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EMA empfiehlt Einsatz von Astrazeneca-Impfstoff.

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EMA empfiehlt Einsatz von Astrazeneca-Impfstoff

Die Europäische Arzneimittelbehörde hat sich für den Einsatz des Vakzins von Astrazeneca ausgesprochen. Es soll aber eine Warnung vor Blutgerinnseln bei den Nebenwirkungen aufgenommen werden. Die Corona-Impfungen könnten nun zügig fortgesetzt werden.

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  • Markus Wolf

Die Europäische Arzneimittelbehöre (EMA) hält weiter am Corona-Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca fest. Das hat die EMA soeben auf ihrer Pressekonferenz in Amsterdam mitgeteilt. Es sei keine Verbindung der Impfung mit der Erhöhung des Risikos von Blutgerinnseln bei Menschen festgestellt worden. "Die Impfung ist sicher und wirksam", sagte EMA-Chefin Emer Cooke. Man sei weiterhin der Ansicht, dass die Vorteile des Vakzins die möglichen Risiken überwögen, teilte die EU-Behörde nach einer Sondersitzung des Sicherheitsausschusses mit.

Gleichzeitig räumte man aber auch ein, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen der Impfung mit Astrazeneca und den bisher aufgetretenen Nebenwirkungen in bestimmten Fällen nicht vollständig ausgeschlossen werden könne. Künftig soll deshalb eine extra Warnung vor möglichen seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen in die Liste der möglichen Nebenwirkungen aufgenommen werden, damit die Thrombosefälle den Mitarbeitern des Gesundheitswesens und Patienten bekannt seien.

Hohe Wirksamkeit bescheinigt

Die Agentur wies zugleich auf die Proportionen hin. Bis zum 16. März hätten rund 20 Millionen Menschen im Europäischen Wirtschaftsraum (EEA) und Großbritannien eine Astrazeneca-Impfung erhalten. Die EMA habe 18 beziehungsweise sieben Fälle bestimmter Arten von Blutgerinnseln untersucht.

Cooke betonte, in klinischen Studien habe das Mittel eine Wirksamkeit von mindestens 60 Prozent gezeigt. Hinweise in der "echten Welt" deuteten darauf hin, dass die Wirksamkeit vielleicht noch höher sei. Geplante Studien und Prüfungen würden nun fortgesetzt, hieß es.

Zuvor hatte bereits die Weltgesundheitsorganisation WHO für die weitere Nutzung des Impfstoffes plädiert. Auch der Pharmakonzern selbst hatte keine Hinweise festgestellt und empfohlen, die Impfungen mit dem Mittel fortzusetzen.

13 Vorfälle mit Blutgerinnseln in Deutschland bekannt

Die EMA hatte eine Überprüfung eingeleitet, nachdem Fälle von seltenen Thrombosen nach der Impfung zu einem Impfstopp mit dem Mittel in mehr als einem Dutzend Ländern, darunter auch Deutschland, geführt hatten. Laut Bundesgesundheitsministerium kam es in Deutschland bislang zu 13 Vorfällen. Drei Menschen sind gestorben.

Bayern will Impfungen zügig fortsetzen

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) zeigte sich in einer ersten Reaktion zufrieden. Er begrüße die EMA-Empfehlung für den Einsatz von Astrazeneca, teilte das Ministerium in einer Pressemitteilung mit. Die Entscheidung zeige, dass der Impfstoff sicher und wirksam sei. "Die anhaltende Knappheit von Impfstoffen in dieser Phase der Pandemie führt uns klar vor Augen: Wir müssen froh sein, dass wir diesen Impfstoff haben", so Holetschek.

Wichtig sei, dass nun auch der Bund grünes Licht gebe und wieder Impftermine mit Astrazeneca vergeben werden könnte. Man wolle den Impfstoff in Bayern "so rasch wie möglich" wieder einsetzen. Ab April wolle man Astrazeneca verstärkt auch in Arztpraxen nutzen. Die Ärzte hätten ein großes Vertrauensverhältnis zu ihren Patienten und könnten aufklären und beraten.

Man habe in Bayern vorgesorgt, um die ausgesetzten Termine auszugleichen, etwa indem man für die kommende Woche 30.000 Impfdosen der Biontech-Reserven freigegeben und den Abstand zwischen Erst- und Zweitimpfungen ausgedehnt habe (bei Biontech und Moderna auf sechs Wochen, bei Astrazeneca auf zwölf Wochen).

Prominente Unterstützung für Vakzin

Auch BR-Wissenschaftsredakteurin Jeanne Turczynski fordert nun, die durch den Impfstopp verloren gegangene Zeit wieder aufzuholen. Die Entscheidung der EMA sei wichtig, um den Impfplan in Deutschland umzusetzen. Das Vakzin würde dringend gebraucht, so Turczynski. Für problematisch hält sie allerdings den mittlerweile entstandenen Imageschaden für das Mittel.

Um nun das Vertrauen der Bevölkerung in den Impfstoff von Astrazeneca zurückzugewinnen, haben bereits mehrere hochrangige Politiker erklärt, sich eine Dosis verabreichen zu lassen. Der britische Premierminister Boris Johnson beispielsweise kündigte an, sich am Freitag mit Astrazeneca impfen zu lassen. Ebenso wie Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Das bestätigte ein Staatsministerium. Mit seinen 72 Jahren ist Kretschmann impfberechtigt.

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Wie geht es weiter mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca?Darüber berät zur Stunde die Europäische Arzneimittelbehörde in Brüssel. BR-Reporterin Stephanie Stauss im Gespräch.

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