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Eine Statistik beruhigt derzeit viele: Noch sind mehrere tausend Intensivbetten frei. Was dabei aber übersehen wird: Viele Patienten werden von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt, um dort Platz zu schaffen.

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Corona-Patienten: Das Rätsel um die belegten Intensivbetten

Eine Statistik beruhigt derzeit viele: Noch sind mehrere Tausend Intensivbetten frei. Was dabei aber übersehen wird: Viele Patienten werden von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt, um dort Platz zu schaffen.

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  • Fabian Mader
  • BR24 Redaktion

Seltsamerweise hat sich die Zahl der belegten Intensivbetten in Deutschland seit dem Sommer kaum verändert. Kann das sein? Trotz höheren Inzidenzen und Todeszahlen? Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) bestätigt das. Und sie muss es wissen: Denn sie sammelt sämtliche Daten über freie und belegte Betten auf deutschen Intensivstationen.

Intensivbetten jetzt mehr für Schwerkranke genutzt

Tatsächlich waren in Deutschland am 1. August 19.875 Intensivbetten mit Patienten belegt und vorgestern waren es 19.873. Eine mögliche Lösung für das Rätsel lieferte kürzlich ein anonymer Autor auf dem Ärzteportal DocCheck.

Demnach ist es so, dass auf Intensivstationen Patienten mit unterschiedlich schwerer Erkrankung landen. Dort werden nämlich nicht nur Patienten, die nur durch Intensivmedizin überleben können, sondern auch welche, die - etwa nach einer Operation - nur noch überwacht werden müssen. Das geht zwar am besten auf einer Intensivstation, möglich ist es aber auch auf einer Normalstation.

Weil Corona-Patienten häufig eine Beatmung benötigen, müssen nun diese weniger schweren Fälle auf die Normalstationen ausweichen - so der Bericht auf DocCheck.

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Eine Statistik beruhigt derzeit viele: Noch sind mehrere tausend Intensivbetten frei. Was dabei aber übersehen wird: Viele Patienten werden von der Intensiv- auf die Normalstation verlegt, um dort Platz zu schaffen.

Mehr Verlegungen auf Normalstation

Gegenüber dem ARD-Politmagazin "Report München" hat DIVI-Präsident Prof. Uwe Janssens den Inhalt des DocCheck-Berichts nun teilweise bestätigt. Allerdings sieht er keine belastbaren Zahlen, dass Patienten zu früh verlegt worden seien und sich dadurch ein messbarer Nachteil für sie ergeben hätte.

Gleichwohl verweist er auf das Risiko, das solche Verlegungen speziell am Wochenende und in der Nacht mit sich brächten. Der Zustand der Patienten könne sich verschlechtern.

Höhere Belastung für Pflegepersonal

Die Verlegungen haben auch Folgen für Ärztinnen und Pflegerinnen auf der Intensivstation. Denn jetzt haben sie nicht mehr einen Mix aus schwer und leichter erkrankten Patientinnen und Patienten, sondern müssen überwiegend komplizierte Fällen versorgen. Das bedeutet für das Personal mehr Aufwand und auch mehr Stress.

Keine Alternative zu Verlegung auf Normalstation

Patienten von der Intensiv- auf die Normalstation zu verlegen, sei allerdings schon vor Corona üblich gewesen, sagt Prof. Uwe Janssens. Die Pandemie habe den Druck auf die Intensivstationen aber deutlich erhöht. Eine Alternative sieht der DIVI-Präsident nicht. Eine Intensivstation müsse nun einmal immer freie Betten vorweisen, um im Notfall reagieren zu können.

Weiterer Grund: Verschobene Operationen

Mit diesem Patientenmanagement allein lasse sich nicht erklären, dass die Anzahl der belegten Betten in der DIVI-Statistik stabil bleibe - das habe auch damit zu tun, dass Operationen verschoben worden seien. Auch diese Maßnahme habe auf den Intensivstationen Raum geschaffen, da viele Patientinnen normalerweise nach einem Eingriff noch für einige Zeit zur Beobachtung blieben.

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Durch die vielen Corona-Patienten ist die Lage auf einigen Intensivstationen in Deutschland äußerst angespannt. Das Pflegepersonal ist überlastet. Schon bald könnten einige Kräfte deshalb ausfallen, mahnen Intensivmediziner.

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