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Jetzt lockern? Zwei Stimmen aus der BR-Wissenschaftsredaktion | BR24

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Jeanne Rubner (l) und Jeanne Turczynski (r) aus der BR-Wissenschaftsredaktion

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    Jetzt lockern? Zwei Stimmen aus der BR-Wissenschaftsredaktion

    Öffnen oder abwarten? Während die einen nächste Schritte aus dem Lockdown fordern, warnen andere vor einer dritten Corona-Welle. Auch in der BR-Wissenschaftsredaktion vertreten zwei Expertinnen unterschiedliche Meinungen.

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    Von
    • Jeanne Rubner
    • Jeanne Turczynski

    Beim heutigen Corona-Gipfel beraten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über weitere Lockerungen für Deutschland. Begleitet wird das Treffen von der Debatte, inwieweit Lockerungen angesichts einer möglichen dritten Corona-Welle vertretbar sind. Gleichzeitig werden aber die Lockerungs-Rufe für die Wirtschaft und den Handel lauter. Zwei Stimmen aus der BR24-Wissens-Redaktion.

    Der Corona-Gipfel der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder findet heute ab 14 Uhr statt. BR24 berichtet nach den Beratungen am Abend live: Wie locker wird der Lockdown?

    Jeanne Rubner ist für Corona-Lockerungen: "Das Leben geht weiter"

    Türe zu, alles abschließen. Das wäre natürlich am einfachsten. Und aus virologischer Sicht leicht zu begründen. Am besten, wir halten uns das Virus und seine Mutanten vom Leib. Aber wir leben nicht in einem Schutzraum, den man ständig desinfizieren kann. Menschen müssen arbeiten, wollen zur Schule gehen und die Tante im Pflegeheim besuchen. Das Leben geht weiter, mit dem Virus, zumal wenn die besonders Gefährdeten, die Älteren und Kranken und diejenigen, die sie pflegen, geimpft sind.

    Schützen mit AHA-L-Regeln

    Denn wir können uns ja schützen. Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske, Lüften, das sind die - wissenschaftlich - gesicherten AHA-L Regeln, um sich möglichst nicht anzustecken. Man kann durchaus eine Schule, ein Geschäft, ein Theater, einen Sportplatz öffnen, wenn alle sich an die Regeln halten. Übrigens: Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Virus sich in Blumenläden oder Buchhandlungen stärker ausbreitet als in Baumärkten oder beim Friseur.

    Doch ab welcher Inzidenz darf man öffnen? Dass die unter 35 liegen muss, entspringt jedenfalls keiner wissenschaftlichen Formel. Natürlich ist die Sicherheit umso größer, je weniger Menschen sich anstecken. Doch es kommt auch darauf an, ob Intensivbetten frei sind oder wie viel Personal ein Gesundheitsamt hat für die Nachverfolgung.

    Noch eine Weile mit dem Coronavirus leben

    Wir werden noch eine Weile mit dem Virus leben müssen. Das heißt mit Maske und auf Abstand zu unseren Mitmenschen. Zumindest solange nicht die Mehrheit geimpft ist. Bis dahin sind Öffnungen trotzdem möglich und sogar wissenschaftlich vertretbar.

    Jeanne Turczynski ist gegen Lockerungen: "Nicht leichtsinnig werden"

    Ich weiß, das will jetzt niemand hören. Aber es hilft ja nichts. Wenn Menschen jetzt wieder in langen Schlangen vor Baumärkten, Gartencentern und vorm Friseur stehen, vielleicht auch ins Kino, in die Oper oder gar ins Fitnessstudio gehen, dann ist die dritte Welle nur eine Frage der Zeit. Die Virusvarianten sind tückisch und lassen nicht locker. Sie übertragen sich leichter - nur so erklärt sich, dass die Inzidenzen gerade wieder steigen - und das trotz Lockdown. Deshalb sollten wir jetzt nicht leichtsinnig werden.

    Corona-Schnelltests sehr oft einsetzen

    Ja, es gibt jetzt Antigen-Schnelltests - auch für Laien zum selber testen. Aber es sollte sichergestellt werden, dass die auch überall und vor allem sehr oft und sehr regelmäßig eingesetzt werden! Am besten unter Schulung und Anleitung. Warum nicht zwei Mal die Woche die Belegschaft des Friseurs testen? Und von den Kunden einen negativen Schnelltest verlangen, bevor sie sich die Haare schneiden lassen.

    Impfwelle vor die Infektionswelle bringen

    Überall dort, wo Menschen in größeren Gruppen aufeinandertreffen werden, sollte ausreichend getestet werden. Das gilt für die Schulen und Kitas, das sollte aber auch für den Einzelhandel, die Kultur und den Sport Pflicht werden. Auch die Impfungen spielen eine entscheidende Rolle, um das Virus in Schach zu halten. Damit geht es aber einfach zu langsam.

    Solange das so ist, müssen wir weiter vorsichtig sein. Ein Intensivmediziner erklärte dieser Tage: Wir müssen die Impfwelle vor die Infektionswelle bringen. Davon sind wir aber weit entfernt. Deshalb sollten Öffnungen verschoben werden, bis übers Land eine Impfwelle rollt.

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