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Corona: Handel und Gastronomie sorgen sich um Existenz | BR24

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Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, soll das öffentliche Leben aber noch stärker eingeschränkt werden. Das betrifft Restaurants und sämtliche Freizeiteinrichtungen. Zum Teil müssen sie ganz zusperren.

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Corona: Handel und Gastronomie sorgen sich um Existenz

Ab Mittwoch müssen die meisten Läden in Bayern schließen, für Gaststätten gelten verkürzte Öffnungszeiten. Das hat die Staatsregierung als Maßnahme gegen die Corona-Pandemie verfügt. Manche Betriebe plagt jetzt Existenzangst.

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Nach den von der Staatsregierung verkündeten Einschränkungen für Gaststätten reagiert der Sprecher der Münchner Innenstadtwirte, Gregor Lemke, mit Verständnis, aber auch mit Sorge. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "Generell sind wir dankbar, dass es ganz klare Aussagen gibt und die Regierung Handlungsfähigkeit dokumentiert. Das ist ein gutes Zeichen, weil die Leute auch ein wenig Orientierung brauchen." Gleichzeitig betont er jedoch auch: "Für uns als Gastronomen ist das ein ganz schwieriger Gang. Ich mache das über 45 Jahre und habe so etwas noch nie erlebt."

Für große Gaststätten lohne sich ein Betrieb mit nur maximal 30 Gästen nicht: "Das ist betriebswirtschaftlich absolut nicht darstellbar." Man werde sich jetzt überlegen, ob man weiter öffnen soll. Auch gebe es eine "gewisse moralische Verpflichtung gegenüber unseren Gästen und auch der Bevölkerung", auch um ein Signal zu setzen. Auf der anderen Seite helfe es nichts, wenn irgendwann ganze Betriebe in Gefahr gerieten und die Mitarbeiter auf der Straße stehen.

Gastronomen beantragen nun Kurzarbeitergeld

Kündigungen wolle man möglichst vermeiden, zumal gute Fachkräfte in der Gastronomie schwer zu bekommen seien. Die Arbeitsagentur zeige sich sehr kooperativ bei der Vermittlung von Kurzarbeitergeld. Die Frage sei jedoch, wie lange man die Beschränkungen durchhalten könne. "Die gesamte Gastronomie ist mit keiner großen Kapitaldecke ausgestattet."

Angekündigte Notfallkredite des Staates seien nur eine begrenzte Hilfe: "Das Problem an Krediten ist, dass man sie zurückzahlen muss. Und dann muss man hinterher das Doppelte verdienen", so Wirte-Sprecher Lemke.

Großteil der Ladengeschäfte muss schließen

Schwierigen Zeiten geht auch der bayerische Einzelhandel entgegen. Ab Mittwoch müssen wegen Corona alle Geschäfte schließen – ausgenommen ist allerdings der Lebensmittelhandel. Außerdem Getränkemärkte, Banken, Postfilialen, Apotheken, Drogerien, Sanitätshäuser, Optiker, Hörgeräteakustiker, Tierbedarfsgeschäfte, Bau- und Gartenmärkte, Tankstellen und Reinigungen.

Kleine Läden kämpfen ums Überleben

Für den Großteil des Einzelhandels bedeutet die dramatische Entwicklung "Landunter" so Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern zum Bayerischen Rundfunk. Bereits in den vergangenen Wochen sei der Umsatz um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen, weil die Kunden weggeblieben sind. Viele kleine, inhabergeführte Geschäfte würden jetzt ums Überleben kämpfen. Dass der Onlinehandel ungehindert weiter verkaufen darf, finden Ladenbesitzer ungerecht – schließlich bedeute auch die Lieferung der Pakete ein Ansteckungsrisiko.

Fraglich, ob Zusatz-Öffnungszeiten genutzt werden

Ob die Geschäfte des täglichen Bedarfs, die jetzt mit Ausnahmegenehmigung auch sonntags und abends bis 22 Uhr öffnen dürfen, das jetzt auch tatsächlich tun, bleibe abzuwarten, so Ohlmann. "Das wird jedes Unternehmen vor Ort selbst entscheiden."

Mehr Lebensmittel-Lieferungen - keine Knappheit

Unabhängig davon betont der Sprecher des Handelsverbands, dass keine Knappheit bei Lebensmitteln drohe. Das sei im Übrigen noch nicht einmal in Italien der Fall. "Auch wenn man mal vor einem leeren Regal bei Toilettenpapier oder Konserven steh, bedeutet das nicht, dass geschälte Tomaten oder Fertigsuppen ausgegangen sind – im Gegenteil!", so Ohlmann.

Angesichts der Erfahrungen des vergangenen Wochenendes habe der Einzelhandel die Zahl und Menge der Lieferungen erhöht. Die Transportketten seien gesichert. Die Beschäftigten in dem Bereich arbeiteten quasi rund um die Uhr, es brauche sich niemand Sorgen zu machen.

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