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Corona-Impfstoff: "Unsere Daten sind ermutigend" | BR24

© dpa

PEI-Präsident Klaus Cichutek

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    Corona-Impfstoff: "Unsere Daten sind ermutigend"

    23.648 Neuinfizierte innerhalb eines Tages - ein neuer Höchstwert. Dafür gibt es von der Impfstoff-Front fast täglich gute Nachrichten. Wie schätzt Deutschlands "oberster Impfexperte" Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut die Lage ein?

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    Kommt er vielleicht schon im Advent? Oder zumindest noch 2020? Für Klaus Cichutek ist das "durchaus eine Möglichkeit". Cichutek ist Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), das in Deutschland für die Prüfung von Impfstoffen zuständig ist und schon im Sommer die optimistische Prognose gewagt hatte, dass noch 2020 erste Impfungen möglich sein könnten.

    Dem "obersten Impfexperten" des Landes kommt es dabei aber gar nicht so sehr auf den aktuellen Zeitpunkt der Zulassung des ersten Impfstoffprodukts an. Aus seiner Sicht, betont Cichutek im Bayern2radioWelt-Interview, ist sehr wichtig, dass möglichst gleichzeitig mehrere Impfstoffe auf den Markt kommen, um Anfang 2021 mit ausreichenden Mengen erste Massenimpfungen starten zu können.

    Auf die Zulassung folgt die Priorisierung

    Doch egal, für wie viele Vakzine die europäische Zulassungsbehörde EMA, die die Zulassung in der EU zentral koordiniert, grünes Licht geben kann, und wie schnell dies geschieht: Genug für alle wird in den nächsten Monaten nicht produziert werden. Daher, so Cichutek, werden zunächst wohl die besonders "vulnerablen" Bevölkerungsteile auf eine Impfung hoffen können - etwa Menschen mit Vorerkrankung und Ältere.

    Unbedenklichkeit als oberstes Gebot

    An einem lässt Cichutek dabei keinen Zweifel: An den Kriterien und der Gründlichkeit der Zulassungstests darf es auch im beschleunigten Verfahren im Fall von Corona keine Abstriche geben.

    "Wir haben nur versucht, die Zwischenzeiten zu verkürzen, den Unternehmen zu erlauben, Daten einzureichen, wenn diese zur Verfügung standen und gleichzeitig weitere Daten zu sammeln. Wir haben also unsere jahrzehntelange Erfahrung dazu eingesetzt, die ganze Entwicklung auch von der regulatorischen Seite her zu beschleunigen - ohne Verlust an Sorgfalt. (...) Wenn wir Bedenken hätten, käme es nicht zur Zulassung. " PEI-Präsident Klaus Cichutek

    Was in "Phase III" gerade passiert

    Schon bisher, so Cichutek, wurden Zehntausende in die große abschließende Wirksamkeitsprüfung der Phase III eingeschlossen. Dabei seien Menschen im Alter von 18 bis etwa 55 Jahren, aber auch schon Ältere geimpft worden - Personen, die bereits eine Coronavirus-Infektion hinter sich hatten und auch solche, die bisher keine hatten. Im nächsten Schritt würden nun weitere Personengruppen eingeschlossen - etwa Kinder und chronisch Kranke.

    Unsicherheitsfaktoren: Langzeitschäden und Einzelfälle

    Was im Schnellverfahren naturgemäß nicht möglich ist: die Auswertung möglicher später oder langfristiger Nebenwirkungen einer Impfung. Aber:

    "Selbstverständlich liegen auch schon aus den Impfungen in der Phase I und II längere Beobachtungszeit vor und werden auch die entsprechenden Probanden in den weitergehenden klinischen Prüfungen noch für längere Zeit beobachtet. Bisher sind aber auch diese Daten ermutigend." PEI-Präsident Klaus Cichutek

    Schwerwiegende Nebenwirkungen seien bisher nicht bekannt geworden. Bei der hohen Zahl von Probanden in den Phase III eröffne sich aber die Möglichkeit, auch seltene Nebenwirkungen, die vielleicht bei einer Person von 1.000 Geimpften auftreten, zu erkennen - und entsprechend zu reagieren.

    95 Prozent Wirksamkeit - wirklich?

    Zurückhalten äußert sich Cichutek zu Meldungen, die den Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna eine Wirksamkeit von 95 Prozent zubilligen.

    "Diese Pressemitteilungen sind auf die Börsen gerichtet und dienen der Information der Finanzwirtschaft. Unsere Einschätzungen beruhen auf Detailinformationen, die wir von den Firmen, von den Entwicklern bekommen und da werden wirklich die Rohdaten angesehen. () Dafür sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit Jahren, manchmal Jahrzehnten geschult." PEI-Präsident Klaus Cichutek

    Für weitere Informationen und den jeweils aktuellsten Stand der Einschätzungen verweist Cichutek auf die Website des Paul-Ehrlich-Instituts.

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