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CDU, CSU und SPD beraten heute über Konjunkturhilfen zur Überbrückung der Corona-Krise. Im Gespräch ist auch ein Familienbonus in Höhe von 300 Euro für jedes Kind. Dagegen wendet sich eine außergewöhnliche Allianz aus Wirtschafts- und Sozialexperten.

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Corona-Hilfen: Experten halten Familienbonus für falsch

CDU, CSU und SPD beraten heute über Konjunkturhilfen zur Überbrückung der Corona-Krise. Im Gespräch ist auch ein Familienbonus in Höhe von 300 Euro für jedes Kind. Dagegen wendet sich eine außergewöhnliche Allianz aus Wirtschafts- und Sozialexperten.

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Ulrich Schneider und Volker Wieland haben politisch nicht viel gemeinsam. Schneider ist Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und setzt sich für eine deutliche Erhöhung von Sozialleistungen für Arme und Geringverdiener ein. Ökonomieprofessor Wieland berät als einer der fünf Wirtschaftsweisen die Bundesregierung und ist der Meinung, es gebe genügend Unterstützung für Bedürftige in Deutschland. Einen Familienbonus in Höhe von 300 Euro für jedes Kind halten beide für völlig falsch.

"Gutverdiener brauchen keinen Familienbonus"

Während viele in der Union große Bauchschmerzen mit der Leistung haben, will die SPD das Geld an alle Familien zahlen. In der CSU sagte Landesgruppenchef Alexander Dobrindt vor einer Woche, man solle stattdessen Innovationen und neue Technologien voranbringen, am Wochenende nun nannte Ministerpräsident Markus Söder den Familienbonus "sinnvoll".

Dabei gibt es aus unterschiedlichen Richtungen Warnungen, dass dies konjunkturpolitisch völlig verpuffen könnte. Ulrich Schneider vom Paritätischen sagt voraus, das Geld lande in Gutverdiener-Familien am Ende in der Spardose des Kindes und Volker Wieland vom Sachverständigenrat warnt, man solle Konjunkturpolitik nicht mit Sozialpolitik verwechseln. "Es gibt Unterstützung für Menschen ohne Einkommen. Wir haben ein voll ausgebautes Sozialsystem." Beide fürchten, dass die Konjunktur mit diesem Geld möglicherweise nicht angekurbelt werde. Dabei wollte die Regierung doch ein "Konjunkturpaket" auf den Weg bringen.

Sozialverbände fordern mehr Geld für Arme

Ulrich Schneider beobachtet die Corona-Hilfsmaßnahmen genau – und mit Sorge. Während lange über neue Kaufprämien für Autos geredet werde, habe die Regierung die Alten, die von Grundsicherung leben, völlig vergessen. Genauso wie arme Familien und Geringverdiener, die durch die Corona-Krise arg gebeutelt sind. Die Tafeln haben überwiegend geschlossen, das kostenlose Schulmittagessen fällt aus und viele Geringverdiener haben gar nicht die Möglichkeit zum Homeoffice.

Verkäuferinnen und Bauarbeiter müssen nun mal vor Ort sein und nicht zuhause vor dem Computer. Diesen Familien müsse nun akut geholfen werden, fordert Schneider. In Deutschland leben zwei Millionen Kinder von Hartz-IV-Leistungen.

Wirtschaftsweiser fordert Ende des Homeschoolings

Eine Begründung für den geplanten Familienbonus lautet, mit dem Geld könnten Eltern Tablets oder sonstige Geräte für das Homeschooling ihrer Kinder kaufen. Professor Wieland dagegen ist sicher, es gibt auch in ärmeren Familien genügend technische Ausstattung. Vielmehr müssten vor allem die Kinder aus bildungsfernen Schichten schnell zurück zur Schule und ihre Eltern zur Arbeit. "Der falsche Ansatz ist, die Familien und Eltern zuhause zu halten."

Genaue Ausgestaltung und Höhe des Familienbonus noch unklar

Noch steht nicht fest, wie Union und SPD den Familienbonus genau ausgestalten wollen. In einem Diskussionspapier des SPD-geführten Bundesfinanzministeriums, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, ist die Rede von 300 Euro für jedes Kind. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet hatte sogar 600 Euro vorgeschlagen. Da staatliche Leistungen wie das Kindergeld Eltern im Hartz-IV-Bezug sofort wieder abgezogen werden, müsste die Regierung sicherstellen, dass gerade diese Familien den Bonus auch behalten dürfen. Dazu heißt es in dem Papier, auch Familien, die "kein oder wenig Erwerbseinkommen erzielen", sollen davon profitieren.

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