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Corona-Ausbruch in NRW-Fleischfabrik: Schulen und Kitas dicht | BR24

© BR/Bildfunk/Friso Gentsch

Beim Fleischkonzern Tönnies sollen 400 Mitarbeiter mit Corona infiziert sein.

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    Corona-Ausbruch in NRW-Fleischfabrik: Schulen und Kitas dicht

    In einer Tönnies-Fleischfabrik in Rheda-Wiedenbrück sind 400 Mitarbeiter mit Corona infiziert. Jetzt müssen im Landkreis Gütersloh Schulen und Kitas dichtmachen. Experten kritisieren seit längerem die Arbeitsbedingungen in der Fleischproduktion.

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    • BR24 Redaktion

    In Deutschland gehen die Corona-Infektionszahlen drastisch zurück. Eigentlich. Denn ein Fall im nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück entpuppt sich als Infektionsherd.

    Laut Medienberichten sollen sich beim Fleischkonzern Tönnies von bislang 500 vorliegenden Testergebnissen 400 Fleischfabrik-Mitarbeiter mit Corona angesteckt haben. Weitere Ergebnisse stünden noch aus. Die Betroffenen sollen in einem Teilbereich der Schweinezerlegung tätig sein. Die Schließung des Schlachtungsbereichs sei bereits am Mittag auf Anweisung des Landrats von Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), eingestellt worden, nun würden weitere Bereiche nach und nach heruntergefahren, teilte das Unternehmen mit. Wie lange der Produktionsbereich geschlossen bleibe, müssten die Behörden nach Lage entscheiden.

    Alle Kitas und Schulen im Kreis Gütersloh geschlossen

    Der Kreis Gütersloh schließt nach diesem erneuten Corona-Ausbruch alle Schulen und Kitas bis zu den Sommerferien. Durch diesen Schritt solle eine Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung vermieden werden, sagte eine Sprecherin des Kreises am Mittwoch.

    Gründe für Ausbruch: Heimaturlaube und Kühlungsbereich

    Als mutmaßliche Gründe für die zahlreichen Infektionen nannte das Unternehmen auf einer Pressekonferenz die Rückkehr von Arbeitern nach Heimaturlauben sowie die Kühlung in Bereichen der Firma. Gekühlte Räume beförderten offenbar das Übertragen des Virus auf viele Personen, so Tönnies-Vertreter Gereon Schulze Althoff.

    "Wir können uns nur entschuldigen", sagte Tönnies-Sprecher Andre Vielstädte. Man habe intensiv daran gearbeitet, das Virus "aus dem Betrieb zu halten". Dem Unternehmen zufolge ist noch nicht ganz klar, ob es einen oder mehrere Infektionsherde gebe. Der oder die Herde müssten in den vergangenen Wochen in den Betrieb herein getragen worden sein, da die behördlich verordneten Tests vor drei bis vier Wochen bei den betroffenen Mitarbeitern noch negativ gewesen seien. Das NRW-Gesundheitsministerium kündigte zudem an, im Gesundheitsausschuss des Landtages ausführlich zu informieren.

    Experten kritisieren Zustände in der Fleischindustrie

    Seit längerem teilen in Deutschland vier Großkonzerne knapp zwei Drittel des deutschen Fleischmarkts unter sich auf: Tönnies, Westfleisch, Vion und Danish Crown haben mittlerweile einen Anteil von 64 Prozent. Den Rest teilen sich mittelständische Unternehmen und noch etwa 1.000 handwerklich arbeitende Metzger mit nur wenigen Angestellten, die meist weniger als zehn Schweine pro Woche schlachten. Marktführer Tönnies ist mit Discountern wie Aldi und Lidl groß geworden und gilt als Prototyp der industriellen Schlachtung.

    "Da geht vorne das lebendige Schwein rein, und hinten kommt die fertig verpackte Wurst raus." Achim Spiller, Fleischmarkt-Experte an der Universität Göttingen

    Marktexperten zufolge ist diese Form der Fleischproduktion auch deshalb so erfolgreich, weil die Großfirmen ihre Lohnkosten durch das Anwerben von Arbeitern aus Billiglohnländern und mit Hilfe von Subunternehmen extrem senken konnten. Löhne sollen weniger als zehn Prozent der Ausgaben ausmachen. Gewerkschaften und Kirchen kritisieren ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Wuchermieten in heruntergekommenen Massenunterkünften.

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