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Bildrechte: dpa-Bildfunk/Guido Kirchner

Nachdem nun Bayern einen negativen Corona-Test von Urlaubern aus dem Kreis Gütersloh verlangt, bildeten sich heute lange Schlangen vor den Teststationen.

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Corona bei Tönnies - Regionaler Hotspot, bundesweite Gefahr?

Die Läden bleiben offen, doch die Kontaktregeln sind strenger: In zwei NRW-Kreisen ist das öffentliche Leben wieder eingeschränkt. Gesundheitsminister Spahn stellte sich hinter die Maßnahmen: Das Virus könne sich schnell wieder ausbreiten.

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  • tagesschau.de

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich hinter die Wiedereinführung von Beschränkungen in Teilen Nordrhein-Westfalens gestellt. Man habe von Beginn an gesagt, dass dies erforderlich werde, sollte es erneut regionale Virus-Ausbrüche geben, sagte der CDU-Politiker im ARD-Morgenmagazin. Damit solle eine weitere Ausbreitung des Virus verhindert werden.

"Ich verstehe sehr gut, dass es Enttäuschung, Sorgen, ja auch Wut gibt in Gütersloh und in Warendorf", sagte Spahn. Die Auflagen dienten aber dem Schutz aller Menschen in Deutschland. "Wir sehen ja, wenn man es diesem Virus zu leicht macht, dann breitet es sich ganz, ganz schnell wieder aus."

Debatte um Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen

Über die Corona-Krise hinaus müsse über die Arbeitsbedingungen in den Schlachhöfen geredet werden - vor allem über das Thema Werkverträge. Die Schlachtbetriebe hätten genug Zeit gehabt, die Dinge zu regeln, betonte Spahn. "Sie haben sie nicht geregelt, und jetzt werden wir sie gesetzlich regeln."

Zuvor hatte der rumänische Botschafter angesichts der zahlreichen rumänischen Staatsangehörigen unter der Tönnies-Belegschaft einen besseren Schutz der Arbeiter in deutschen Schlachthöfen gefordert. Die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten müssten "dringend verbessert werden", sagte Emil Hurezeanu den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Hälfte der Tönnies-Mitarbeiter seien rumänische Staatsangehörige. Sein Land erwarte daher, dass die Bundesregierung gesetzliche Vorhaben zur besseren Regulierung der Branche umsetze.

Auch FDP-Generalsekretärin Linda Teuteberg kritisierte den Missbrauch von Werkverträgen in der Fleischindustrie. "Wir brauchen mehr Kontrollen und bessere Unterkünfte", forderte sie im ARD-Morgenmagazin. Es sei die Verantwortung der Unternehmen, Arbeitsbedingungen im Betrieb zu haben, die funktionieren. Tönnies habe diese Verantwortung offensichtlich nicht wahrgenommen.

Gesundheitsminister der Länder beraten

Der Corona-Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies beschäftigt heute Vormittag auch die Gesundheitsminister der Länder. In einer Telefonkonferenz wollen sie über ein gemeinsames Vorgehen beraten, auch beim Thema Reisen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet warnte davor, Urlauber aus dem Kreis Gütersloh zu benachteiligen. Außerhalb der Beschäftigten in der Fleischindustrie seien bisher so gut wie keine Fälle bekannt, sagte der CDU-Politiker in den Tagesthemen. Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein wollen Bürger aus Corona-Risikogebieten nur noch unter strengen Auflagen einreisen lassen.

Auflagen gelten vorerst eine Woche

Seit Mitternacht gelten wegen des massiven Corona-Ausbruchs in einem Fleischbetrieb von Tönnies im Landkreis Gütersloh und im Nachbarkreis Warendorf in Nordrhein-Westfalen erneut strenge Auflagen: Im öffentlichen Raum dürfen nun nur noch zwei Menschen oder Menschen aus einem Familien- oder Haushaltsverbund zusammentreffen. Zudem sollen eine Reihe von Freizeitaktivitäten unterbleiben. So müssen den Angaben zufolge zum Beispiel Museen, Kinos, Fitnessstudios, Hallenschwimmbäder und Bars vorübergehend geschlossen werden.

Die Vorschriften für die neuen Einschränkungen gelten zunächst für eine Woche bis zum 30. Juni. Betroffen sind insgesamt rund 640.000 Einwohner. Mit Inkrafttreten der Auflagen sollen auch die Corona-Tests in den beiden Landkreisen deutlich ausgeweitet werden.

Mehr als 1.550 Fälle bei Tönnies

Bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh hatten die Behörden in der vergangenen Woche einen massiven Corona-Ausbruch registriert. Mehr als 1.550 wurden positiv auf das Coronavirus getestet. Rund 7.000 Mitarbeiter wurden schon vor den Tests unter Quarantäne gestellt. Zudem wurden im Kreis Gütersloh schon vor Tagen alle Schulen und Kitas vorsorglich geschlossen.

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