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Corona: Der Schlingerkurs der Ärzte-Funktionäre

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    Corona: Der Schlingerkurs der Ärzte-Funktionäre

    Im Sommer gab es zwar Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle - doch passiert ist wenig. Viele haben das Virus offenbar unterschätzt. Außerdem sorgten immer wieder Ärzte-Aussagen für Aufsehen, dass beispielsweise Masken zu tragen, wenig Sinn mache.

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    Von
    • Markus Rosch
    • Benedikt Nabben

    Erich Altmann weiß, was das Coronavirus anrichten kann: Der 52-jährige Journalist und vierfache Familienvater kam im Frühjahr mit Erkältungssymptomen ins Krankenhaus. Dort lag er dann 14 Wochen im Koma.

    "Es stand Spitz auf Knopf. Ich war phasenweise dem Tod näher als dem Leben." Erich Altmann, Sportreporter

    Nun kämpft Altman, der immer fit war, in einer Rehaklinik darum, wieder selbstständig sprechen, essen und gehen zu können. Dass jemand an Maskenpflicht, Desinfektion und Abstandregeln zweifeln kann, kann er nicht verstehen

    Ärzte zweifelten am Sinn der Maske

    Rückblick: Ende April wird der Lockdown aufgehoben. Die Bevölkerung atmet durch. Auch viele Ärztefunktionäre geben Entwarnung. Sogar das Tragen von Masken wird in Frage gestellt.

    Im Mittelpunkt der Diskussion damals: Der Äußerungen von Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery, der sich zu diesem Zeitpunkt gegen eine Maskenpflicht aussprach. Allerdings: inzwischen hat Montgomery eingesehen, dass seine Behauptung im April falsch war.

    "Also die wissenschaftlichen Arbeiten, die darüber bestehen, belegen, dass ich mich geirrt hatte damals. Die Masken sind sinnvoll. Sie reduzieren den Virus-Ausstoß um etwa 85 Prozent." Frank Ulrich Montgomery, Weltärztepräsident

    Maskenverweigerer beriefen sich auf falsche Arzt-Aussage

    Immer wieder hatten sich Maskenverweigerer auf Montgomerys Aussage berufen. Montgomery bedauert das. Auch die Ärzte hätten einen Lernprozess durchlaufen. Wissenschaft kommuniziere heute viel schneller als früher. Hinzu komme, dass wissenschaftliche Überlegungen im politischen Feld aufgegriffen und auch missbraucht würden.

    Auch im Oktober noch falsche Zweifel an der Maske#

    Während der eine Ärztefunktionär seinen Fehler bereut, zweifelt der Präsident der Bundesärztekammer Klaus Reinhardt in einer Talksendung noch Mitte Oktober am Nutzen von Masken. Da sagte er, dass er nicht davon überzeugt sei, dass sie tatsächlich hilfreich seien. Dafür gebe es keine wissenschaftliche Evidenz.

    Unter öffentlichem Druck rudert aber auch er dann zurück. Ein Interview dazu mit report München lehnt er ab. Lapidar heißt es von der Bundesärztekammer: "Alles dazu sei gesagt."

    Plädoyer für Gebote – statt Verboten

    Andreas Gassen ist der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und vertritt rund 150.000 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte. Er plädiert für Lockerungen – und für Gebote statt Verbote. Freiwillige Regeln würden besser eingehalten. Außerdem hielte man sich besser an Regeln, wenn man deren Sinn erkenne.

    Montgomery: Virus kennt weder Weihnachten noch Ramadan

    Es gebe zu viele unterschiedliche Regelungen und sie seien nicht konsequent genug – das findet nun auch Weltärztepräsident Montgomery. Er fordert harte Maßnahmen.

    "Die etwas gefühlsduseligen Auflockerungen zu Weihnachten gehen mir wissenschaftlich gegen den Strich. Weil das Virus kennt weder Weihnachten noch Ramadan." Frank Ulrich Montgomery, Weltärztepräsident

    Pandemie nicht unterschätzen!

    Zurück zu Erich Altmann, dem Sportreporter aus Niederbayern. Ob er wieder so fit wird, wie er es vor der Corona-Infektion war, ist unklar. Neun Monate nach seiner Erkrankung ist er gerade nur glücklich darüber, dass er mittlerweile wieder eine Treppe hochkommt.

    Er warnt davor, die Pandemie zu unterschätzen. Und findet, nun sollten alle an einem Strang ziehen - damit anderen sein Schicksal erspart bleibt.

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