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Stiko-Chef Mertens fordert Geduld bei Sputnik-Prüfung | BR24

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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Kay Nietfeld

Der russische Corona-Impfstoff Sputnik V sei "pfiffig gemacht" und voraussichtlich "sehr brauchbar", sagt der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens.

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Stiko-Chef Mertens fordert Geduld bei Sputnik-Prüfung

Deutschland will mit Russland über mögliche Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V sprechen. Positive Signale kommen vom Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission. Sputnik sei voraussichtlich "sehr brauchbar", sagte er der BR-Rundschau.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Elsbeth Bräuer

Thomas Mertens, Vorsitzender der Ständigen Impfkommission (Stiko), bewertet den russischen Impfstoff Sputnik V als prinzipiell vielversprechend. Zugleich mahnte er in der Rundschau im BR Fernsehen Geduld im Hinblick auf den Einsatz an. Sehr viele Detaildaten müssten durch die Zulassungsbehörde noch geprüft werden.

"Wir brauchen eine Zulassung für den Impfstoff, darum kommen wir nicht herum. Wenn das geschehen ist, gehe ich davon aus, dass das wirklich ein guter und sehr brauchbarer und auch - wie ich sage - pfiffig gemachter Impfstoff ist." Thomas Mertens, Chef der Stiko

Die russischen Forscher bezeichnete er als "sehr gut". Das Land habe eine lange Tradition in der Entwicklung von Impfstoffen. Allerdings seien die Daten zu Sputnik V in der Fachpublikation "The Lancet", in der von 91 Prozent Wirksamkeit die Rede ist, nur sehr knapp zusammengefasst worden. "Es gibt einen doch erheblichen Unterschied zwischen den Aussagen einer Publikation und der Prüfung von Einzeldetails." Von Biontech seien im Vergleich dazu etwa 1.200 Seiten bei der Zulassung eingereicht worden.

Spahn plant möglichen Alleingang

Die Bundesregierung kann sich ein mögliche Lieferung aus Russland vorstellen. Auch im Alleingang. Die EU-Kommission habe erklärt, dass sie über das russische Präparat keine Verträge wie mit anderen Herstellern schließen werde, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Er betonte mit Blick auf Sputnik V, dass es zunächst eine Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur EMA geben müsse. Auch müsse geklärt werden, wie viel Impfstoff Russland kurzfristig liefern könne. In Deutschland sind über die EU derzeit vier Impfstoffe zugelassen.

Bayern hat bereits Sputnik V bestellt

Einige Bundesländer sind bereits vorgeprescht. Bayern unterzeichnete am Mittwoch einen Vorvertrag über 2,5 Millionen Sputnik-Dosen, Mecklenburg-Vorpommern zog am Donnerstag mit einer Option auf eine Million Dosen nach.

Der Vorstoß der Länder stieß jedoch auch auf Kritik. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) etwa sieht die Bundesregierung für eine Beschaffung in der Pflicht, wie ein Regierungssprecher erklärte.

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Deutsche Politiker setzen nun vermehrt auf den russischen Impfstoff Sputnik V. Doch was kriegen sie dafür?

Russland plant erste Lieferungen von Sputnik V nach Europa im Juni

Die EU-Arzneimittelbehörde (EMA) prüft seit Anfang März eine Zulassung von Sputnik V in Europa. Bei der sogenannten Rolling Review werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Rolling Review-Verfahren bedeutet, dass mit der Beurteilung des Impfstoffs begonnen wird, bevor alle erforderlichen Daten wie bei einem normalen Zulassungsantrag eingereicht wurden.

Russlands staatlicher Direktinvestmentfonds RDIF ist zuversichtlich und kündigte an, dass eine Lieferung in die EU im Juni starten könnte.

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