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Corona-Effekt: Tiere und Klima im Erholungsmodus | BR24

© picture alliance / blickwinkel

Birkhühner profitieren von der derzeitigen ungewöhnlichen Ruhe. (Symbolbild)

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    Corona-Effekt: Tiere und Klima im Erholungsmodus

    Auch das bewirkt die Corona-Krise: Weltweit gehen derzeit die Treibhausgasemissionen zurück. Und: Die Zahl an heimischen Vogelarten könnte sich aufgrund der unverhofften Ruhezeit in den Bergen und an den Flüssen langfristig stabilisieren.

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    Von
    • Johannes Reichart

    Die Corona-Krise verschafft der Natur eine Atempause: Umweltschützer wie Michael Schödl vom Bayerischen Landesbund für Vogelschutz hoffen nun auf eine größere Brut, etwa beim Flussuferläufer, der zu den kiesbrütenden Vögeln gezählt wird. Vor allem der Besucherandrang an bayerischen Flüssen in der warmen Jahreszeit störe die Vögel häufig bei der Brut. In diesem Frühjahr könnte es anders sein.

    "Es ist für die Vögel entscheidend, ihren Brutplatz zu wählen. Wenn die da in Ruhe gelassen werden, dann können die das sorgfältiger machen. Wenn aber viele Störungen bei der Brutplatzwahl sind, dann werden die teilweise in suboptimale Bereiche angedrängt mit negativen Folgen." Michael Schödl, Bayerische Landesbund für Vogelschutz

    Angst vor zu vielen Heimaturlaubern im Sommer

    Auch die balzenden Birkhühner profitieren von der derzeitigen ungewöhnlichen Ruhe. Damit diese Ruhe nicht nur von kurzer Dauer ist, sorgt Micheal Schödl schon mal vor für die Sommerzeit: mit gelben STOP-Schildern an sensiblen Kiesbänken. Denn für den Vogelschützer besteht eine Gefahr:

    "Wenn viele Leute es vermeiden, jetzt nach Spanien oder Italien in den Urlaub zu fahren, dann machen sie vielleicht eher bei uns Urlaub. Wir merken in den letzten Jahren, dass der Druck in den Wildflüssen sehr steigt, weil viele Leute hier unterwegs sind." Michael Schödl, Bayerische Landesbund für Vogelschutz

    Nur wenn der Mensch Rücksicht nehme, könne er die Fülle an Tierarten weiter erleben, so Schödl. Darum müsse man für eine gute Co-Existenz sorgen.

    "Dann haben die Menschen einen Platz, um den Fluss zu erleben, und die Vögel haben Platz, um das Wichtigste zu machen, was sie in ihrem Leben machen – nämlich Junge aufziehen." Michael Schödl, Bayerische Landesbund für Vogelschutz

    Weniger Handel exotischer Tiere dank Corona?

    Auch der Handel mit exotischen Wildtieren, wie er in Ländern wie China gang und gäbe ist, könnte durch Corona zurückgehen. Denn genau diese Praxis wird als Ursprung der Epidemie vermutet. Doch auch hierzulande können exotische Heimtiere lebensbedrohliche Krankheiten übertragen, sagt Aktivistin Katharina Lameter von der Tierschutzorganisation Pro Wildlife. 

    "2012 und 2013 gab es den Borna-Virus in Deutschland, da sind insgesamt vier Leute zu Tode gekommen, das heißt die infizierten Tiere haben eine Krankheit auf den Menschen übertragen." Katharina Lameter, Tierschutzorganisation Pro Wildlife

    Damals wurden die Borna-Viren durch Bunthörnchen aus der Gattung der Eichhörnchen übertragen. Schon länger beklagen die Tierschützer mangelhafte Kontrollen beim Tierverkauf und fehlende Importbeschränkungen. Sinnvoll wäre dabei aus Sicht der Tierschützer eine Positivliste von exotischen Tieren, die sich überhaupt eignen, in Privathaltung gehalten zu werden.

    Verlangsamt sich jetzt die Erderwärmung?

    Und das Klima? Wird es sich dank Corona verbessern? Das ist noch nicht abzusehen, sagt Patrick Graichen, Direktor der Initiative "Agora Energiewende". Die Organisation ist eine Art Think-Tank in Energiepolitik:

    "Wo wir bei den CO2-Emissionen landen, das ist noch offen, das hängt auch von der Politik ab: Wenn sie es gut macht, dann ist das ein Schwung in Richtung Investitionen hin zu erneuerbaren und sauberen Technologien. Zum Beispiel grüne Stahlwerke oder Elektromobilität - dann bleiben die Emissionen unten. Wenn wir jetzt einfach nur so hochfahren, wie es bisher war, und womöglich die Investitionen in erneuerbare Energien zurückbleiben, dann bleiben die Emissionen auch weiterhin hoch." Patrick Graichen, Direktor der Initiative "Agora Energiewende"

    Solaranlagen als zuverlässige Stromerzeuger

    Satellitenbilder zeigen, dass der Schadstoffausstoß in den Industrieländern deutlich zurückgeht. Erneuerbare Energien erweisen sich derzeit als krisensicher: Während beispielsweise in der Schweiz Mitarbeiter mehrerer Atomkraftwerke bereits an Covid-19 erkrankt sind und die Betreiber sich Gedanken um die Fortführung des Betriebs machen müssen, können Wind- und Solarkraftanlagen mit ihrem geringen Personalbedarf punkten.

    "Wind- und Solaranlagen brauchen generell relativ wenig Wartung. In einer Zeit, in der die Menschen zu Hause bleiben sollen, sind Solaranlagen also zuverlässige Stromproduzenten." Patrick Graichen, Direktor der Initiative "Agora Energiewende"

    Welche Wirkung der Virus auf Tier und Klima am Ende tatsächlich haben wird, das wird sich wohl erst zeigen, wenn die Corona-Krise wieder vorbei ist.

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