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Corona erschwert Produktion von Grippe-Impfstoff | BR24

© picture alliance / Bildagentur-online/Ohde

WHO besorgt über Grippeimpfung im Herbst

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    Corona erschwert Produktion von Grippe-Impfstoff

    Die WHO blickt mit Sorge auf die bevorstehende Grippe-Saison. Denn es ist derzeit schwer, die nötigen Informationen zu den potenziell gefährlichen Grippeviren zu sammeln. Die Labore sind wegen Corona überlastet. Bayern ist aber gut aufgestellt.

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    Jedes Jahr aufs Neue rollt pünktlich zum Herbst die Grippewelle auf uns zu. Sie kommt von der Südhalbkugel, denn dort bricht sie jahreszeitenbedingt zuerst aus. Ein weltweites Netzwerk an Gesundheitsexperten beobachtet dann immer, welche aktuellen Grippeviren dort zirkulieren, um die Informationen bei der Impfstoffentwicklung zu verwenden.

    Labore wegen Corona überlastet

    Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), bestätigt die Sorge der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das Bundesinstitut mit Sitz in Langen bei Frankfurt erforscht, bewertet und genehmigt Arzneimittel sowie Impfstoffe. "Die zuständigen Labore sind überlastet", sagt Cichutek. Die Ressourcen werden vor allem durch die SARS-Corona-Virus 2-Pandemie beansprucht. Deswegen werden weniger Influenzaproben eingeschickt. Die Daten zu den aktuell zirkulierenden Influenzavirus-Stämmen sind dadurch weniger zuverlässig. "Das Risiko ist also real, nicht die neuesten Daten für die Impfstoffherstellung zu bekommen", so das Fazit des PEI-Präsidenten.

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  • Virologin: Impfstoff für Grippesaison im Herbst gesichert

    Dagegen entwarnt die Virologin Ulrike Protzer von der Technischen Universität München für die kommende Grippesaison: Ein Impfstoff sei gesichert.

    Die Produktion läuft dafür schon seit Monaten auf Hochtouren. "Die Informationen über den Impfstoff muss man immer ganz früh im Jahr sammeln, damit der Impfstoff dann wirklich im November, Dezember zur Verfügung steht. Das heißt, die meisten Informationen, die wir brauchen, die haben wir jetzt schon." Dennoch fehlen einige letzte Veränderungen der Grippevirusstämme. "Es könnte also sein, dass uns etwas entgeht, aber ich glaube, wir sind da trotzdem gut aufgestellt", so Protzer.

    Corona- und Grippewelle bedeutet Zerreißprobe für Krankenhäuser

    Damit könnte es sein, dass der diesjährige Grippeimpfstoff nicht ganz so treffsicher gegen die Viren wirkt wie in früheren Jahren. Insgesamt wird es also aus virologischer sicher eine aufregende Herbst- und Wintersaison. Ulrike Protzer warnt, die Krankenhäuser könnten vor eine Zerreißprobe gestellt werden, wenn die Grippewelle auf die Coronawelle trifft. "Ich glaube schon, dass nochmal eine erhebliche Herausforderung im Herbst auf uns zukommt. Auch wenn wir eine mögliche zweite Welle besser beherrschen werden, weil wir dazu gelernt haben, kommen parallel zuerst die normalen Erkältungsviren und dann ab Dezember die Grippeviren dazu. Das wird uns dann sehr, sehr, sehr beschäftigen", gibt die Virologin zu Bedenken.

    Gesundheitsexperten: Unbedingt gegen Grippe impfen lassen

    Deshalb raten gerade in Zeiten von Corona die Gesundheits-Experten umso eindringlicher, sich gegen Influenza impfen zu lassen. Zumal eine Grippeimpfung auch gegen Covid-19 helfen könnte, wie Virologin Ulrike Protzer erklärt. "Es gibt sehr ernst zu nehmende Wissenschaftler, die sagen, wenn ich das Immunsystem anrege, dann verbessere ich die Schleimhautimmunität und baue damit auch eine gewisse Barriere auf." Abschließende Studien dazu haben die Theorie aber noch nicht bewiesen.

  • Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.
  • Bayern hat sich schon Extra-Grippeimpfdosen gesichert

    Mit Blick auf ein Zusammentreffen einer potentiellen zweiten Coronawelle und der alljährlichen Grippewelle bereitet sich Bayern bereits intensiv vor, heißt es aus dem Gesundheitsministerium. So wurden bis zu 660.000 Extra-Impfdosen europaweit bestellt. Denn Gesundheitsministerin Melanie Huml geht davon aus, dass sich mehr Menschen als sonst gegen Grippe impfen lassen wollen. Der Freistaat ist also laut der Gesundheitsministerin vorbereitet. In den vergangenen Jahren haben die Ärzte in Bayern pro Grippesaison rund 1,5 Millionen Impfdosen verbraucht.

    Bleibt festzuhalten: In diesem Herbst sollte man sich nicht nur vor dem Coronavirus, sondern auch vor der Grippe schützen, die ebenfalls tödlich enden kann. Dabei helfen Maßnahmen wie Hände waschen, Abstand halten und Maske tragen. Zusätzlich hilft eine Grippeimpfung – weil sie nicht nur jeden einzelnen schützt, sondern auch das Gesundheitssystem entlastet.

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