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Epidemie in Brasilien: Bolsonaros gefährliches Spiel mit Corona | BR24

© BR/Ivo Marusczyk

Die Corona-Situation in Brasilien ist dramatisch. Inzwischen ist das Virus auch in den Elendsvierteln angekommen. Und Präsident Bolsonaro? Auf seine Machtbasis kann er sich verlassen.

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Epidemie in Brasilien: Bolsonaros gefährliches Spiel mit Corona

Die Corona-Situation in Brasilien ist dramatisch. Inzwischen ist das Virus auch in den Elendsvierteln angekommen. Und Präsident Bolsonaro? Auf seine Machtbasis kann er sich verlassen.

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Südamerika ist ein neues Epizentrum der Corona-Pandemie geworden. In vielen Ländern steigen die Fallzahlen stark an. Aber am schlimmsten sei jetzt Brasilien betroffen, stellt Michael Ryan fest, der Nothilfe-Koordinator der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Brasilien ist mittlerweile weltweit das Land mit der zweithöchsten Zahl an Covid19-Fällen. Tote werden in einigen Städten in Massengräbern bestattet, die Krankenhäuser sind längst überfüllt und Menschen sterben, weil es keine Intensivbetten mehr gibt.

Über 25.000 Corona-Tote in Brasilien

In diesen Tagen überschreitet Brasilien die Zahl von 400.000 Infizierten und von 25.000 Toten. Was Brasiliens Präsidenten Jair Bolsonaro aber nicht sonderlich beeindruckt. Er hält nach wie vor an seiner Haltung fest, die Pandemie sei doch nur eine "gripezinha", eine kleine Grippe, gegen die man nichts machen könne aber auch nichts unternehmen müsse.

"Na und? Was soll ich da machen? Ich heiße zwar Messias, aber Wunder kann ich auch nicht bewirken."Das ganze sei nur "noch hochgespielt von der Presse, um eine wahre Hysterie auszulösen, die sich im ganzen Land ausbreitet".

Bolsonaro setzt auf Malaria-Medikament

Seine Strategie besteht immer noch darin, auf das Malaria-Medikament Chloroquin zu setzen, beziehungsweise auf den Wirkstoff Hydroxychloroquin. Dass Studien abgebrochen werden mussten, weil Cloroquin zu viele gefährliche Nebenwirkungen mit sich brachte, interessiert ihn nicht. Er setzte durch, dass Chloroquin in die Leitlinien für Brasiliens öffentliche Krankenhäuser aufgenommen wurde. Auch wenn deswegen der neue Gesundheitsminister nach nur vier Wochen das Handtuch warf. Jetzt leitet ein Armeegeneral das Gesundheitsministerium.

Was gegen Covid-19 hilft, ist für Bolsonaro keine Frage der Wissenschaft, sondern der Ideologie. Und das findet er sogar noch lustig. "Ich sag's mal höflich: Wer rechts ist, der nimmt Chloroquin, wer links ist soll Limo trinken."

Evangelikale stützen Bolsonaro weiterhin

Eine Frage der Ideologie und des Glaubens. Denn nicht nur stramm rechts denkende Brasilianer stehen nach wie vor treu hinter Bolsonaro, sondern auch die Evangelikalen, also die einflussreichen fundamentalistisch-konservativen Freikirchen. Ihre Gläubigen stehen immer wieder vor dem Präsidentenpalast von Brasília und skandieren "Chloroquin, du wirst mich heilen, im Namen Jesu".

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