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Petersberger Klimadialog: Corona - eine Chance fürs Klima? | BR24

© Picture Alliance/Karl-Josef Hildenbrand

Gras wächst auf trockenem und rissigem Ackerboden eines Blaukrautfeldes im bayrischen Hausen. Das Klima bleibt auch in Zeiten von Corona wichtig.

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    Petersberger Klimadialog: Corona - eine Chance fürs Klima?

    Kein Face-to-Face-Treffen, sondern eine Digital-Schalte der Kanzlerin mit Umweltministern aus aller Welt. Die Corona-Krise prägt den Petersberger Klimadialog - auch inhaltlich.

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    Nach der Krise kommen die Konjunkturprogramme - irgendwann in der zweiten Jahreshälfte wird es so weit sein. Forderung der Umweltverbände: Das viele Geld, das die Staaten verteilen werden, soll die Wirtschaft ankurbeln und den Klimaschutz voranbringen.

    Jennifer Morgan, Chefin von Greenpeace International, hofft auf Kanzlerin Angela Merkel: "Sie ist mit Corona zum Leitbild geworden, dafür, wie man in Krisen führt. Und sie muss der Welt helfen zu sehen, wie man diese beiden Krisen - Klima und Corona - zusammenbringt. Wir haben jetzt die Chance, das zu verbinden, um sicherzustellen, dass öffentliches Geld in die Zukunft fließt - und nicht in die Vergangenheit."

    Förderprogramm: Klima immer mitdenken

    Wie das gehen könnte - dafür hat in Deutschland zum Beispiel Patrick Graichen Vorstellungen entwickelt, Direktor beim Thinktank Agora Energiewende. Er schlägt ein 100 Milliarden schweres Förderprogramm vor, bei dem der Klimaschutz immer berücksichtigt wird. Bei jeder Maßnahme müsse dann stets mitbedacht werden: "Was heißt das für die langfristige Klima-Herausforderung? Und kann ich innerhalb dieses Sektors, den ich stärken will, gleichzeitig seine Zukunftsfähigkeit Richtung Klimaschutz mit stärken?", so Graichen.

    Zwei Fliegen mit einer Klappe. Gerade in der Industrie komme es drauf an, dezidiert klimafreundliche Produktionsweisen zu fördern, sagt Graichen, weil die Anlagen dort oft Jahrzehnte liefen, jetzt getroffene Investitionsentscheidungen also sehr lange nachwirkten.

    "Langfristige Zielsetzungen sind wichtig"

    Wenn sich's verbinden lässt, in Ordnung, sagt Holger Lösch, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Bund der deutschen Industrie. Aber: "Ich warne nur davor: Alles, was wir jetzt zum Wiederaufbau nutzen, muss dann immer tiefgrün und ausschließlich klimafreundlich sein." Grundsätzlich sei aber klar, dass man sich jetzt überlegen müsse: "Wo können wir mit den nach dieser Krise noch verfügbaren Mitteln die Ziele Wachstum, Beschäftigung und Klimaschutz voranbringen?"

    In vielen Bereichen ginge das sehr gut, sagt Lösch: Dämmung von Gebäuden, Förderung von Speichern für erneuerbaren Strom. Das helfe der Wirtschaft und dem Klima. "Das Thema ist und bleibt wichtig. Das heißt, die langfristigen Zielsetzungen, die sind wichtig. An denen wird auch keiner rütteln, der vernünftig durch die Welt geht."

    Wohlstand ohne Klimaschutz wieder aufbauen "wäre fatal"

    An den kurzfristigen Zielsetzungen dagegen rüttelt schon der eine oder andere, in der FDP und beim Wirtschaftsflügel der Union. Brauchen wir wirklich wie vereinbart ab kommendem Jahr einen deutschen Preis auf Kohlendioxid? Ließen sich die strengen europäischen Verbrauchsvorgaben für Autos nicht doch noch ein bisschen lockern?

    Hier etwas zurückzudrehen, wäre falsch, sagt Christoph Schmidt. Der Volkswirt und Wirtschaftsforscher war bis Februar Chef der Wirtschaftsweisen. "Es wäre fatal, wenn man das Ganze jetzt einfach fallen lassen würde und sagen würde, wir bauen erstmal wieder Wohlstand auf und bauen auf fossile Strukturen, und dann können wir immer noch weiter sehen." Man könnte und sollte an dieser Stelle die anstehenden Investitionen eben in die richtige Richtung lenken, meint er. Heißt: in Richtung weniger Treibhausgas-Emissionen.

    Wie stark die Kanzlerin auf diese Ratschläge der Wissenschaft hört, zeigt sich vielleicht am Dienstag. Am Nachmittag hat sie dann ihren Auftritt beim Petersberger Klimadialog.

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