möglicherweise gerade auf die Zielgerade. Noch ist allerdings nicht klar, wann ein wirksamer Stoff verfügbar ist. In Schweden gibt es aber offenbar viele Menschen, die sich davor fürchten.

23
Per Mail sharen

Ein Drittel aller Schweden ist laut einer Umfrage derzeit eher nicht bereit, sich sofort impfen zu lassen, sollte ein neuer Impfstoff gegen Corona verfügbar sein. Der Grund: Vor gut zehn Jahren hatte eine Massenimpfung gegen die Schweinegrippe vor allem bei Kindern und jungen Leuten schlimme Folgen: Hunderte erkrankten unheilbar an Narkolepsie (Schlafsucht).

Verantwortlich für die Impfaktion damals: Anders Tegnell, heute Staatsepidemiologe und der entscheidende Mann hinter dem schwedischen Corona-Sonderweg.

Prominenten-Tochter erkrankte schwer

Sofia Wistam ist eine bekannte Moderatorin und hat im Sommerradio von einem Schicksalsschlag berichtet, der ihre Tochter vor gut zehn Jahren traf. Cindy war damals neun Jahre alt:

"Sie wurde ungeschickt und schlief überall ein, im Unterricht, in der Badewanne. Plötzlich fiel sie in sich zusammen, sogar mitten im Lachen. Ich wollte es nicht wahrhaben, hoffte bis zuletzt: nicht mein Kind! Wie oft habe ich mich dann gefragt, warum ich nicht misstrauischer war. Habe ich das Leben meines Kindes zerstört?" Sofia Wistam, Mutter

Cindy war wie fünf Millionen Schweden 2009 gegen die Schweinegrippe geimpft worden. Kurz darauf erkrankten um die 500 vor allem Kinder und Jugendliche an Narkolepsie, einer Art "Schlafsucht". Anders Tegnell, heute Staatsepidemiologe und "Erfinder" des schwedischen Corona-Sonderweges, war damals Chef der Infektionsschutzabteilung bei der Sozialbehörde und damit verantwortlich für das, was heute als einer der größten Medizinskandale Schwedens gilt.

Schweinegrippe war ein "unglückliche Ereignis"

Im vergangenen Herbst äußerte er sich dazu im Sender TV4. "Ich glaube, die Leute verstehen, dass es sich hier um ein extrem unglückliches Ereignis handelt. In Schweden und weltweit haben wir eigentlich ein gutes System für extrem sichere Impfstoffe, mit denen wir auf Pandemien reagieren können."

Doch damals wurde ein neuer Impfstoff eingesetzt, wohl mit einem zu hoch dosierten Wirkungsverstärker. Der könnte die Ursache für die hundertfach schweren Nebenwirkungen gewesen sein, die Betroffenen wie Cindy ein normales Leben für immer unmöglich machen. Das haben die Leute nicht vergessen.

Verständnis für Impfangst - aber es gibt Argumente dagegen

Jan Albert ist Professor für Infektionsschutz am Karolinska Institut. Er hat Verständnis für die Impfangst, aber auch ein Argument dagegen:

"Ich glaube nicht, dass diesmal die ganze Bevölkerung geimpft werden soll. Ich habe die Planung so verstanden, dass man sich auf Risikogruppen konzentrieren wird, vor allem auf die Älteren." Jan Albert, Professor für Infektionsschutz

Es sollten aber auch nicht zu wenige geimpft werden, mahnte Impfforscher Professor Matti Sällberg in der Zeitung Expressen:

"Gerade wegen konsequenter Massenimpfungen sind wir viele gefährliche Krankheiten losgeworden. Da kann man leicht denken, wir bräuchten keine Impfung mehr. Aber es sind ja gerade Massenimpfungen, die dazu geführt haben, dass diese Krankheiten nicht mehr vorkommen." Matti Sällberg, Impfforscher

Und das sei ohne ein Risiko nun einmal nicht machbar! Leider würde man die extrem ungewöhnlichen Nebenwirkungen erst sehen, wenn mehrere Millionen Menschen geimpft seien.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!