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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 9,3. Kein Grund zur Entspannung, warnen Virologen: Die ansteckende Delta-Variante breitet sich in Großbritannien aus. Und nicht nur dort: Auch die Städte Moskau und Lissabon sind stark betroffen.

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Virologen alarmiert wegen ansteckender Delta-Variante

Die bundesweite 7-Tage-Inzidenz sinkt auf 9,3. Kein Grund zur Entspannung, warnen Virologen: Die ansteckende Delta-Variante breitet sich in Großbritannien aus. Und nicht nur dort: Auch die Städte Moskau und Lissabon sind stark betroffen.

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  • BR24 Redaktion

Während die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz mit 9,3 erstmals seit neun Monaten in den einstelligen Bereich gefallen ist, wie das Robert Koch-Institut berichtet, breitet sich zugleich die als aggressiv geltende Delta-Variante des Sars-CoV-2-Virus mit hoher Geschwindigkeit aus.

Großbritannien: Delta-Variante breitet sich trotz hoher Impfquote aus

Vor allem in Großbritannien treibt derzeit die Delta-Variante des Coronavirus trotz hoher Impfquote die Zahl der Neuinfektionen an. Ausgerechnet im Londoner Wembley-Stadion sind in der kommenden Woche zwei Achtelfinals (26. und 29. Juni) angesetzt, sowie später beide Halbfinalspiele und am 11. Juli das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft. Nach der K.o.-Runde ist eine 50-Prozent-Auslastung der Stadien geplant.

Lauterbach warnt: EM-Spiele in England "einfach zu gefährlich"

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte gegenüber der Mediengruppe "RTL/ntv": "Die Delta-Variante ist einfach zu gefährlich. Das ist eine Gefährdung der Bürger Englands und der Bürger Europas. Man müsste die Spiele in ein anderes europäisches Land verschieben."

Auch die Bundeskanzlerin zeigt sich angesichts der Ausbreitung der Delta-Variante besorgt im Hinblick auf die Fußball Europameisterschaft: "Wenn ich vollkommen besetzte Stadien sehe in anderen Ländern Europas, bin ich skeptisch, ob das die richtige Antwort auf die augenblickliche Situation ist", so Angela Merkel am Freitag vor einem Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Berlin.

Moskau und Lissabon kämpfen mit Delta-Variante

Auch Russlands Hauptstadt Moskau erlebt einen sprunghaften Anstieg von Corona-Neuinfektionen. Die Gesundheitsbehörden meldeten am Samstag 9.120 Fälle - so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Nahezu 90 Prozent der Covid-Erkrankungen seien auf die Delta-Variante zurückzuführen, so Moskaus Bürgermeister.

Die portugiesische Hauptstadt Lissabon ist aufgrund der Delta-Variante abgeriegelt. Seit Freitagnachmittag und bis Montagmorgen dürfen die gut 2,8 Millionen Menschen mit Wohnsitz in Lissabon die "Area Metropolitana" nur aus triftigem Grund - wie etwa den Weg zur Arbeit oder zum Arztbesuch - verlassen. Auswärtige dürfen nur in Ausnahmefällen einreisen.

Die zunächst in Indien entdeckte Delta-Variante machen die portugiesischen Behörden für eine Zunahme der Infektionsfälle in den vergangenen Tagen verantwortlich. Mit 928 neuen Infektionen binnen 24 Stunden hatte Lissabon am Donnerstag den höchsten Wert seit dem 19. Februar verzeichnet.

Drosten: Mahnung zu Vorsicht

Nach Einschätzung des Charité-Virologen Christian Drosten muss Deutschland die Delta-Variante in der Pandemie ab sofort ernst nehmen. "Ich bin mittlerweile so weit, dass ich sage, wir sind hier jetzt im Rennen in Deutschland mit der Delta-Variante", sagte Drosten auf dem Online-Kongress für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin. "Wir müssen das ab jetzt wirklich ernst nehmen."

Nach einer Analyse des Robert Koch-Instituts für die erste Juniwoche hatte sich der Anteil der Delta-Variante in Deutschland innerhalb von nur einer Woche auf sechs Prozent fast verdoppelt. In den Wochen zuvor stagnierte diese Mutante bundesweit eher um die zwei Prozent. Auch jetzt liegt sie noch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau - allerdings im Rückblick. "Vom Gefühl her kann ich sagen, uns rufen immer mehr Leute an, die Ausbrüche beschreiben, immer mehr Labore", berichtete Drosten. Im Süden Dänemarks und in Schleswig-Holstein gebe es gerade ein Ausbruchsgeschehen. "Das erinnert mich an den Beginn der B.1.1.7-Epidemie in Deutschland, wo es genauso war", sagte der Virologe.

Streeck: Politik zu reaktiv

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck betonte, man sei nicht am Ende der Pandemie. Er beklagte, die Politik sei immer noch zu reaktiv und nicht aktiv genug. "Wir versäumen es, aus der Pandemie maximal zu lernen und uns auf Herbst und Winter vorzubereiten. Es herrscht allgemein der Eindruck, das Virus verschwindet und dass wir die Pandemie überwunden haben, wenn die nächsten Monate ruhig laufen", sagte Streeck der "Fuldaer Zeitung". Man müsse sich aber für alle Eventualitäten, die im Herbst eintreten könnten, vorbereiten. Es gebe zu viele Unbekannte - darunter auch die Delta-Variante.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Präsident Lothar Wieler hatten am Freitag vor den Gefahren durch die sehr ansteckende Delta-Variante gewarnt. Die Frage sei nicht, ob, sondern wann sie zur dominierenden Variante hierzulande werde.

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