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Die Infektionslage in Deutschland verschärft sich weiter - der Inzidenzwert liegt heute bei 130 - in Bayern sogar noch etwas höher. Aus der Politik kommen nun Forderungen nach einem noch schärferen Lockdown.

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Corona: Forderungen nach Lockdown und neuer Bund-Länder-Runde

Wenige Tage nach dem Bund-Länder-Gipfel werden neue Maßnahmen in der Corona-Pandemie gefordert. Während Kanzleramtschef Braun vor einer möglichen impfresistenten Mutation warnt, fordern andere Politiker einen vorgezogenen Bund-Länder-Gipfel.

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Von
  • Kira Sophie Lorenz

Man befinde sich in der "gefährlichsten Phase" der Pandemie, erklärte Kanzleramtschef Helge Braun in der "Bild am Sonntag". Es sei zwingend notwendig, die steigenden Corona-Zahlen wieder nach unten zu bringen. Auch verschärfte Maßnahmen seien möglich, so Braun. Andere Politiker fordern zudem einen baldigen Bund-Länder-Gipfel noch vor dem geplanten Termin im April. Bayerns Ministerpräsident Söder zeigte sich hinsichtlich eines möglichen erneuten Treffens kritisch und forderte stattdessen ein konsequentes Einhalten der vereinbarten Corona-Notbremse.

Forderung nach nächtlicher Ausgangssperre

Die kommenden Wochen würden entscheiden, ob Deutschland die Pandemie absehbar in den Griff bekomme, erklärte Braun der "Bild am Sonntag". "Wenn jetzt parallel zum Impfen die Infektionszahlen wieder rasant steigen, wächst die Gefahr, dass die nächste Virus-Mutation immun wird gegen den Impfstoff."

Gerade in Regionen mit einer Inzidenz über 100 müssten dringend Lockerungen zurückgenommen und neue Maßnahmen ergriffen werden. Als mögliche Maßnahme nannte Braun Ausgangssperren am Abend und in der Nacht. So könnte die hohe Ansteckungsrate bei privaten Treffen reduziert werden.

Ähnliche Forderungen wurden aus SPD-Kreisen laut. So fordert Gesundheitsexperte Karl Lauterbach eine nächtliche Ausgangssperre als bundesweite Regelung für mindestens zwei Wochen. Dem "Tagesspiegel" sagte er, um die Opferbilanz von 100.000 Corona-Toten zu verhindern, brauche es unterschiedliche Maßnahmen. Neben der Ausgangsbeschränkung brauche es eine Testpflicht für Unternehmen und schnellere Erstimpfungen. "Wir müssen deutlich unter 100.000 Toten bleiben", wird Lauterbach zitiert. Ein erneuter Bund-Länder-Gipfel sei deswegen schon bald nötig.

Kretschmann: "Corona-Zahlen rasen hoch"

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann stellte in Stuttgart erneute Gespräche zwischen Bund und Ländern für Anfang der Woche in Aussicht. Dabei müsse man zu Klarheit kommen, so der Grünen-Politiker. Ob der Termin tatsächlich nach vorne gezogen werde, bestätigte der er jedoch vorerst nicht. "Erstmal überlegen wir alle solche Sachen", sagte Kretschmann am Samstagabend in Stuttgart. "Wir müssen das auch mit anderen Ländern vorbesprechen, mit dem Bundeskanzleramt." Man sehe jedoch, dass die Zahlen nach oben rasen, erklärte er weiter. Ursprünglich war der neue Bund-Länder-Gipfel für den 12. April angesetzt.

Zu dem Vorschlag von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU), wegen der schnell steigenden Infektionszahlen das gesellschaftliche Leben 10 bis 14 Tage richtig herunterzufahren, sagte Kretschmann: "Aus pandemischer Sicht wäre das am besten." Allerdings müsse man genau abwägen, ob es sinnvoll und machbar sei, alles zuzumachen.

Söder kritisch gegenüber vorgezogenem Bund-Länder-Gipfel

Den Vorschlägen seiner Länder-Kollegen steht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) offenbar kritisch gegenüber. In einem Gespräch mit der "Augsburger Allgemeinen Zeitung" (Montagsausgabe) forderte er, statt eines erneuten Treffens, eine strikte Umsetzung der Corona-Notbremse mit Ausgangssperren in allen Bundesländern mit einer Inzidenz über 100.

Es brauche nicht ständig neue Gespräche, sondern die konsequente Umsetzung der Notbremse, wird der Ministerpräsident von der Zeitung zitiert. "Die Corona-Lage spitzt sich zu, einige Länder haben den Ernst der Lage leider noch nicht verstanden", so der CSU-Chef.

Zustimmung von Gesamtmetall für Lockdown - Kritik an Ministerpräsidentenrunde

Zustimmung zu einem harten Lockdown äußerte der Präsident des Arbeitsgeberverbandes Gesamtmetall, Stefan Wolf. Der "Bild am Sonntag" sagte er, es müsse endlich aufhören, dass jede Kommune ihren eigenen Sonderweg gehen könne. "Es wäre mir lieber, wenn wir noch mal zehn Tage bundesweit in einen harten Lockdown gehen und danach überall öffnen können, anstatt über Monate keine klaren Strukturen zu haben."

Wolf kritisierte gleichzeitig die Ministerpräsidentenrunde deutlich: "Ihre Beschlüsse gehen seit Monaten völlig an den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen und Betriebe vorbei."

RKI meldet bundesweite Inzidenz von fast 130

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt derzeit deutschlandweit an. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet 17.176 Neuinfektionen in den letzten 24 Stunden. Das sind 3.443 mehr als am vergangenen Sonntag. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist somit auf 129,7 von 124,9 am Samstag gestiegen, vor einer Woche lag sie noch bei 104. Bayernweit wurden 2.800 neue Corona-Fälle gemeldet. Die landesweite Inzidenz liegt somit bei 135,8.

(Mit Verwendung von dpa-Material)

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Einzelne Länderchefs fordern verschärfte Maßnahmen im Kampf gegen die Corona-Pandemie.

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